Sonntag, Juli 31, 2005

Oleg Popow 75 Jahre

"Sein Humor ist naiv, sanft und verträumt; Bosheit oder Grausamkeit kennt er nicht. Wir haben bisher immer gedacht, Clowns müssten unbedingt schreien, sich mit Narrenstücken produzieren, alles mögliche effektvolle Beiwerk benutzen, mit Witzen um sich werfen. Hier aber sehen wir reine Situationskomik, die augenblicklich den Kontakt zum Publikum herstellt".
[Marcel Marceau über Popov]
Der berühmteste Clown der Welt Oleg Popow wurde vor 75 Jahren in Moskau geboren. Eine seiner berühmten Auftritte war die Jagd nach dem Sonnenstrahl quer durch die Zirkusarena, was ihm bis heute den Titel „Sonnenclown“ eintrug. Er lebt heute mit seiner deutschen Frau in einem kleinen Dorf bei Nürnberg und jagt den Sonnenstrahl noch heute ...

Samstag, Juli 30, 2005

Umberto Nobile

Umberto Nobile starb 93jährig am 30. Juli 1978 in Rom. Er widmete sich ab 1911 aeronautischen Studien, führte 1926 eine erfolgreichen Polarexpedition mit dem Luftschiff „Norge“ durch und brach 1928 zu einer weiteren Nordpolforschungsreise mit der „Italia“ auf, die bei der Rückfahrt havarierte.

Die internationale Rettungsaktion für Nobile und seine Mannschaft dauerte drei Monate, es waren 10 Schiffe und 20 Flugzeuge beteiligt. Der Polarforscher Amundsen, der zwei Jahre zuvor mit Nobile den Nordpol überquert hatte, kam bei dieser Suche ums Leben.

Freitag, Juli 29, 2005

Peenebrücke bei Jarmen

"Der Takt wiederholt,
der Rhythmus erneuert."
[Ludwig Klages, Vom Wesen des Rhythmus]
Friedrich Konrad Eduard Wilhelm Ludwig Klages starb am 29. Juli 1956 im Alter von 84 Jahren in Kilchberg im Kanton Zürich.
"Noch zu rasch entfliehn die Bilder.
Noch zu stürmisch wogt die Glut
Meiner Seele".
[Ludwig Klages]

Donnerstag, Juli 28, 2005

Fünfter Akt: Im rollenden Sofa durch blühende Landschaften

Wollschow
Wollschow, Kirche
Wir waren ruhig
Hockten in den alten Autos,
drehten am Radio
und suchten die Straße nach Süden

[Wolf Wondratschek, In den Autos, 1976]

Die Autobahn A20 zeichnet sich dadurch aus, dass sie mehr Baulücken aufweist als ich Finger an den Händen habe (und ich bin kein Schreiner). Auf den fertig gestellten Abschnitten dagegen sind durchgängig keine Verkehrsschilder aufgestellt. Die wenigen Autos, die an einem Donnerstagmorgen dort anzutreffen sind, fahren daher ausnahmslos Höchstgeschwindigkeit und sind nur sehr unwillig bereit, den linken Fahrstreifen für das rollende Sofa mit 25o Kilometer per Stunde freizugeben, was schon allein daran zu erkennen ist, dass sie nach erfolgreichem Überholvorgang sofort wieder auf den linken Streifen wechseln obwohl kilometerweit nichts Überholungswürdiges in Sicht ist.

Überhaupt scheint sich der Fahrstil in den letzten 20 Jahren vollkommen verändert zu haben. Aus der vergleichsweise vorsichtigen Fortbewegung hinter dem antifaschistischen Friedenswall wurde nach der Wende in kurzer Zeit ein mir aus Istanbul oder auch Moskau vertrauter Fahrstil, den Westdeutschen eher von der Boxautoszene auf dem Rummelplatz bekannt. Spötter führen dies darauf zurück, dass es der DDR ja an allem mangelte ergo auch an Menschen die totzufahren waren. Ich hänge dagegen mehr der Theorie an, dass die Wartezeiten auf ein „Auto“ so lange dauerten und die Folge eines Unfalls für das „Auto“ bauartbedingt fast immer Totalschaden war, so dass jeder möglichst äusserste Vorsicht walten lies. Heute freilich stehen satisfaktionsfähige Fortbewegungsmittel mehr als ausreichend zur Verfügung und es gibt auch Arbeitslose genug, was dazu führt dass an jedem zweiten Alleebaum nun ein Kreuz angenagelt ist.

Kurz nach sieben Uhr waren wir keine zehn Kilometer von Stettin entfernt und an der Grenze angelangt. Natürlich passierte, was zu erwarten war: Mir war gemäss Leihvertrag nicht gestattet, das rollende Sofa in ehemalige Ostblockländer auszuführen. Wohl in der sehr irrigen Annahme ein Pole interessiere sich für das Gefährt über Gebühr. Darauf vom deutschen Zoll hingewiesen machten wir eine Wende nicht ohne auf dem Scheitel der Kurve zu tanken und beschlossen in einer interfraktionellen Vereinbarung das Frühstück im frisch gekauften Haus in Wollschow einzunehmen.

Wollschow ist rund 15 Kilometer von der Grenze entfernt, nur in wirklich guten Karten zu finden und gehört gerade eben noch zu Brandenburg. Wollschow hat mit seinen rund 200 Einwohnern gut daran getan, keine Ehrenbürgerwürde zu vergeben und musste daher bislang auch keine aberkennen. Soweit bekannt, hat niemand aus Wollschow jemals Berühmtheit erlangt. In Wollschow gibt es eine Post einen Lebensmittelladen und eine Kneipe, praktischerweise alles in einem Gebäude und einem Raum. So fällt es überhaupt nicht auf, wenn man den ganzen Tag dort verbringt, schliesslich kann man sagen man war bei der Post, dann einkaufen und schliesslich noch auf ein Glas in der Kneipe. Alles ganz gemütlich dort, es sei denn Mensch kommt aus dem Westen oder hat gar die polnische Staatsbürgerschaft …

Alice's Adventures

Vor 54 Jahren hatte der Disney-Film „Alice's Adventures in Wonderland“ Premiere:

“Alice was beginning to get very tired of sitting by her sister on the bank, and of having nothing to do: once or twice she had peeped into the book her sister was reading, but it had no pictures or conversations in it, `and what is the use of a book,' thought Alice `without pictures or conversation?'

So she was considering in her own mind (as well as she could, for the hot day made her feel very sleepy and stupid), whether the pleasure of making a daisy-chain would be worth the trouble of getting up and picking the daisies, when suddenly a White Rabbit with pink eyes ran close by her.”

[Lewis Carroll, Alice's Adventures in Wonderland, I. Down the Rabbit-Hole]

Vierter Akt: Der Europarat konstituiert sich

Very Zsa Zsa der Laden, irgendwas mit Absinth der angesagte Sommerdrink, nix zu essen ausser Kanapees und Fingerfood, das in Unmengen genossen ja auch irgendwie sättigt – waren das noch Zeiten als in jedem Ostseebad alle 100 Meter ein Broilerstand auszumachen war.

Keiner hat uns auf das rollende Sofa angesprochen: Hier sind alle ausserordentlich schlechten Geschmack gewöhnt, wenn auch die weitaus meisten ihn nicht erkennen. Tiefergelegte Harleys, ausgemusterte Rennboote in infragelb und die ewige mit Paintbrush-Methode auf der Motorhaube versehene Flammen-Corvette ... Idyll aller Friseusen und Zuhälter.

Zu uns setzte sich ein Paar aus Stettin, die ihren letzten Abend feiern wollten und morgen zurückfahren mussten. Professoren für Ökonomie beide und haben sich auf der Deutschen Seite der Grenze ein Haus gekauft, „weil das in Stettin unbezahlbar ist“. Für 10 KEuro haben sie ein halbwegs gut erhaltenes Haus mit 4 Hektar Grund erworben und renovieren jetzt kräftig. Sie sind nicht die Einzigen: Viele etwas vermögende Polen machen das jetzt im Grenzgebiet – die Dinge kehren sich ins Gegenteil, wenn man nur lange genug wartet. Aber neu ist: Diese Neubürger lernen Deutsch oder können es bereits besser als so mancher Landsmann. Wir wechseln vom Absinth zu etwas Bodenständigerem, ich bestelle einen ordentlichen Bordeaux.
„Und nun trat auch Ring selbst, der sich bis dahin etwas zurückgehalten hatte, mit einer gewissen strahlenden Feierlichkeit in Aktion und begann die vor ihm stehenden Gläser, große geschliffene Römer, in virtuosem Bogensturz zu füllen, ein Einschenkekunststück, das die stets schlagfertige Frau von Padden, die heute leider fehlte, mal als „Ringsche Füllung en cascade“ bezeichnet hatte.“ [Theodor Fontäne, Effi Briest]
Ich habe mich immer als Europäer, nie als Deutscher bezeichnet und so ein seltener Abend wie dieser bestätigen mich dann auch: Nach einigen Flaschen und Unmengen von Fingerfood zogen wir weiter zum Strand (nicht ohne vorher aus dem Kofferraum des grünen Sofas die „eiserne Reserve“ Roten entwendet zu haben) zum Schwimmen auf der hohen Düne. Das ist der Vorteil der Ostsee: die hat zu jeder Tag- und Nachtzeit 18 Grad und betrunken wie wir sind, können wir auch nicht so weit hinausschwimmen, bis das Wasser tief genug ist, um zu ertrinken. Irgendwann in dieser Nacht kam uns allen die Idee, doch am nächsten Tag nach Stettin zufahren, ich sinnierte kurz, ob dies noch „in Rufweite von Hamburg“ sei – alles eine Definitionsfrage entschied ich mutig …

Am nächsten Morgen fuhren wir mit der ersten Fähre zurück, Extrapreis bezahlen, ein letztes Bild im Morgengrauen, das Gepäck eingeladen, und wir vier auf dem rollenden Sofa Richtung Stettin ... aber das ist eine andere Geschichte.

Mittwoch, Juli 27, 2005

Dritter Akt: Das rollende Sofa rollt wieder

In Roststock geboren sind unter anderem Gebhard Leberecht von Blücher (der preussische Heerführer und Feldmarschall), Dr. Erika Fuchs (die begnadete Übersetzerin zahlreicher Disney-Comics), Walter Kempowski und ja, sprechen wir es aus: Jan Ullrich, der ewige Verfolger. Den ehemaligen Ehrenbürgern Adolf Hitler, Friedrich Hildebrandt, Hermann Schuldt, Johannes Warnke und Karl Mewis wurde die Ehrenwürde zwischenzeitlich wieder aberkannt – ich gestehe ja vielen eine grundsätzliche Lernfähigkeit zu … in Teilen ist’s aber sicher auch dem Opportunismus geschuldet …

Nach wenigen Minuten erschien der Erpresser Lotse und fragte Ostdeutsch vorlaut und offensichtlich vor Neid zerfressen, ob das dunkel grüne Ungetüm tatsächlich von mir gesteuert würde. Als ich souverän zunächst zwei Acquavit bestellte, bejahte und fragte, ob er etwas zu meinem Haus, Swimmingpool und Rennstall wissen wollte, bestand er darauf sofort aufzubrechen und dorthin zu fahren, wo alle waren, die etwas Vorzeigbares hatten oder dies zumindest glaubten. Ich protestierte noch etwas eingedenk der nicht unerheblichen Leibesübungen, die das Finden und Einparken in Rostocker Parklücken erfordert. Er hatte zwischenzeitlich beide Schnäpse getrunken und schon längst die Lokalität verlassen um dem rollenden grünen Sofa entgegenzustolpern. Der als Seemann verkleidete Wirt bejahte, als ich ihn fragte, ob ich die noch halbvolle Flasche mitnehmen könne und wir rollten im Sofa nach Warnemünde. So eine Mischung aus Sylt, Überseehafen und Ostseedisneyland.
„Rostock-Warnemünde ist inzwischen, mit über 80 anlegenden Kreuzfahrtschiffen pro Jahr, der wichtigste deutsche Kreuzfahrerhafen.“
Auf der Fähre zur hohen Düne trafen unser rollendes Sofa zahlreiche neugierig-scheue Blicke und ich bezahlte – natürlich – einen Extrapreis wg. Übergrösse. Schliesslich rollten wir vor die vermeintliche In-Kneipe. Als ich sogar einen standesgemässen Parkplatz fand, machte ich mir übermütig Hoffnung auf etwas zu Essen, das sollte aber vorerst ein Wunsch bleiben …

Zweiter Akt: Das rollende Sofa schwächelt

Von Puttgarden nach Rostock sind es Luftlinie keine 100 Kilometer. Dumm nur, dass im rollenden Sofa zwar allerlei Schnickschnack eingebaut ist vom Abstandhalter bis zur Sitzkühlung. Aber leider nichts von all dem, was in jedem x-beliebigen James Bond-Film jedes dahergefahrene Fahrzeug kann! Ich bin doch ein grundbescheidener Mensch: Ich brauche keinen Flammen- oder Nebelwerfer, keine Bleiplatte, die hochfährt um mich vor MG-Beschuss zu schützen und auch keinen Schleudersitz. Wirklich nicht, aber so ein paar Extras wie etwa mit dem Raktenantrieb fliegen können, mit 40 Knoten übers Wasser donnern oder auch als U-Boot abzutauchen sind doch nützliche Features auch für so ein sandbeigefarbenes Ungetüm von rollendem Sofa. Hab ich aber alles nicht in meinem vermeintlichen Oberklassewagen.

Also muss ich enttäuscht doch die ganze normale Strasse nehmen, hinter Lübeck kurz Gas geben: Bei 250 wird das Sofa abgeregelt und dann auch schon wieder tanken. Unterm Strich bin ich bei fünffachem Verbrauch wahrscheinlich genauso schnell wie ein normales Beförderungsmittel … aber ich lerne alle Tankstellen kennen - immerhin.

In Rostock angekommen sind sich Navigationsgerät und Kohlenstoffwelt nicht richtig einig – ich bin vorsichtig und alt genug der Realität höflich den Vortritt zu lassen. Schliesslich telefoniere ich mit dem Expresser der nun zum freundlichen Lotsen mutiert ist und ich finde sogar nach kaum 30 Minuten eine Parklücke in die ich das rollende Sofa mal gerade so bugsieren kann und schon sitze ich am Tresen mit einer Flasche eiskaltem Rostocker Pilsner in der Hand und sinniere über den Wahlspruch der Rostocker
"Sit intra te concordia et publica felicitas -
In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen."
Aber Eintracht und Wohlergehen (zumal allgemeines) hielten nicht lange vor, offen gesagt habe ich auch keine Mauern gesehen, die das befördern sollten ...

Erster Akt: Moment of truth oder das rollende Sofa

Was macht einer, der sich aus weitgehend privaten Gründen mehrere Tage in „Rufweite“ von Hamburg aufhalten muss? Er definiert „Rufweite“ täglich neu und versucht, einen vernünftigen Leihwagen zu bekommen. Also nix gegen Hamburg, aber auch wirklich nichts – ausser vielleicht, dass das Wetter 360 Tage im Jahr nicht so doll ist und das Meer fehlt und noch zwei, drei Handvoll von Gründen, die ich jetzt besser hier nicht aufzähle, weil Menschen hier mitlesen, auf die ich noch angewiesen sein werde, wenn es um eine nette Übernachtungsgelegenheit geht. Und ich mag Hamburg wirklich, in echt jetzt!

Für die Leihwagen-Firma bin ich ein so genannter „Key Account“, weil ich und insbesondere Mitarbeiter in meinem Wirkungsbereich zu völlig überteuerten Preisen recht hohe Kontingente abrufen. Die überhöhten Preise kommen daher, dass unser Einkaufs-Chef „hart verhandelt“ hat, was sich in der Regel immer in überhöhten Preisen ausdrückt. Ich bezahle jetzt rund 20% mehr als jeder beliebige Kunde und da dieser Preis durch Ausschreibung erfolgt ist, bin ich nicht berechtigt, den Anbieter zu wechseln oder gar nachzuverhandeln. Mein anfänglicher Argwohn, dass der oberste Einkäufer unserer Firma einen kleinen Nebenerwerb realisiert, haben sich zwischenzeitlich restlos zerstoben: Dieser Mensch hat einfach eine Gottgegebene Naturbegabung miserabel zu verhandeln und ist ergo Retter unserer darniederstrauchelnden Volkswirtschaft: Immer wenn Wirtschaftsprognosen von mangelnder Nachfrage im Inland lamentieren, denke ich an sein Verhandlungsgeschick und werde optimistisch …

Nicht zuletzt eingedenk der Leistungen dieses Mannes bin ich also im Vertrieb der Leihwagenfirma bzw. in deren Customer Care-Programm vom „erwünschten Kunden“ zum „AA-Kunden“ aufgestiegen. Was sich zunächst so positiv und hoffnungsfroh anhört, hatte allerdings gravierende Auswirkungen auf mein künftiges Leben. Ich habe gelernt: Immer, wenn man mir zwischenzeitlich am Flughafen mit strahlenden Augen einen Autoschlüssel aushändigt, frage ich misstrauisch nach, welches unsinnige Gefährt mir zuerkannt wurde. Früher, als ich noch ohne Misstrauen mit dem Schlüssel gepäckbeladen zum Parkhaus gestolpert bin, um vor einem völlig schwachsinnigen Upgrade zu stehen. Oh ja, ich habe teuer Lehrgeld bezahlt: Ich bestelle (und bezahle) immer die Golfklasse und bekam über Wochen alle Crossfire-, Mercedes-, Porsche-, BMW- und Audi-Cabrio-Modelle in der irrigen Annahme, Männer in meinem Alter würde solche Gefährte aufs heftigste goutieren und hätten nix besseres zu tun, als mit so einem Cabrio fortgesetzt die Innenalster zu umrunden. Einmal im Parkhaus angelangt war ich zu müde um noch mal die (gefühlten) fünf Kilometer zurückzulaufen und die Terminlage war auch eng. Also habe ich versucht, mich dorthinein zu zwängen: Vorwärts hineinkriechen, Dach öffnen, hinauskriechen und sich irgendwie von oben einfädeln, Dach schliessen. Ich schweige besser über zahllose, peinliche Situationen, in denen ich coram publico versucht habe, solche „Spassgefährte" zu verlassen oder zu besetzen, oder gar ein Gepäckstück in der Grösse einer Schuhschachtel in den so falsch genannten „Kofferraum“ zu packen ….

Gestern also bestehe ich darauf: „Kein Cabrio!“ - Ich wolle lediglich das von mir bestellte Auto gab ich sachlich zu bedenken. Mit dem Begriff „Moment of truth“ wird im Dienstleistungs- Management jene Zeitspanne bezeichnet, in der Verkäufer, Dienstleistungserbringung und Käufer sich begegnen. Ich spürte ihn nachgerade heraufziehen diesen Moment. Mein Gegenüber - Maria Sanches, glaubt man dem angehefteten Namensschild - war aufs höchste verwirrt: Das Kundenbindungs-Programm hatte klare Vorgaben für ein „hochwertiges“ Cabrio gemacht, der Kunde klare Stellung dagegen bezogen. Maria Sanches jedenfalls stürzte ins Backoffice aus dem wildes Tischeln zu hören war [Architekten sind ja meist leider minder Begabte, dies gilt aber zumindest und in ausnahmslos jedem Fall für Innenarchitekten von Flughäfen] … aber ich will nicht abschweifen, denn keine zwei Minuten später kam Maria Sanches zurück um mir mit leicht brüchiger Stimme zu erklären, sie dürfe mir nicht das bestellte Fahrzeug aushändigen, sondern müsse in jedem Falle eine deutlich besseres Kategorie wählen, das sei klare Vorgabe.

Verstehen Sie mich richtig, ich gehöre nicht zu den Besserwissern, die nun elaboriert die Relativität einer „besseren Kategorie“ analysieren oder in einer solchen Situation ihre Überlegenheit ausspielen. Ganz im Gegenteil versuchte ich Maria Sanches zu beruhigen und schlug vor, solch ein Belohnungsfahrzeug einem anderen zu geben und in den Büchern quasi etwas nachzuhelfen … ihr Blick verriet, dass sie nun vollends davon überzeugt war, es mit einem Bauernfänger erster Kategorie zu tun zu haben oder zumindest dem eisgrauen Vertreter der gebrauchte Rasierklingen an den Mann bringen will. Sie machte den Eindruck, als sei sie noch unschlüssig, ob sie jetzt die KriPo oder die Heilsarmee rufen sollte und ich, ja: Ich gab auf: „Geben sie mir ein Auto mit Dach – was auch immer sie wollen“. TILT, TILT, TILT …

Ich bekam einen echten Volkxwagen und wehrte mich nicht: Innen sandbeigefarbiges Leder, sandbeigefarbiger Teppichboden, sandbeigefarbigen Himmel an dunkelbraunem Lederlenkrad, dunkelbraunem Plastik, dunkelbraunem Handschuhfach … Alles im Stil des frühen Gelsenkirchener Barock wie man es noch heute vereinzelt in Wohnwagen auf dem Lorelei-Campingplatz in Rheinland-Pfalz findet (wo offensichtlich VW-Designer Urlaub gemacht haben mussten). Aussen ist das Fortbewegungsmittel dunkelgrün, der Lack noch nicht ausgehärtet - auf dem Tacho 125 Kilometer - im Motorraum mehr Pferdestärken als in den Circus Maximus passen, 12 Zylinder, 6 Liter. Ich gab auf - TILT, TILT, TILT - nahm den Phaeton und Maria Sanches strahlte, die nächste Beförderung zum Junior-Vice-Assistent in den dunkelbraunen spanischen Augen aufflackernd… und ich kenne seitdem alle Tankstellen Norddeutschlands.

Fehmarn ist eigentlich eine recht unaufgeregte ja irgendwie bodenständige Insel bei der ich schnell das Gefühl in mir hochkriechen fühlte, ich nähme teil am grossen Experiment „sanfter Tourismus“. Ich lag gerade an irgendeinem Strand herum mit einer Flasche Salice Salentino als das Handy gegen acht Uhr abends klingelte und ein Freund aus Rostock anrief um mir mitzuteilen, dass er meine missmutige, ja kleingeistige Bloggerei nun endgültig satt habe zu lesen und mir ein bitterböses Ultimatumn stellte: Entweder ich käme jetzt sofort vorbei oder er würde beginnen, lehrreiche Kommentare in mein blog zu kritzeln. Es dauerte keine fünf Minuten und das rollende Sofa war auf dem Weg in die Stadt in der früher mal recht ordentlich Fussball gespielt wurde – aber das ist eine andere Geschichte …

Waiblinger!

Waiblinger sind sehr sture Menschen. Um einen Waiblinger in die S-Bahn zu locken etwa, muss vor jedem Sitz in der S-Bahn ein Lenkrad angebracht werden, damit „der“ Waiblinger das Gefühl hat, die Situation zu kontrollieren. Er brummt dann die ganze Fahrt zufrieden durch die zusammengekniffenen Lippen und versucht, einen 1,6 l FSI-Motor nachzuahmen. Es klingt aber mehr wie ein Hanomag Trekker der es aus eigener Kraft nicht mehr aus dem versumpften Acker schafft. Aber das, ist dem Waiblinger an und für sich egal, Hauptsache er hat das Gefühl, er könne etwas kontrollieren, Hauptsache er glaubt, es höre sich an wie ein 1,6 l FSI-Motor …

Und nun will ein Wahl-Waiblinger nicht mehr bloggen und er hat’s nicht mal nötig, ein Kondolenzbuch auszulegen. Hat er auch tatsächlich nicht, war ist ein Guter und so wie der schreibt muss der wiederkommen, der kann nicht ohne (hoffentlich) … Ich kann warten und schraube mir solange ein Lenkrad an den Monitor … komm bloss zurück.

Der Chinese ...

Die „Hunnenrede“ wurde von Wilhelm II. vor 105 Jahre in Bremerhaven gehalten zur Verabschiedung eines Regiments deutscher Soldaten zur Niederschlagung des Boxeraufstands. Als der Kaiser später „seine“ Rede in einer Zeitung las, soll er enttäuscht zu Bülow gesagt haben: „Sie habe ja grade das Schönste weggestrichen“. Bülow habe ihm daraufhin erwidert, dass solche Worte …
„ … Wasser auf die Mühlen derjenigen seien, die das Land von Goethe und Schiller, von Humboldt und Kant als ein Land der Barbaren hinstellten und ihren Kaiser als blutdürstigen Eroberer“.
Und diesem Schönsten hier hat der Kaiser wahrscheinlich nachgetrauert:
„Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name 'Deutscher' in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!“

Väter Land ...

Model Be-Er-De

Väter Land
meine Zunge ist belegt
doitsch ein Lippenbekenntnis

Findelvolk
nun bist du König
im Glorreich Dummheit

das Jahrtausendschönchen
wieder im
Maul

[Frederike Frei]

(Die Brücke von unten)

Buster raucht nicht ...

seit 250 Tagen und 22.550 Zigaretten. Geht doch!

Dienstag, Juli 26, 2005

König von Deutschland ...

Nachdem sogar die behäbige Pünktchenpartei etwas herausgebracht hat, was sie frech „Wahlprogramm“ nennt, komme ich so langsam unter Zugzwang und da sowohl „Wahlprogramm“ wie auch „Wahlmanifest“ schon belegt sind, stelle ich hiermit und erstmals meine „posttraumatischen Wahlversprechen“ unter dem programmatischen Titel

„Arbeit muss sein - manchmal“

vor. Meine guten Taten der ersten 100 Tage:
  • Die Steuererklärung wird in eine Flaschenpostflasche passen;
  • Erhöhung der Märchen- Mehrwertsteuer in unaussprechliche Höhe für alle, die den Harry Potter-Test nicht bestehen;
  • Bier wird als Grundnahrungsmittel anerkannt und von der Steuer befreit, Umrüstung aller PKW für die Betankung mit Flugzeugbenzin;
  • Taghelle Beleuchtung aller Innenstädte und Autobahnen (im Gegenzug verzichte ich grossmütig auf mein Gehalt als Reichs Bundeskanzler solange ich auf den wohlmeinenden Lohnlisten als Berater von eon und vattenfall stehe);
  • Bürokratieabbau: Oberamtsräte sind künftig Amtsoberräte zu nennen, die neue Linkspartei dagegen linke Neupartei;
  • Vollständiges Verbot von Selbstmordattentaten, Globalisierung, Feinstaub, Hochwasser und Waldsterben;
  • Weiterbildung aller Erwerbsloser zum Steuerberater und/oder Immobilienmakler, Verzehnfachung der Subventionen und Steuervergünstigungen im Gegenzug;
  • Verbot des Worts „Besserverdienende“ und Einfürung des Begriffs „Kaufkräftige“, Rotkäppchen für alle Kaufkräftigen;
  • Verbot der FDP, Einzug des Vermögens und jeglicher Wahlkampfkostenrückerstattungen. Daraus Finanzierung der kostenlosen Krankenversicherung, Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit und Zwangsschulung in Gesellschaftslehre für Kieferchirurgen;
  • Sofortiger Abbau von Ökosteuer und Solidarzuschlag (damit ich ein Alleinstellungsmerkmal habe);
  • Einstellungszwang für Unternehmen und komplette Übernahme der Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung, Abschaffung der Kündigung, Ernennung aller zu Betriebsratsvorsitzenden;
  • Umbenennung der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Amt für lässige Lebensführung (AlL). Posthypnotische Suggestion, Rosen und Weissbrot für alle.
Da kritische Zeiten ungewöhnliche Massnahmen erfordern, bilde ich eine überparteiliche Koalition auch der Forderung von Plato geschuldet, die Weisesten mit der Lenkung des Gemeinwesens zu betrauen:
  • Angela Merkel: Ministerin für das Leihwagenwesen und Machtmanagement;
  • Oscar Lafontaine: Superminister für unberechenbare Flexibilität und Verantwortungsflucht;
  • Renate Künast: Gebrauchsministerin für Freilandantropologie;
  • Doris Schröder-Köpf: Ministerin für Deutsch-Französische Schmonzetten;
  • Claudia Roth: Ministerin zur Pflege der Ton-Steine-Scherben-Kultur;
  • Stoiber: Minister für Silly Speech und äh, äh, äh Rächtschraipunk;
  • Münte: Minister für kulturelle Obdachlosigkeit und „Wetten Dass“;
  • Chirac Minister für Sumo Ringen und Dorisetten;
  • Thierse: Minister für Hani & Nanni und das Frisörhandwerk;
  • Gysi: Minister für nebenläufige Absonderlichkeiten unter besonderer Würdigung ostdeutscher Zungenküsse;
  • Schröder: Minister für Leibesübungen bei Hannover 96;
  • „Joschka“ Fischer: Leitender Redakteur beim Bundestags-TV-Untersuchungsausschuss;
  • Guido Westerwelle: Bürobote für nicht Beförderungswertes;
  • Die Frauen Schmidt, Christiansen, Sägebrecht, Folkerts und Millowitsch als Ministerinnen zur Erreichung der 50%-Quote zur Eroberung von Männerdomänen.
Falls jetzt noch was über ist zum Regieren mach ich das zur Not selbst neben meinen zahllosen Belastungen. Auf der Auswechselbank: Kohl (Insomnia); Stople (Mobilia); Blüm (Rentenprellung); Geisler (Oldtimerwesen und Alpenflora) und Bsirske (Unaussprechliches) … Unter uns: Ich rechne mit rund 70% …

Nietzsche

Schwergelbe wolken ziehen überm hügel
Und kühle stürme - halb des herbstes boten
Halb frühen frühlings ... Also diese mauer
Umschloss den Donnerer - ihn der einzig war
Von tausenden aus rauch und staub um ihn?
Hier sandte er auf flaches mittelland
Und tote stadt die letzten stumpfen blitze
Und ging aus langer nacht zur längsten nacht.

Blöd trabt die menge drunten . scheucht sie nicht!
Was wäre stich der qualle . schnitt dem kraut!
Noch eine weile walte fromme stille
Und das getier das ihn mit lob befleckt
Und sich im moderdunste weiter mästet
Der ihn er würgen half sei erst verendet!
Dann aber stehst du strahlend vor den zeiten
Wie andre führer mit der blutigen krone.

Erlöser du! selbst der unseligste -
Beladen mit der wucht von welchen losen
Hast du der sehnsucht land nie lächeln sehn?
Erschufst du götter nur um sie zu stürzen
Nie einer rast und eines baues froh?
Du hast das nächste in dir selbst getötet
Um neu begehrend dann ihm nachzuzittern
Und aufzuschrein im schmerz der einsamkeit.

Der kam zu spät der flehend zu dir sagte:
Dort ist kein weg mehr über eisige felsen
Und horste grauser vögel - nun ist not:
Sich bannen in den kreis den liebe schliesst ...
Und wenn die strenge und gequälte stimme
Dann wie ein loblied tönt in blaue nacht
Und helle flut - so klagt: sie hätte singen
Nicht reden sollen diese neue seele!

[Stefan George]

Montag, Juli 25, 2005

Fin de siècle

„Tausende Fans empfingen die Tour-de-France-Mannschaft von T-Mobile vor dem Alten Rathaus auf dem Bonner Markt. Als Mannschaftskapitän Jan Ullrich und sein erfolgreiches Team auf der Rathaustreppe erschienen, brandete Jubel auf. Bürgermeister Peter Finger begrüßte die Helden der Frankreichrundfahrt, dem härtesten Radrennen der Welt.“ © 2005 Stadt Bonn
„Die Telekomm-Deppen“ sagt der Taxifahrer zu mir, als ich ihn sehr verständnislos anschaue nachdem er in eine völlig falsche Richtung fährt. „Die Ulrichs und Winokurovs lassen sich mal wieder von den depperten Bonnern zum Helden feiern" und alle würden mit allerlei unglaublich magentafarbenem Tand und Give-aways jetzt die Innenstadt restlos blockieren. Mein Hinweis, dass ein dritter Platz doch eine ehrenhafte Geschichte sei zumal aus eigener Kraft erkämpft, lässt den Taxifahrer nur verächtlich schnauben: Doktor der Sportwissenschaft sei er immerhin und allemal besser geeignet als Trainer als dieser Belgier der wahrscheinlich noch nicht mal Taxi fahren könne und der wahre Star sei auch nicht Ulrich sondern Klöden aber „die“ hätten ihn ja absichtlich aus der Tour genommen um … an dieser Stelle unterbreche ich den arg in Wallung geratenen Herrn Doktor, weise kurz auf unseren Kollegenstatus hin verbunden mit der inniglichen Bitte, hin und wieder auch der Fahrbahn vor uns ein wenig Beachtung zu schenken. Ich bin kein feiger Mensch, aber so nüchtern wie ich noch bin muss nicht aus der B9 die Nordschleife gemacht werden. Ob ich denn auch im Sport … fragt er hocherfreut und schaut gar nicht mehr auf die Fahrbahn während ich schön längst die unsinnige Eitelkeit bereue. „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit,“ zitiere ich den Ringelnatz bis er fehlerfrei weiterzitiert „und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit.“ Ich verneine zur Frage, ob ich ein Sportkollege bin und seine Mimik verändert sich anklagend das einsame Verständnis bekommend, dass wir letztlich allein auf der Welt sind. Den Rest der Fahrt hat er zwar nichts mehr gesagt, aber immerhin auf den Verkehr geachtet.
„Zahlreiche Fernsehteams und Fotopresse dokumentierten den schon zur Tradition gewordenen Empfang von T-Mobile und Stadt Bonn auf dem Marktplatz. In einem Interview sagte Publikumsliebling Jan Ulrich im Gespräch mit Moderator Frank Piontek: „Ich fahre so lange, bis ich die Tour erneut gewonnen habe und so lange ich gesund bin.“
Muss ich jetzt Mitleid bekommen oder war das eine Drohung?

Fussballer zu Pflugscharen: „Als das Spiel zu Ende war, trafen sich alle Beteiligten noch mal auf dem Platz zur finalen Friedenskundgebung“ Ach so! Friedensfussball ist, wenn die Bayernbuben das Peace team 4:0 wegbügeln und dabei noch dem ein oder anderen putativen Terrorist gegens Schienbein kloppen! Peace ey!
„Wenn sich heute, kurz nach 16 Uhr, der Vorhang zum „Tristan” hebt, dann eröffnet sich dem Publikum ein großer, häufig leerer Bühnenraum. Viel Platz zum Agieren, viel Licht und ein paar Schiffsmöbel“ [...]
Wichtiger war doch mal wieder das Publikum: Die in rosa gewandete Frau Merkel plötzlich und erstmals seit der Erfindung von Wagner-Festspielen mit Shake-hands am Spalier der Gaffer wie es keine Wagner-Diva könnte. Ein Skandälchen! Schade aber, dass nicht der Gysi gezeigt wurde, wie er Kamelle auf die Hartz IV-Empfänger wirft oder die Claudia in Schockfarben, die mit Sekt, ach das war ja im Norden und something completely different …
“Problems can't be solved with the same consciousness that created them in the first place.”
Raunt mir ganz anglophil ob so viel Deutschtümelei der Einsteins Albert ins Ohr und fürwahr: Das wird einige Generationen beschäftigen, solche Fin de siècle-Attitüden abzuschaffen, nach der Weltrevolution ...

Mal relaxen können

Mal relaxen können wie
eine Maus in
der Falle

In den meisten Fällen
enden wir als senile
gutmütige Narren, hin
und her geschoben von
einer rosigen Kranken-
schwester, die uns an-
blafft, weil die
Bettpfanne wieder rand-
voll ist.
Es sei denn, es nimmt
ein gewaltsames Ende -
ein Finish, in dem
noch einmal alles an uns
vorüberzuckt: Mahagoni-
farbene Sonnenstrahlen,
Girls am Strand, Platt-
füße, Haarschnitte,
rasselnde Wecker, ein
rasender Puls.
Egal wie, es kommt nie
richtig zusammen.
Ich gehe in Bars, durch
leere schmale Seiten-
straßen, ins Wettbüro,
frage mich, was ich
eigentlich will, und
denke wehmütig an
Urwälder voll Kletter-
pflanzen und ähnliche
Dinge, z.B. an Mäuse,
die sich mit den Vorder-
pfoten die Nase putzen.
Ich sehe mir die Leute an,
aber sie sind alle
beschäftigt mit Dingen,
die ein Spinner wie ich
für Unfug hält: Ein Haus
abstottern, von da nach
dort kommen, Geld verdienen
und darüber reden.
Das einzige wovon man
etwas hat, ist wahrscheinlich
rücksichtslos zu schlafen,
aber auch das geht nicht
lange genug gut – überall
werfen sie Presslufthämmer an,
die Kirchenglocken juckt der
Schweiß der Beter, die Bienen
stechen, die Fenster gleißen,
Boote kentern und verfüttern
ihren Inhalt an die Haie, nur
Kanonen schlafen ungestört
in Museen. Ich gehe weg von
allem, habe nichts gelernt,
weiß jeden Tag weniger, meine
Hände werden magnetisch ange-
zogen von meiner Kehle,
meine Füße tragen mich voran
wie bewußtlose tierische
Extremitäten, in Gegenden
hinein, wo es schimmelt und
gärt, in eine behagliche
Hölle, voll von Grünzeug,
Ranken und Lianen, und dafür
danke ich ihnen auf den Knien.

[Charles Bukowski]

100 Jahre Elias Canetti

„Warum sind nicht mehr Leute aus Trotz gut?“ [Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942 – 1972] ein kleiner und zugleich grössenwahnsinniger fragt sich das. Ein Pathologe, ein Mahner, ein Menschenfeind, einer der sein Gegenüber fixiert, was eben so geschrieben wird über: Elias Canetti, in Bulgarien am 25. Juli 1905 geboren, Jude, Chemiker mit Promotion, sprach sechs Sprachen und schrieb in deutsch. Sven Hanuschek hat nun eine umfassende Biographie vorgelegt, nachdem letztes Jahr - zehn Jahre nach dem Tod Canettis - der Nachlass öffentlich wurde. Die Biographie beschreibt Werk wie Lebensweg des Autors und ist unbedingt empfehlenswert, sehr detailliert, teilweise auch etwas glorifizierend - aber das ist bei Biographien eine lässliche Sünde.
„Ich bereue diese Buchorgien nicht. Ich fühle mich wie in der Zeit der Expansion für Masse und Macht. Auch damals geschah es alles durch Abenteuer mit Büchern. Als ich kein Geld hatte, in Wien, gab ich alles, was ich nicht hatte, für Bücher aus. In London, in der schlimmsten Zeit, gelang es mir irgendwie immer noch von Zeit zu Zeit Bücher zu kaufen. Ich habe nie systematisch etwas gelernt, wie andere Leute, sondern nur in plötzlichen Aufregungen. Sie begannen immer damit, daß mein Blick auf etwas fiel, das ich dann haben mußte. Die Geste des Ergreifens, die Freude am Hinauswerfen von Geld, das nach Hause oder in das nächste Lokal Tragen, das Betrachten, das Streicheln, das Blättern, das Wegstellen für Jahre, die Zeit neuer Entdeckung dann, wenn's ernst wurde - alles das ist Teil eines schöpferischen Prozesses, dessen verborgene Einzelheiten ich nicht kenne. Aber anders geschieht bei mir nichts, und so werde ich bis zum letzten Augenblick meines Lebens Bücher kaufen müssen, besonders wenn ich ganz sicher weiß, daß ich sie nie mehr lesen werde.
Es ist, glaube ich, auch ein Teil des Trotzes gegen den Tod. Ich will wissen, welche dieser Bücher ungelesen bleiben werden. Bis zum Schluß kann es nicht bestimmt sein, welche es sind. Ich habe die Freiheit der Wahl, unter allen Büchern um mich herum kann ich jederzeit frei wählen und habe dadurch den Verlauf des Lebens in meiner Hand …“
[Elias Canetti, Aufzeichnungen 1973-1984, S. 9]
Besonders amüsant ist der Schlagabtausch mit Thomas Berhard, der Canetti einen „SchmalKant“, „KleinSchopenhauer“ und „Torschlussphilosoph“ tituliert, Canetti parierte liebevoll: „Bernhard kommt mir vor, als wäre er ein Krüppel von mir“.

Sonntag, Juli 24, 2005

Haribo-Connection jagt Buster ...

Vorsicht vor der Haribo-Connection: Sie kommen immer näher:
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...

Frank Wedekind

Schigo lch Der Regen trommelt zur Parade.
Alwa Ein stimmungsvolles Wetter für ihr erstes Auftreten!
Lulu in halblangem Haar, das ihr offen über die Schulter fällt, tritt barfuß in abgerissenem schwarzen Kleide von links vorn ein mit einer Waschschüssel, die sie unter den Tropfenfall setzt.
Schigolch Wo bleibst du denn, mein Kind? - Hast du dir erst noch die Hände gewaschen?
Alwa Reinlichkeit ist der Schmuck der Armut.
Lulu sich aufrichtend, ihr Haar zurückschlagend Wenn nur du erst hier aus dem Wege wärst.

hier weiter. [Frank Wedekind, Die Büchse der Pandora, 1904, Dritter Aufzug]

Frank Wedekind wurde am 24.7.1864 in Hannover geboren. 1872 emigrierte die Familie in die Schweiz. Ab 1890 arbeitete er in München für den „Simplizissimus“.

Ich wußte ehmals nichts davon,
Bin unschuldsvoll gewesen,
Bis daß ich Wielands Oberon
Und Heines Gedichte gelesen. -

Die haben sodann im Lauf der Zeit
Mein bißchen Tugend bemeistert.
Ich träumte von himmlischer Seligkeit
Und ward zum Dichten begeistert.

Auch fand ich, das Dichten sei keine Kunst,
Man müßt' es nur einmal gewohnt sein. -
Ich sang von feuriger Liebesbrunst,
Von Rosenknospen und Mondschein;

Besang der Sonne strahlendes Licht.
Viel Schönes ist mir gelungen.
Jeweilen mit dem schönsten Gedicht
Hab' ich mich selber besungen.

Und folgte treu der gegebenen Spur
Auf meine Muster gestützet;
Schrieb viele Bogen Makulatur. -
Wer weiß, zu was sie noch nützet? -

Und wenn das Dichten so weitergeht,
So darf ich im Tode behaupten:
»Am Ende war ich doch ein Poet,
Obwohl es die wenigsten glaubten. -

[Frank Wedekind, Schluß]




Busters buntes Boulevard ...

„Dass jemand unter diesen Umständen ums Leben kommt, ist eine Tragödie“ zitiert SpOn. Aha, „Tragödie“ wird jetzt die Exekution neuerdings genannt, bei der … ein Unschuldiger auf dem Boden liegend mit fünf Schüssen in den Kopf erschossen wurde.
„Wie die «Financial Times» berichtete, sind die Londoner Terrorfahnder angewiesen worden, mutmasslichen Selbstmordattentätern gezielt in den Kopf zu schiessen. Denn durch Schüsse in den Körper könnten dort versteckte Bomben explodieren.“
Soviel von der NZZ zur „Tragödie“ ...

Wenn Internet-Communities gemeinsame Ziele haben, können sie Erstaunliches leisten. So wurde 45 Stunden und 22 Minuten nach Verkaufsstart das Buch "Harry Potter and the Half-Blood Prince" via Internet schon komplett auf deutsch übersetzt meldet telepolis. Das darf ich dem Herrn Sixtus gar nicht stecken, wo der doch grade so auf dem „das Internet rächt sich an den Bösen-Trip“ ist und das ist ja tatsächlich ein Beispiel, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Individuen. Freilich geht Mario Sixtus fälschlicherweise davon aus, dass die Individuen auch noch edle Dinge tun wie ja sein Beispiel mit dem Entwurf von Gesetzestexten nach Wiki-Manier … Nach Schopenhauer ist der Mensch ja grundsätzlich schuldig, ja hängenswert …

Samstag, Juli 23, 2005

Amália Rodrigues

Solidão de quem tremeu
Uma tentação do céu e desencanto
Eis o que o céu me deu
Serei bem eu sob este véu de pranto
Sem saber se choro algum pecado
a tremer imploro o céu fechado
...
Königin des Fado - Uma estranha forma de vida - Amália Rodrigues, wurde am 23. Juli 1920 in Lissabon geboren. Hörbefehl: Lisboa à Noite [Planet Records 1992] hören und sich in die Rua de São Bento in Lissabon träumen. Dort befindet sich das ihr gewidmete Museum Museu Fundação Amália Rodrigues.

Mach doch mal was ...

... mit Jugendlichen: Wenn „Allgemeine Soziologen“ wie Prof. Dr. Hitzler von der Uni Dortmund die Jugend sortieren, kommen diese Schubladen und Gebrauchsanweisungen bei raus:
antifa
blackmetal
comics
deathmetal
drogen
gothic
graffiti
hardcore
hiphop
junghexen
lan-gaming
punk
rollenspieler
skateboarding
sportklettern
techno
warez
... schön schön oder auch nicht wenn ich etwa unter "drogen" und dann "lifestyle" nachblättere wie denn der Junkie so lebt, so seid ihr halt ihr Allgemeinen Soziologen, das tut zwar weh aber so seid ihr halt ... aber wohin liebe Allgemeine Soziologen sortieren wir jetzt die Tocotronic-hörenden Rollerfahrer, die multilingualen Inliner, den Volkxmusikvertriebenen Kaffeehausbesucher, die pappstbesoffenen Jungkatholiken, die Immobilienmaklerinazubis, die Fussballer in der B-Jugend mit Ringelsocken, die Krawatte-tragenden Jungnazis ... gibt also noch viel zu tun Prof. Dr. Hitzler, weiter so , das wird schon noch, doch doch. Jetzt nicht gleich weinen, wirklich ...
„Die Gesellschaft ist widerspruchsvoll und doch bestimmbar; rational und irrational in eins, System und brüchig, blinde Natur und durch Bewusstsein vermittelt. Dem muss die Verfahrensweise der Soziologie sich beugen. Sonst gerät sie, aus puristischem Eifer gegen den Widerspruch, in den verhängnisvollsten: den zwischen ihrer Struktur und der ihres Objekts.“
[Th. W. Adorno, Zur Logik der Sozialwissenschaften]

Freitag, Juli 22, 2005

Carl August Sandburg

TRAFFICKER
AMONG the shadows where two streets cross,
A woman lurks in the dark and waits
To move on when a policeman heaves in view.
Smiling a broken smile from a face
Painted over haggard bones and desperate eyes,
All night she offers passers-by what they will
Of her beauty wasted, body faded, claims gone,
And no takers.
Carl August Sandburg starb 89-jährig am 22. Juli 1967 in Flat Rock, North Carolina.
THE HARBOR
PASSING through huddled and ugly walls
By doorways where women
Looked from their hunger-deep eyes,
Haunted with shadows of hunger-hands,
Out from the huddled and ugly walls,
I came sudden, at the city's edge,
On a blue burst of lake,
Long lake waves breaking under the sun
On a spray-flung curve of shore;
And a fluttering storm of gulls,
Masses of great gray wings
And flying white bellies
Veering and wheeling free in the open

Buster liest die Sportseite …

Alles wird gut:
„Rangnick hat mich fertig gemacht“ aber der „Der Abschied aus Schalke – für Ailton (32) die Erlösung!“ …
liest Buster aus Istanbul andererseits ist ein anderer nach Montreal gereist ...
„... um eine Medaille für Deutschland zu holen. Doch bereits vor seinem ersten Wettkampf ist die Weltmeisterschaft für Schwimm-Star Stev Theloke (27) gelaufen. Es geht um falsches Training, ungerechte Verteilung der Gelder und mangelnde Kommunikation.“
Und Buster fragt sich warum die Schwimmer immer solche Kummunikationsprobleme haben? Andererseits sind das freilich nicht nur Probleme, die ausschliesslich zwischen Wassersportlern bestehen. Sondern irgendwie von uns allen.
„Und was sagt Theloke dazu? Er zeigt sich einsichtig: Ich hätte mich selbst auch nach Hause geschickt. Ich sage vielleicht immer zu viel, was ich denke.“
Na da herrscht doch immerhin Einsicht in die Probleme der Kommunikation, vielleicht will er einfach nicht so gern teilen - kommunikationstheoretisch gesehen - jetzt. Auch vom ewigen Hoffnungsträger gute Nachricht:
„Die Tour geht dem Ende zu, Jan Ullrich wird immer besser! Der T-Mobile-Kapitän kämpft um einen Platz auf dem Podium … Jan holt 37 Sekunden Rückstand auf den Dritten Mickael Rasmussen raus.“
Und Buster sinniert in welchen Zeiten wir leben, wenn ausgerechnet ein Däne den Bergsieger abgibt …
„… Liegt nur noch 2:12 Minuten hinter dem Dänen. Diesen Zeitunterschied kann Spezialist Ullrich am Samstag im Zeitfahren über 55 Kilometer aufholen. Jan: „Das war ein guter Tag.“ Matthias Kessler sorgte …“
Alles wird gut denkt da Buster noch schläfrig und räkelt sich beim Bier vor der Redoute … zumindest auf die Spiele ist Verlass … alles wird gut

Heidenspass statt Höllenqual

Woodstock war nichts dagegen: Ganz Köln ist Pabstbesoffen: Vom 15. bis zum 21. August werden sich die »registrierten Pilger«, wie sie offiziell heißen, in Köln und Umgebung aufhalten ... über 30.000 freiwillige Helfer haben sich gemeldet. Über 6000 Priester, mehr als 600 Bischöfe und Kardinäle und etwa 4000 Journalisten sollen kommen ... 100 Beichtstühle. Ein Abschnitt der Autobahn A1 wird Samstag und Sonntag gesperrt, um als Parkplatz für 1700 Busse zu dienen ... Dann kommt der Papst. Am Nachmittag soll er auf einem Schiff den Rhein befahren und dort, wo einst die Heilige Ursula mit ihren 11.000 Jungfrauen in den Fluten versank, die am Ufer wartenden Pilger grüßen ... Die Nacht von Samstag auf Sonntag sollen die Jugendlichen an Ort und Stelle verbringen, Hunderttausende im Schlafsack auf dem Acker. [Quelle: Stadtrevue]

Ganz Köln ist papstbesoffen ... Ganz Köln? Nein, ein kleines Häuflein aufrechter Kölner leistet Widerstand: das Heidenspaßkomitee ruft religionsfreie Zonen aus. Unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenqual“ wollen die Veranstalter eine kritische Gegenöffentlichkeit zur katholischen Mammutveranstaltung schaffen.

Buster erinnert sich ...

Vor 506 Jahren, am 22. Juli 1499 die Schlacht bei Dornach...
"Wie man gan Tornach kam und die schlacht an dem end ward volbracht"
„... erst als die in Gewaltsmärschen herbeigeeilten Luzerner und Zuger "mit geschrey und hornen" aus dem Wald brechen, wendet sich das Blatt. Die Königlichen Fusstruppen beginnen zu fliehen ...“
Die älteren unter uns wird das erinnern an das Treffen am Bruderholz am 22. März 1499:
"Wie sich ein züg samlet am Bruderholz und wie dieselben veriagt wurdend und ettlich erstochen"
„... nach kurzem Kampf Flucht der Schwäbischen, von denen 89 Mann fallen. Den Eidgenossen wird ein Mann erschossen ...“
Der Friede zu Basel, das Waffenstillstands-Abkommen zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und der Eidgenossenschaft beendigt den Schwabenkrieg von 1499.
"Wie beider partyen botten und wer von der künglichen maiestat wägen gan Basel kamend, und wie sy ze Basel entpfangen wurdent"
„... weil Galeazzo Visconti den Eidgenossen ein versprochenes Geschenk von 20’000 Gulden nicht bar bezahlen kann, nehmen sie von Konstanz die Gerichtsbarkeit über den Thurgau als Pfand. Die Schuld wird nie bezahlt, der Thurgau bleibt mit allen Rechten eidgenössisch. Der Krieg endet ohne territoriale Gewinne mit einer Rückkehr zu den Zuständen vor dem Krieg ...“

Donnerstag, Juli 21, 2005

Buster hasspredigt ...

21.07.2007
Auf dem Sendeplatz „Scheidung mit Hindernissen” spricht Köhler in eíner Mischung aus Visa-Ausschuss und Pisa-Test. Jetzt bloss nichts falsch machen und alles ablesen. Es knistert: Ist er starr vor Angst? Hält Nepper Glos im Hintergrund die Kalaschnikoff auf sein rechtes Ohr gerichtet? Haben Schlepperbanden ihn unter Drogen gesetzt oder sind gar wütende Industriebosse-Bauernfänger durchs Land gezogen und drohen ihn zu pfählen?

„Auf der Suche nach dem Besten“ hat er so entschieden, was sich ja doch fatal an das „hat sich stets bemüht“ in einem ordentlichen Zeugnis anhört. Der Thierse „nimmt mit Respekt zur Kenntnis“ und der Schröder droht mit nochmaligem Antritt. Das ist aber doch jetzt Schleichwerbung für den Lafontaine oder?

Wer sind denn eigentlich die beiden Hinterbänkler, die nun unser aller Zukunft verklagen? Der Herr Schulz (geboren in Zwickau – say no more) plappert gleich Weichei Köhler sei eingeknickt vor dem „politischen“ Druck und alles sei gesteuert aber hallo: Schon wieder Präsi-bashing? Oder doch die BORG? Die aus Moskau stammende Jelena dagegen kommt doch offensichtlich von Merkels Bruderstaat und ist dem Putin hörig. Warum sie freilich der Angela Knüppel in die Speichen - äh - Wahlkampfbeine wirft ist scheinbar gänzlich unklar.

Allerdings ist auch sehr verwunderlich, dass Angela gar keine flammende Rede vor dem Fernsehspiel gehalten hat. Bei Nepper Glos und mit Bauernfänger Stoiber soll sie weilen. Also doch Separatismus und Ostwahlkampf? Dass Kampf im Westen und Osten unterschiedlich ist, ist ja für uns Deutsche nicht so ganz neu und die Parolen schon gefunden, an den Details wird freilich noch gedrechselt: Mit Soli II ins dritte Jahrtausend (bei jährlicher Verdoppelung), jeder Arbeitslose bekommt eine Festanstellung bei der Armee und darf in ferne Länder reisen, Broiler für alle und Vermögenssteuer für die Wessis (damit die ins Broilerland ziehen) und so weiter und so fort … Im Westen freilich genügt eigentlich ein Wahlversprechen um locker über die 50% zu kommen: Nein, nicht die Vermögenssteuer sondern einfach der Hinweis, dass wir die Mauer wieder aufbauen um uns sofort mit der Schweiz wiederzuvereinigen.

Der Haken freilich und genau deswegen will der wackere Putin ins Deutsche Geschick eingreifen: Die Wessis hätten ja nix gemerkt von dem was da im Osten wahlkampftechnisch gemerkelt wird, weil immer wenn der Name einer Ostdeutschen Stadt fällt, wird traditionell eh umgeschaltet. Aber die Ossis, diese Ossis haben doch eine alte Tradition im Wessis gucken und da fällt das dann bitter auf – leider kein geteilter Wahlkampf, dank Putin dem alten Agentenspezi …

Und jetzt doch nochmal der Horscht:
„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, jetzt haben Sie es in der Hand. Schauen Sie bitte genau hin. Demokratie heißt, die Wahl zu haben zwischen politischen Alternativen. Machen Sie von Ihrem Wahlrecht sorgsam Gebrauch.”

Robert Burns

"Now a' is done that men can do, And a' is done in vain."
[Robert Burns, It was all for our rightful Kingm]
Robert Burns starb am 21. Juli 1796 in Dumfries. Alle Liedtexte und Gedichte hier.
There's nane that's blest of human kind,
But the cheerful and the gay, man,
Fal, la, la, &c.

Here's a bottle and an honest friend!
What wad ye wish for mair, man?
Wha kens, before his life may end,
What his share may be o' care, man?

Then catch the moments as they fly,
And use them as ye ought, man:
Believe me, happiness is shy,
And comes not aye when sought, man.

[Robert Burns, A Bottle And Friend, 1787}

Buster plaudert …

„Hyppytyynyttyydytys“ ist Finnisch und bedeutet soviel wie „Hüpfkissenbefriedigung“.

Mittwoch, Juli 20, 2005

Raststättenexistenz

„Gute Reise“, wünscht uns der freundliche Toilettenmann. Draussen filmen sich Niederländer gegenseitig beim Rasten. Die Heckklappe eines Kombis ist geöffnet und gibt den Blick frei auf Hunderte von Heineken-Dosen, die als Tankfracht mitgeführt werden. Hat man in den Niederlanden Angst vor der deutschen Dosenpfandverordnung? Ein Hund kackt winselnd auf den Rastplatz. Die Halterin sagt: „Jetzt ist gut, Püschi. Es geht weiter.“ Sie hat Recht.
Raststättenkontrolle: Hat der Test Spuren hinterlassen oder bekommt der durchreisende Tourist gerade in Bad Bellingen West einen realistischen, ungeschönten Eindruck von unserem Land?

Dienstag, Juli 19, 2005

... auf Augenhöhe

Was passiert wenn Blogger sich mit Journalisten auf Augenhöhe begeben und ein gleiches Qualitätsverständnis anpeilen ist hier zu besichtigen: _„wirres“ ist tot, es lebe „wirres online“ …

Herbert Marcuse

„Die Sklaven der entwickelten industriellen Zivilisationen sind sublimierte Sklaven, aber sie sind Sklaven.“
[Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, 1967]
Herbert Marcuse wurde am 19. Juli 1898 in Berlin geboren. Hier die offizielle Homepage.
„Die jungen Rebellen fühlen, daß es dabei um ihr Leben geht, um das von Menschen, das zum Spielball in den Händen von Politikern, Managern und Generälen wurde. Sie wollen es diesen Händen entreißen und lebenswert machen; sie werden gewahr, daß dies heute noch möglich ist und daß die Erreichung dieses Ziels eine Auseinandersetzung erfordert, die nicht von den Regeln und Vorschriften einer Pseudo-Demokratie in einer Freien Orwellschen Welt eingedämmt werden kann.“
[Herbert Marcuse, Versuch über die Befreiung, 1973, Schriften 8, S. 243]

Der Weg der Kami

Matsuri sind die religiöse Feste Japans und stehen vor allem mit der Shinto Religion, der ältesten japanischen Religion, in Verbindung. Im Zentrum des Shinto Glaubens und seiner Feste stehen die Kami. Dies drückt sich bereits im Begriff Shinto aus, der soviel heißt wie „Der Weg der Kami“.
Was sind die Kami? Eine gute Erklärung findet sich auf den Seiten der Religionskundlichen Sammlung in Marburg.
„Kami wird häufig mit "Gott" [...] übersetzt, aber eigentlich bezeichnet es all das, was bei den Menschen Ehrfurcht hervorruft, was geheimnisvoll und übernatürlich ist [...] Götter, Geister, Naturelemente wie z.B. Sonne, Berge (insbesondere der Berg Fuji), Steine oder Wind, aber auch Ahnen oder herausragende Persönlichkeiten.“
Der japanische Shinto kennt acht Millionen Kami. Diese Zahl ist keineswegs wörtlich zu sehen, sondern bedeutet soviel wie unendlich. Zudem ist die Zahl der Kami nicht statisch, sondern es kommen immer mehr Kami hinzu …

Hassprediger

„Ob rechts, ob links, Oskar Lafontaine hat für jeden etwas im Angebot“ meint Stefan Wirner, die NPD nörgelt, dass er ihre Parolen benutzt und wir sollen jetzt auch noch akzeptieren, dass alles seine Grenzen hat, sogar tätliche Beleidigungen und ihn nicht „Hassprediger“ nennen.
Die taz schlägt vor: Oskar sollte künftig nur noch als „Mautpreller“, „Spargelfälscher“ oder „Koranschänder“ beschimpft werden. Gebongt!

Montag, Juli 18, 2005

... wieder unter uns Göttern

Nun sind wir wieder unter uns Göttern,
Sagte der Mond, als der Abend dunkelte,
Und winkte zum Reigen den Planeten,
Seinen Vettern.
Das Goldblut funkelte
Durch demantene Schleier,
Wie sie langsam sich drehten
In festlich melodischem Schritt.
Dann reichten sie die Leier
Der Erde, Scheherezade,
Und alle lauschten
Ihrer glorreich wilden Ballade.
Die Nacht summte träumerisch mit.
Die Tränen rauschten.

[Ricarda Huch]

Alpenglühn

Wenn ich die Welt mir heutzutag betrachte
dann seh ich wie sich alles ändert rings umher
erst schlägt es siebene a Stund drauf schlägt es achte
von einer Stund zur andren weiss ma gor nix mehr
das alte Haus ob ich zum letzten Mal es sehe
den alten Berg ob ich zum letzten Mal ihn zawing
jedoch das Alpenblühn bleibt ewig in der Höhe
wie in dem Stimmungsbildnis das ich jetzt besing

Das alte Tannenwäldchen schickt die letzten Grüße
der alte Tag geht nun zum letzten Mal vorbei
der alte Förster wäscht zum letzten Mal die Füße
der alte Gockel legt zum letzten Mal ein Ei
der alte Goldfisch geht zum letzten Male unter
der alte Januar kommt zum letzten Mal im Jahr
das alte Flugzeug fällt zum letzten Mal herunter
nur das Alpenglühn, ja das Alpenglühn,
das alte Alpenglühn gibts jetzt und immerdar.

Der alte Meter wird zum letzten Mal gemessen
der alte Schubert schreibt die letzte Symphonie
das alte Schnitzel wird zum letzten Mal gegessen
der alte Hirt studiert zum letzten Mal Chemie
der alte Kanzler macht den letzten groben Schnitzer
das alte Mutterl schnupft das letzte Kokain
der alte Bettler fährt zum letzten Mal nach Nizza
nur das Alpenglühn, ja das Alpenglühn,
die alten Alpen können scheinbar nix wie glühn

Die alte Decke liegt zum letzten Mal am Bette
das alte Bankerl steht zum letzten Mal im Park
der alte Hofhund raucht die letzte Zugarette
die alte Leiche liegt zum letzten Mal im Sarg
der alte Hawaianer tanzt den letzten Hula
und selbst in Bregenz nimmt das Leben seinen Lauf
das alte Baby zieht zum letzten Mal am Schnuller
nur das Alpenglühn, dieses Alpenglühn,
das alte Alpenglühn hört immer noch nicht auf

Doch kommt ein Krieg, ich hoffe wir werns nicht erleben
die alten Bomben falls auf unsern Kontinent
die alten Häuser wern zum letzten Mal erbeben
das alte Leben hat zum letzten Mal ein End
die alte Erde ist verwüstet, ja das ist sie
am alten Mars nur hat das Lebn jetzt einen Wert
die alte Romie spielt dort drobn zum letzten Mal die alte Sissie
und das Alpenglühn, dieses Alpenglühn
das alte Alpenglühn das lass mer auf der Erd

[Georg Kreisler]

as time goes by ...

Die Kelten schlagen in der Schlacht an der Allia das römische Heer (387 v. Chr.).
Während der Regentschaft des römischen Kaisers Nero brennt Rom 64.
Michelangelo Merisi da Caravaggio, italienischer Maler des Frühbarock, stirbt 1610.
Immanuel Hermann Fichte, deutscher Theologe und Philosoph, wird 1796 geboren
William Makepeace Thackeray, englischer Schriftsteller, wird 1811 geboren.
Jane Austen, englische Schriftstellerin, stirbt 1817.
Ricarda Huch, deutsche Schriftstellerin, Dichterin und Erzählerin, wird 1864 geboren.
Der Papst wird durch das Erste Vatikanischen Konzil 1870 für unfehlbar erklärt.
Karl Joseph Simrock, deutscher Dichter und Schriftsteller, stirbt 1876.
Thomas Alva Edison gelingt zum ersten Mal 1877 eine Tonaufzeichnung auf einer mit Stanniol bespannten Stahlwalze.
Nathalie Sarraute, französische Schriftstellerin, wird 1902 geboren.
Nelson Mandela, ehemaliger Präsident der Republik Südafrika, wird 1918 geboren.
Georg Kreisler, österreichischer Kabarettist, Komponist, Satiriker und Schriftsteller, wird 1922 geboren.
Der Rote Frontkämpferbund der KPD wird 1924 gegründet.
Das Buch "Mein Kampf" von Adolf Hitler erscheint 1925.
Jewgeni Jewtuschenko, sowjetischer Dichter und Schriftsteller, wird 1933 geboren.
Aufstand der Militärs unter General Franco im Jahre 1936.
Die USA erklären 1942 Ungarn, Bulgarien und Rumänien den Krieg.
Vítězslav Novák, tschechischer Komponist, stirbt 1949.
Die Gemini 10 Mission startet 1966 mit vier Astronauten an Bord.
Die Firma Intel Corporation wird 1968 gegründet.
Indien startet 1980 als sechstes Land eine Rakete und bringt einen Satelliten ins All.
Roman Jakobson, russischer Philologe, Sprachwissenschaftler und Semiotiker, stirbt 1982.
Die Amtszeit von Rudolf Scharping als Bundesminister der Verteidigung endet 2002.
Rosaly Tureck, US-amerikanische Pianistin, stirbt 2003.

[Wikipedia]

Sonntag, Juli 17, 2005

Konsequenz

Ich bin ja sehr für Konsequenz. So beeindruckt es mich schon, dass erfolglose Selbstmörder im 19. Jahrhundert in Großbritannien gehenkt wurden oder etwa dass Oliver Cromwell zwei Jahre nach seinem Tode gehenkt und geköpft wurde … Das hat etwas berechenbar-handfestes …

Rainer Kirsch

Der Schriftsteller und Lyriker Rainer Kirsch wurde am 17. Juli 1934 in Döbeln geboren. 1957 wegen „abweichender ideologischer Auffassungen“ von der Universität verwiesen, arbeitet er seitdem als freiberuflicher Schriftsteller. Nach Erscheinen der Komödie „Heinrich Schlaghands Höllenfahrt“ 1973 wurde er aus der SED ausgeschlossen. Neben eigenen Gedichten und Essays veröffentlichte er zahlreiche Nachdichtungen insbesondere russischer Autoren.

Ballade

Sie schrie, kaum daß ich da war. Wenn ihr Mund
Mich küßt, da wo mir gut ist, in der Mitte
Sagte sie: Salz ist süß, und wenn die dritte
Stunde am Morgen kam, war noch kein Grund
In ihr, sie war so naß wie als sie kam
Wenn ich sie rührte, und erfand noch Worte

Für wie ich handelte und womit, die Orte
Vermengten sich sehr, weil sies wörtlich nahm
Dann schlug es fünf. Sie ging zur Arbeit. Zuvor
Wusch sie die Gläser ab, sie käme wieder
"Ein schön endloser Kehrreim, wie alte Lieder"
Und sprach mir nach der dritten Nacht ins Ohr:

"Mit dir ists das. Ich will: Sichres, verstehe ..."
Nun geht sie sanft in eine schöne Ehe.

[Rainer Kirsch, Ausflug machen, 1980]

Samstag, Juli 16, 2005

Sommerloch – Sommerlöcher – Sommerlächerlich

Die Steigerung von Sommerloch ist nach Wolfgang Reus: „Sommerloch, Sommerlöcher, sommerlächerlich“. Nun sind wir ganz sicher im Sommerloch angekommen (via it&w) aber da frage ich mich schon, ob wirklich alles gut wird? Na und weil Sommerloch ist, schiebt sich einer Sommerlöcherich in die Schlagzeilen der hofft den nächsten Innenminister zu geben. Andererseits haben wir Sommerloch genug, dass ein Herr Rentrop sommerlächerlich glaubt, etwas zu sagen zu haben und in der netzwelt unter dem Titel „Stoppt die Blog-Exhibitionisten“ dilletiert:

„So oder so sollte man diesen Nebensächlichkeits-Bloggern die Tastatur entreissen und für jede Zeile geistigen Abfalls zweimal um die Ohren hauen – auch wenn die wenigsten Tastaturen so viele Schläge aushalten dürften.

Und jetzt zu Euch, liebe Datenmüll-Produzenten, die Ihr Euch "Blogger" zu nennen wagt: Warum macht Ihr das? Haltet Ihr Euer nebensächliches Leben für so spannend, dass die Menschheit daran teilhaben sollte? [...] Also bitte, nehmt sie offline und überlasst denen das Feld, die wirklich was zu sagen haben.“

Da sollten wir uns doch besser aufs Finale konzentrieren und können uns ja nebenbei noch ein bisschen mit der Vorstellung amüsieren dem Herrn Rentrop die Tastatur um seine Ohren zu hauen … im 18. Jahrhundert wurden die übrigens in verschiedenen Zünften bei öffentlich nachgewiesener Unfähigkeit abgeschnitten. Aber vielleicht sind wir gnädig und zwingen ihn nur sein eigenes belangloses Geschreibsel zu lesen – immer und immer wieder.

Subtile Verführungen

„Subtile Verführungen, die das Christentum zersetzen …“ so Ratzinger zu Harry Potter-Büchern als er noch Kardinal war. So verklärt revolutionär hab ich das noch gar nicht wahrnehmen wollen – na wenn’s denn hilft, aber dass zwischenzeitlich gerichtlich das Lesen verboten wurde, weil ein tumber Buchhändler versehentlich eine paar Exemplare zu früh verkauft hat … also unter uns – und in diesem bescheiden-kulturlosen Blog sind wir, verehrter Leser, ja wirklich ganz unter uns: Ich les das ja nicht, habe wohl einfach den Start seinerzeit verpasst und jetzt das ganze voluminöse Werk nachzuarbeiten, das schreckt doch ab und schliesslich können wir - wenn’s hoch kommt – mal eben 3.000 Bücher lesen in unserem Leben - das ist weniger als jährlich erscheinen! Ich bin Pedant genug nachzureichen: „Richtige“ Bücher bitteschön und durchschnittlich eines pro Woche … Da kann ich mich also nun gar nicht mehr um solche Bücher kümmern …

Der Unterschicht - Blogjieper greift um sich: Hier findet sich, was keiner braucht, worauf keiner gewartet hat und was (bis auf ein paar Seminaranbieter und PR-„Spezialisten“) keinen sonderlich interessiert. Erinnern tut mich das allerdings auch an die gefürchteteten „Vision Statements“, „Mission Statements“ und dergleichen Hundescheisse, um Menschen zu verarschen die ihre Kohle so richtig heftig verdienen müssen … aus der "brave new world":
„Wir wollen dafür sorgen, dass man Fisch nicht überfischt, also kaufen wir nur Fisch aus bestandserhaltenden Fängen. Unsere Lieferanten müssen die offiziellen Fangquoten einhalten und die Größe der Netzmaschen wird streng kontrolliert, damit keine Jungfische gefangen werden. Unsere Einkäufer (…) besuchen und kontrollieren unsere Lieferanten deshalb regelmäßig.“
Jetzt mal den Ball flachhalten biddeschön ihr Trademarketer, FuE-Leiter, Vorstandsfinanzler und Marketing-Gurus: Reden wir nicht über Ethik - Ich habe Unternehmen auch drei Intranets verkauft, aber zumindest habe ich nicht im gesellschaftlichen Kontext behauptet, das sei eine prima und sogar demokratieförderliche Angelegenheit – alles was recht ist, ihr Fischonkels und Diskussionen über essbare Dividenden finde ich immer gut solange sie nicht in Kanibalismus ausarten und das, biddeschön stinkt schon mal vom Kopfe her …

Freitag, Juli 15, 2005

Buster ermittelt …

Auf der Erde und am Himmel, an jedem Wanderer – jedem rüstigen mindestens im Gamsbart oder Wanderstock; in jedem Land – warte nur bald auch hier – auf allen Bergen, in allen Wäldern wie auch zu-Haus; in jeder Wiege, mehrfach-Perspektive im Grab, in allen Himmeln auch im geliebten Heimatland, der ganze Heimat Boden wird Kamerabehangen, Videoerleuchtet, Kamerazergliedert, Videoaufgezeichnet, Kameraerfasst, Videoausgewertet …

Und am Abend können wir mit Pay-per-View nachschauen, ob unser Tag gelungen ist und wenn nicht: Immerhin leise, leise den „Wanderer an den Mond“ zum täglichen Unglück summen:

Ich auf der Erd', am Himmel du,
Wir wandern beide rüstig zu:
Ich ernst und trüb, du mild und rein,
Was mag der Unterschied wohl sein?

Ich wandre fremd von Land zu Land,
So heimatlos, so unbekannt;
Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,
Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.

Du aber wanderst auf und ab
Aus Ostens Wieg' in Westens Grab,
Wallst Länder ein und Länder aus,
Und bist doch, wo du bist, zu Haus.

Der Himmel, endlos ausgespannt,
Ist dein geliebtes Heimatland;
O glücklich, wer, wohin er geht,
Doch auf der Heimat Boden steht!

[Der Wanderer an den Mond, 1827, op. 80 no. 1.
Text Johann Gabriel
Seidl, Set Franz Schubert]

Am Abend

Traum-Haft


Das Licht von nirgends, Wände nicht von Stoff,
die Hände greifen leer in zahllos viele
Gelasse voll Gestühl verschollner Stile,
an Fenstern enden alle Welten schroff.

Wo einst Sekret aus Drüsen niedertroff,
entstehen Fleck um Fleck die Schattenspiele
von Tuschen, hinschraffiert mit blindem Kiele,
daß kein Beschauer auf Verstehen hoff.

Wer alles ist durch dies hindurchgegangen –
durch Welten, doch in einer stets gefangen?
Die Spuren all der Gänge sind verworrn,

wie sie sich trafen, trennten, sich verschlangen,
um endlich, endlich auswärts zu gelangen
– wo doch das Ende wieder hieß: von vorn!

[Robert Wohlleben, DER GRINSENDE VATER]
Robert Wohlleben wurde am 15. Juli 1937 in Rahlstedt geboren.

„Alle Bemühungen um die Ästhetisierung der Politik gipfeln in einem Punkt.
Dieser eine Punkt ist der Krieg.“
[Walter Benjamin, Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1935]

Walter Benjamin wurde am 15. Juli 1892 in Berlin geboren. Neben seiner - meist verkannten - Sprachphilosophie ist vor allem das „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1935) interessant. Die unbegrenzte Vervielfältigung von Musik, Malerei, ja aller bildenden Künste führt nach Benjamin zum Verlust ihrer „Aura“. Damit ist auch der veränderte Zusammenhang der Rezeption adressiert: Es entfällt das sich in ein Konzert oder eine Ausstellung begeben und die technische Reproduktion bedingt die „Entwertung des Originals“. Während Benjamin diese Entwicklung begrüsst, weil ungleich mehr Menschen Zugang zur Kunst haben wird Adorno die These dialektisch umkehren und vor allem die „Regression“ und den „Fetischcharakter“ der Massenkunst herausstellen.

Donnerstag, Juli 14, 2005

Adorno sitzt ...

„Adorno sitzt in seinem Glashaus und denkt an Schönbergs Perrot Lunaire, während böse Busben aus dem Hinterhalt Steine werfen.“ [FrankWolf]

Allons enfants de la Patrie ...

Wer „Sturm auf die Bastille“ am 14. Juli 1789 hört, denkt an Tausende bewaffneter Unterdrückter, die den Hochsicherheitsknast mit hunderten politischer Häftlinge erstürmen und dadurch die Französische Revolution auslösen.

Die Bastille war eine Edelgefängnis in Paris in der zum Zeitpunkt der Erstürmung exakt sieben Gefangene einsassen, grösstenteilweise mit freiem Ausgang: Kein politischer Häftling sass dort ein und auch de Sade gehörte übrigens dazu, den seine Familie wegen seines Lebenswandels in der Bastille festsetzen lassen hatte. Obschon keine bedeutenden Gefangenen befreit wurden, kein Schuss fiel bei dieser "Schlacht" und die militärische Bedeutung des Sieges über die aus Veteranen und Invaliden bestehende Wachmannschaft gering war, wurde der Sturm auf die Bastille in der Folge zum Mythos und zu einem einschneidenden Ereignis verklärt ...

Die Marseillaise, ursprünglich von Rouget de Lisle als das Kriegslied der Rheinarmee komponiert, wurde von den republikanischen Soldaten aus Marseille beim Einzug in Paris gesungen, am 14. Juli 1795 wurde die Marseillaise zur französischen Nationalhymne erklärt:

"Allons enfants de la Patrie,
le jour de gloire est arrivé
Contre nous de la tyrannie
L'étendard sanglant est levé,
Entendez-vous dans les campagnes
Mugir ces féroces soldats!
Ils viennent jusque dans vos bras
Égorger vos fils et vos compagnes.

Refrain:
Aux armes citoyens,
Formez vos bataillons.
Marchons! Marchons!
Qu'un sang impur
Abreuve nos sillons

Que veut cette horde d'esclaves
De traîtres, de rois conjurés?
Pour qui ces ignobles entraves
Ces fers dès longtemps préparés
Français, pour nous, Ah quel outrage
Quel transport il doit exciter!
C'est nous qu'on ose méditer
De rendre à l'antique esclavage"
hier gehts weiter …

NI DIEU NI MAîTRE

Léo Ferré, französischer Chansonsänger und –komponist, gestorben am 14. Juli 1993 in der Toskana.


NI DIEU NI MAîTRE

La cigarette sans cravate
Qu'on fume à l'aube démocrate
Et le remords des cous-de-jatte
Avec la peur qui tend la patte
Le ministère de ce prêtre
Et la pitié à la fenêtre
Et le client qui n'a peut-être
NI DIEU NI MAîTRE
Le fardeau blême qu'on emballe
Comme un paquet vers les étoiles
Qui tombent froides sur la dalle
Et cette rose sans pétale
Cet avocat à la serviette
Cette aube qui met la voilette
Pour des larmes qui n'ont peut-être
NI DIEU NI MAîTRE
Ces bois qu'on dit de justice
Et qui poussent dans les supplices
Et pour meubler le sacrifice
Avec le sapin de service
Cette procédure qui guette
Ceux que la société rejette
Sous prétexte qu'ils n'ont peut-être
NI DIEU NI MAîTRE
Cette parole d'évangile
Qui fait plier les imbéciles
Et qui met dans l'horreur civile
De la noblesse et puis du style
Ce cri qui n'a pas de rosette
Cette parole de prophète
Je la revendique et je vous souhaite
NI DIEU NI MAîTRE
NI DIEU NI MAîTRE

[Léo Ferré 1964]

Es gibt etwas ...

„Es gibt etwas, für das Regierungen sich mehr interessieren als für Menschenleben: die Sicherheit des Eigentums. Deshalb greifen wir den Feind in seinem Eigentum an. Wenn es für Männer richtig ist, für ihre Freiheit zu kämpfen, ist es auch für Frauen richtig, für ihre Freiheit und die ihrer Kinder zu kämpfen. Dies ist das Glaubensbekenntnis der militanten Frauen Englands.“
Sie entwickelte eine Philosophie des gewaltlosen Widerstandes, welche später von der Frauenbewegung der USA, von Mahatma Gandhi in Indien gegen die Kolonialherrschaft der Briten sowie von Martin Luther King in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung übernommen wurde: Emmeline Pankhurst, englische Frauenrechtlerin, Anführerin der militanten Suffragetten wurde am 14. Juli 1858 in Manchester geboren.

Am 1. Januar 1880 wurde Pat Garrett zum Sheriff gewählt. Pat Garrett war ein ehemaliger Freund von Billy the Kid, daher bot er ihm an, ihn 6 Wochen lang nicht zu verfolgen, um ihm Gelegenheit zu geben, nach Mexiko zu flüchten. Billy the Kid weigerte sich jedoch, und im Februar 1881 begann die Jagd auf ihm. Am 22. Dezember gelang es Sheriff Pat Garret, Billy the Kid in einer kleinen Hütte festzunehmen. Daraufhin wurde er am 13. April 1881 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Ca. 14 Tage später gelang ihm aber die Flucht aus dem Lincoln County Gerichtsgebäude, wobei er zwei Wächter ermordete. Wieder gab Pat Garrett ihm 6 Wochen Zeit, nach Mexiko zu fliehen und wieder lehnte er ab. Am 13. Juli 1881 wurde Billy the Kid dann von Pat Garrett ohne Vorwarnung erschossen, als er das Schlafzimmer im Haus von Pete Maxwells in Fort Sumner betrat.

dpa meldet dass BAT meldet, dass in der ersten Jahreshälfte im deutschen Markt der Zigarettenabsatz von 13,1 auf 11,6 Milliarden zurückgegangen ist und in einer Umfrage eines Rasierklingenherstelles wird Gümnter Jauch mit 33,5% zum bestrasierten deutschen Promi gewählt. Andererseits war die Messlatte für das offizielle DFB-Anzeichen noch nie so hoch: Kunstschuss, Ballzauber, Dribbling, Kurzpass, Kopfball, Flanken und Elfmeter heissen die sieben Disziplinen ... ob es heuer einer packt?

Und zu Karel Gott – der „goldenen Stimme aus Prag“ – am 14. Juli 1939 in Pilsen, geboren soll heute geschwiegen werden. Sicher: Babička 1979 war eine versteckte Träne Wert, aber von den Goldenen Stimmgabeln (1982, 1984 und 1995), Hermann-Löns-Medaille in Gold (1983), der Goldene Nachtigall (1963, 1971), der Diamantenen Schallplatte (1992) oder gar dem Europäischen Kristallglobus (2001) lasse ich mich nicht beeindrucken, ich doch nicht ...
„Als wir Kinder waren,
sind wir oft gefahren
oben auf dem Wagen mit dem Heu,
und bei uns war immer Babicka.
Herrliche Geschichten
konnte sie berichten,
und für uns war´s immer wieder neu,
alle Kinder liebten Babicka.
Singen, kochen, tanzen, lachen, glücklich machen,
das war Babicka.
Pferde stehlen, Äpfel schälen und erzählen
das war Babicka.
Sie hat uns getröstet in der Nacht ...“
Nein, nein, ich erwähne das gar nicht.

Und Als ob nicht alles schon elend genug wäre, blitzt jetzt auch noch die Meldung auf „Das Stylesheet ist möglicherweise leer, oder es ist kein wohlgeformtes XML-Dok“ . . . Was um alles in der Welt ist denn jetzt auch noch „wohlgeformt“ ... also zum Teufel auch ...