Dienstag, Mai 31, 2005

Veranstaltungskalender

Wir leben - glaubt man dem verehrten Hanns Dieter Hüsch - ja in der "Wir-bitten-um-Ihr-Verständnis-Gesellschaft". Denn man los:

Heute findet KEINE blog-Lesung von mir im Theater an der Resterampe in Stuttgart statt. Auch nicht im tumben Theater in Hamburg, im Schnäppchentheater in Bonn, im Haus der Tugend in Göttingen, im dänisch-schlesischen Kulturzentrum der frühpensionierten Wattenfischer in Kiel oder gar im Foyer des Migrantenübergangswohnheims in Lübeck: Nirgends werde ich heute lesen und schon gar nicht aus meinem geliebten blog, sorry, aber heute nicht.

Ich bitte um Ihr Verständnis ... gehn Sie doch heute mal nach Moers.

Können Nichtraucher übersetzen?

Sprechen Sie doch heute mal den Psychologen aus der Nachbarschaft oder ihre zuständige Hebamme auf den „therapeutischen Nutzen der Rauchfreiheit” an!

Weltnichtrauchertag 2005 und aus dem schnittigen „Health Professionals Against Tobacco - Action and Answers“ der WHO wurde dank der Übersetzung der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID) hölzern „Schluss mit süchtig! - Wir helfen Rauchern. Die Gesundheitsberufe“ - das liegt auf der Sprachbegabtenskala immerhin knapp über dem bekannten „fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, aber wirklich nur knapp ...

Das „Aktionsbündnis Nichtrauchen zum Weltnichtrauchertag 2005“ schämt sich derweilen auch so, dass es abweichend übersetzt: „Welt-Nichtrauchertag 2005: Gesundheitsprofis für Patienten“. Na ja: Schliesslich wurden wir ja schon letztes Jahr auf eine harte Probe gestellt mit dem Claim „Wer raucht ist arm dran“ statt „Tobacco and Poverty - A Vicious Circle“.

Kein Wunder, dass wir so die Raucher nicht überzeugt kriegen. Sollten künftig nicht die Edelsten und Besten an die Marketing-Front geschickt werden oder wollen die Nichtraucher weiter so die Steuergroschen verdilletieren und am Ende die Raucher weiter rauchen lassen für Frieden, Freiheit und Sicherheit und sich über was ganz anderes unterhalten?

Hier noch die Beweissammlung zu den Akten:
1993: Rauchfreies Gesundheitswesen - rauchfreie Welt!
1994: Die Medien und das Rauchen: informieren, nicht verführen!
1995: Rauchen kommt uns teurer, als wir denken!
1996: Sportler und Künstler rauchen nicht!
1997: Gemeinsam für eine rauchfreie Welt!
1998: Rauchfrei aufwachsen!
1999: Rauchfrei ins nächste Jahrtausend!
2000: Lass dich nicht für dumm verkaufen! Tabak ist der Killer!
2001: Rauchfreie Luft für freie Bürger!
2002: Ja zum Sport heißt Nein zum Tabak!
2003: Film und Fernsehen: mit Schall ohne Rauch!
2004: Wer raucht, ist arm dran.
2005: Schluss mit süchtig! - Wir helfen Rauchern. Die Gesundheitsberufe.

Der SED-Parteitag 1962 hatte das Motto "Froh und kulturvoll leben" - Warum fällt mir das jetzt ein?

Blue in the face

Lou Reed redet, John Lurie spielt, Madonna singt und Jim Jarmusch philosophiert über seine letzte Zigarette.

[ARTE, heute um 23.10 Uhr]

Montag, Mai 30, 2005

Schöne Jugend

Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte.
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löcherig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell
fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tot.
Die andern lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!

[Gottfried Benn, Morgue und andere Gedichte, 1912]

Schöner Leben durch Raucher

Schmerzhafte Preiserhöhungen, Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, Rauchfreiheit in Bahnhöfen, Zügen, Flugzeugen - noch nie war das Raucherleben so hart. Gerechtfertigt wird dieses Martyrium der Raucher mit der sehr unsinnigen Behauptung, dass Rauchen unser Sozialsystem Milliardenbeträge kostet. Es wird hierbei immer mit den hohen Kosten der Krebserkrankung argumentiert, aber im Vergleich zu den Kosten einer langen Rente eines Nichtrauchers sind die Behandlungskosten eines Rauchers zu vernachlässigen. Raucher leben ja sehr lange sehr viel teurer und sterben dann so schnell, dass die volkswirtschaftliche Bilanz statistisch immer zu ihren Gunsten spricht. Sie entlasten deutlich die Rentenkasse und schaffen Arbeitsplätze. Sie helfen zweifelsfrei der Pflegeversicherung: Wer mit 50 an Lungenkrebs stirbt, bekommt kein Alzheimer mit 70 und muss auch nicht zehn Jahre gepflegt werden.

Die richtige Strategie kann also nicht sein Raucher zu verteufeln, sondern das Rauchen der anderen zu fördern – solange man nicht selbst betroffen ist. Natürlich darf die Förderung nicht so gut ausfallen, dass man selbst in Versuchung gerät. Aber die Anderen müssen einfach rauchen, damit es den Nicht- und Exrauchern gut geht. Zunächst gilt es dabei die Raucher und Nichtraucher besser zu trennen um dann die Zahl der Raucher jährlich und kontinuierlich zu steigern. Die Nichtraucher können dann wieder früher in die Rente gehen und können mit gutem Gewissen ihren Lebensabend geniessen – den Rauchern sei Dank.

Weil jede Menge Menschen keine Pflegeversicherung mehr erleben werden die Kosten im freien Fall sinken, wir können sogar weitere Feiertage einführen, die wir dann nach beliebten Zigarettenmarken nennen können – alles eine Frage, was die Zigarettenindustrie dafür an das Gesundheitssystem bezahlt: Buss- und Bettag war gestern, morgen gibt es den Marlboro-, den Camel- und den Lucky Strike-Tag!
Mit dem Rauch- wird in Folge auch der Alkohol- und Kaffeekonsum weiter ansteigen. Ein zusätzlicher Beitrag zur Gesundung der Wirtschaft. Endlich wird es weniger Arbeitslose geben und durch Rauchen wird unsere Wirtschaft prosperieren.

Natürlich wird es auch den ein oder anderen tragischen Zwischenfall geben, etwa wenn nahe Angehörige durch den Rauch sterben. Durch Zielgruppen-Werbung kann jedoch gesteuert werden, dass nur bestimmte Bevölkerungsschichten das Verlangen zum Rauchen haben. Bereits heute besteht zwischen Rauchen und Bildungsniveau ein signifikanter Zusammenhang. Die zunehmende soziale Differenzierung des Zigarettenkonsums vor allem in der jungen Generation gilt es auszunutzen: Durch Raucherfahrten mit dem (Raucher-)Bus ins „Smokers-heaven-Land“ wo immer und überall geraucht werden kann, durch Verteilung von kostenlosen Zigarettenproben an den Haupt- und Realschulen und (Wieder-)Einführung der Raucherpausenräume zugänglich für alle Jahrgänge der Schule, Verkürzung der Schulstunde auf 30 Minuten, damit die Schmacht nicht so gross wird, dass die Kinder nicht mehr aufnahmefähig sind. Das ist sicher nur ein Teil der notwendigen Massnahmen, denn es müssen ja viele sein, die rauchen, nur dann macht dieses Vorgehen wirklich Sinn.

Aber auch für viele Individuen ist die Entscheidung weiter zu rauchen ohne permanent diskriminiert zu werden, nur von Vorteil: Wenn man weis, dass man nicht alt wird, ist vieles unkomplizierter. Man kann sich unbeschwert in Lübeck am Schnellimbiss verpflegen, muss beim Pilzsammeln keine grossen Unterscheidungen treffen, kann jeden Job in einem ukrainischen Bergwerk annehmen, man macht sich keine Gedanken zur Absicherung der Rentenlücke, man kann auf deutschen Strassen Motorrad fahren, mit billigen Fluglinien in Länder mit Malaria, Sars und Vogelgrippe reisen ... das ist doch ein rapider Anstieg an Lebensqualität!

Im zweiten Schritten können dann die Raucher davon überzeugt werden, dass das Leben noch viel schöner ist, wenn doppelt so viel geraucht wird, aber das ist eine andere Kampagne ...

Sonntag, Mai 29, 2005

Rock'n'Roll-Eigenschaften

Das richtige Gefühl für die Gummimischung: Ich hätte mich aus dem noch nicht überfüllten Freibad nicht so voreilig verabschieden sollen denn „Gefühle zwischen mir und meinem Auto gibt es nicht“ sagt grade Kimi Räikkönen im TV nachdem die Oma von Nick Heidfeld verraten hat, dass dieser gerne Klösse isst. Jetzt muss ich mich entscheiden: Sofort das Trinken beginnen oder ganz schnell ausschalten … Ich entscheide feige nur für Ton aus als Podolski interviewt wird und das führt mich zum Schmacht-Hörtipp des Tages:

„Robert Quine war ein großartiger Gitarrist. Er besaß eine außergewöhnliche Mischung aus Geschmack, Intelligenz und Rock'n'Roll-Eigenschaften“ weiss schon Lou Reed zum Freitod Robert Quines am 29. Mai 2004 durch eine Überdosis Heroin in New York.

Der US-amerikanischer Musiker und Gitarrist galt als Pionier der New Yorker Punkszene und arbeitete mit Brian Eno, Lou Reed und John Zorn zusammen.

Für alle, die zum Andenken an Quine heute nicht in meinen Lieblingsclub im New Yorker East Village kommen können um mit John Zorn über die gute alte Zeit mit Quine zu plaudern, der Hörtipp „Blank Generation“ von 1977 mit Quine als Gittarist der Punkband „Richard Hell & The Voidoids“.

Uncooler Gruppendruck …

„Das Rauchverbot [in New Yorks Bars] ist ekliger Gesundheitsfaschismus. Die armen Raucher müssen draussen stehen und sollen gegen deren Willen gesund werden.“ Lou Reed

Sicher, wir haben ja schon 2001 gehört, dass Nichtrauchen echt cool ist. Das ganze wurde freilich vorgetragen mit einem pädagogischen Unterton in der Stimme dass „Nichtrauchen“ problemlos hätte ersetzt werden können durch „Finanzbeamter im mittleren Dienst werden …“, „der Mutti beim bügeln helfen …“ oder „eine Bank nicht zu überfallen …“

Nix gelernt: Und kaum vier Jahre später ist es auch europäisch gerichtsfest fixiert: Der Griff zur Zigarette ist „einfach nicht cool und nicht normal“ sagt EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou bei der Vorstellung der aktuellen Kampagne gegen das Rauchen am Donnerstag in Brüssel. Allein der Claim der Kampagne: „HELP - Für ein rauchfreies Leben“ lässt mich freilich zweifeln ob ich mich wirklich zu diesen „humorvollen“ und „coolen“ Nichtrauchern gesellen möchte …

Samstag, Mai 28, 2005

Seltsame Tage ...

Wahrlich es gibt seltsame Tage: Während ich grade neue Aschenbechercreationen bewundere - ich will ja schliesslich, auch wenn ich nicht rauche, nicht ganz aus der Übung kommen - und mir über das unsichere Berufsbild des „Flavouristen“ ernste Gedanken mache (das sind diejenigen, die jetzt von Frau Künast so böse durch den Tabak gezogen werden), bekomme ich von einem mir ganz Unbekannten Harald T. eine Mail in der er fragt „ob ich noch Kontakt zu Manne“ hätte und empfielt mir seine verbesserte Homepage. Während ich noch phantasiere welches Viagra oder Sexbildchen mich nun anspringt, sehe ich ins offene Herz eines Sammlers von Zigarettenschachteln. Ich werde ihm dennoch nicht antworten – alles hat schliesslich seine Grenzen und „Overstolz“ war ja auch nie meine Marke. Aber ich sehe mich doch besser vor heute und schaue nur noch ganz vorsichtig ins Inter-netz …

Hörtipp gegen die Schmacht

Der Musikkritiker John Amis in einer Besprechung eines seiner Liederabende:
„ … wenn man ein paar Superlative geschrieben und das Programm geschildert hat, bleibt einem als Kritiker nach einem solchen Konzert nur noch "finis" unter die Besprechung setzen, nach Hause zu gehen und dem Himmel zu danken, daß man das erleben durfte"

Dietrich Fischer-Dieskau, geboren am 28. Mai 1925 in Berlin, Sänger, Dirigent, Maler, Musikschriftsteller und Rezitator. Hörtipp gegen die Schmacht heute die Sinfonie Nr. 2 C, op. 61 von Robert Schumann mit Dietrich Fischer-Dieskau und den Bamberger Symphoniker (1975, BASF/Acanta). Gibt’s glaub ich gar nicht auf CD.

Vorschlag zur Strafrechtsreform ...

Wegen staatsgefährdender Störung in Tateinheit mit schwerem Forstwiderstand wird bestraft

wer Gegenstände zur Verschönerung öffentlicher Wege böswillig verschleiert
wer eine Frau zur Gestattung des Beischlafs verleitet oder einen anderen Irrtum in ihr erregt
wer die Überwachung von Fernmeldeanlagen stört
wer vorsätzlich Süßstoff herstellt

wer den Gebrauch gewisser Beteuerungsformeln unterläßt
wer ohne Erlaubnis der zuständigen Behörde an Syphilis gelitten hat
wer auf einer Wasserstraße Gegenstände hinlegt
wer länger als drei volle Kalendertage abwesend ist

wer auf einem Eisenbahnhofe mittels Abschneidens ein wichtiges Glied einer Amtsperson verringert
wer es unternimmt Luftfahrer auszubilden
wer Witwenkassen errichtet
wer Orden in verkleinerter Form trägt

wer nach gewissenhafter Prüfung die Obrigkeit verächtlich macht
wer an einer Zusammenrottung teilnimmt
wer von den Reisewegen abweicht
wer eine Tatsache behauptet

wer ein männliches Tier zur Besamung verwendet
wer sich kein Unterkommen verschafft hat
wer Befehle böswillig abreißt
wer die Schlagkraft gefährdet

wer ein Zeichen der Hoheit beschädigt
wer sich dem Müßiggang hingibt
wer Einrichtungen beschimpft
wer seine Richtung ändern will

wer sich mit Wort und Tat auflehnt
wer einen Haufen bildet
wer Widerstand leistet
wer sich nicht unverzüglich entfernt

wer ohne Vorwissen der Behörde oder eines Vorteils wegen oder vorsätzlich oder als Landstreicher oder um unzüchtigen Verkehr herbeizuführen oder mittels arglistiger Verschweigung oder gegen Entgelt oder wissentlich oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel oder gröblich oder grobfahrlässig oder fahrlässig oder böswillig oder ungebührlicherweise oder auf Grund von Rechtsvorschriften oder ganz oder teilweise oder an besuchten Orten oder unter Benutzung des Leichtsinns oder nach sorgfältiger Abwägung oder mit gemeiner Gefahr oder durch Verbreitung von Schallaufnahmen oder auf die vorbezeichnete Weise oder unbefugt oder öffentlich oder durch Machenschaften oder vor einer Menschenmenge oder in einer Sitte und Anstand verletzenden Weise oder in der Absicht den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen oder mutwillig oder nach der dritten Aufforderung oder als Rädelsführer oder Hintermann oder in der Absicht Aufzüge zu sprengen oder wider besseres Wissen oder mit vereinten Kräften oder zur Befriedigung des Geschlechtstriebs oder als Deutscher oder auf andere Weise

eine Handlung herbeiführt oder abwendet
oder vornimmt oder unterläßt
oder verursacht oder erschwert
oder betreibt oder verhindert
oder unternimmt oder verübt oder bewirkt oder begeht
oder befördert oder beinträchtigt
oder befördert und beinträchtigt
oder befördert und nicht beinträchtigt
oder beinträchtigt und nicht befördert
oder weder befördert noch beinträchtigt.

Das Nähere regelt die Bundesregierung.

[H. M. Enzensberger]

Freitag, Mai 27, 2005

... wir sind Gauweiler

... ein historisches Signal ... an "die Franzosen" geben ... Oder fühlen Sie sich auch etwas übergangen und ausgerechnet Gauweiler ist Volkes Stimme?

Kabalisten aller Länder ...

bluesbaker lässt mich zum Kabalisten werden:
Was der Name so alles verrät...


angela merkel
KLARE MAENGEL

oskar lafontaine
SATAN ORAKEL INFO

edmund stoiber
BETEND UM DORIS

guido westerwelle
GEREDE WIE WOLLUST

joschka fischer
JAHR SCHOCK FIES

gerhard schröder
RASCH GERD ODER EHR* (*eigentlich ein ö statt dem o)

Die Anagramm-Maschine gibt’s hier.

Donnerstag, Mai 26, 2005

Rauchen rockt …

War uns nicht schon lange klar,
dass Glycerin, Invertzucker, brauner Zucker, Kakao, Stickstoff und 1,2 Propylenglykol jede Atika-Clique fröhlich macht?

Dass ein Camel-Raucher darüber hinaus Cellulosefaser, Lakritzextrakt, Johannisbrotkernmehl und Pflaumenextrakt reinpfeift um mal so richtig zu entspannen und

dass der Gesundheitsbewusste Gauloises Blondes Blau raucht weil dort auch Früchte (frisch, getrocknet, Extrakte) mitgequalmt werden?

Verbraucherschutzministerin Renate Künast legte währenddessen die einzelnen Zusatzstoffe in Zigaretten und Tabak offen: Die Zusatzstoffe sollen entweder das Rauchen erleichtern oder aber die Sucht verstärken. Von Lakritz über Kakao, Zimt, Vanille, Rum, Schokolade, Zucker, Salz, Alkohol, Menthol, Glyzerin, Feigen, Rosinen, Pflaumen, Mehl, Zitronen-, Apfel- und Milchsäure, Titandioxid, Stickstoff, Konservierungsmitteln, Chemikalien und Süßstoff wird alles Mögliche beigemischt. Werden die Zutaten geröstet und inhaliert, entstehen besonders viele krebserregende Nitrosamine: Andererseits müssen sich Raucher über die Gesundheitsgefährdung beim Grillen nun wirklich keinen Kopf machen …

Aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle ist aber zu erfahren, dass Renate Künasts Liste der ungewöhnlichen Inhaltsstoffe in Tabakwaren immer länger wird! Mittlerweile haben Verbraucherschützer herausgefunden, daß in Zigaretten sogar Rasseln, Mobiltelefone und kleine Clownsfahrräder enthalten sind. Das erklärt natürlich ja so einiges! ÖchÖchÖchÖch, klingelingeling, *saug* Hallo wer da? Hallo? Hallo?

Dass Rauchen doof macht, glaubt mir natürlich keiner aber ... macht nur so weiter, ihr Raucher, ihr.

Zwei Träume

Zwei Träume. Der erste fragte,
wie ist nun dein Gesicht:
was deine Lippe sagte
oder das schluchzend Gewagte
bei verdämmerndem Licht?

Der zweite sah dich klarer:
eine Rose oder Klee,
zart, süß - ein wunderbarer
uralter Weltenbewahrer
der Muschelformen der See.

Wird noch ein dritter kommen?
Der wäre von Trauer schwer:
ein Traum der Muschel erglommen,
die Muschel von Fluten genommen
hin in ein anderes Meer.


Gottfried Benn

Mittwoch, Mai 25, 2005

Bücher und Menschen

Da wo die Welt noch in Ordnung ist und Ämter noch „Amt“ und Anstalten noch „Anstalt“ heissen: Im beschaulichen Lübeck hinter dem Arbeitsamt in der Strasse „Bei der Gasanstalt“ findet sich die beschauliche Lokalität „Didi’s Mampf Point“, ein rund 2 auf 1,25 Meter grosses Imbisswägelchen, darin stehend ein etwas älterer Herr, zufrieden abwechselnd rauchend und hustend ... die Speisekarte wirkt mit drei Wurstangeboten und Pommes oder Brot als Beilage übersichtlich und nicht überladen. Ich entscheide mich für eine Currywurst mit Pommes, das Gedeck im obersten Preissegment des Etablissements, als der vermeintliche Didi meine Getränkebestellung ganz sohisticated beantwortet mit „Goga Gola is out, jibbet nich mär“ ...

Obwohl ich den angebotenen Jägermeister ablehne lässt der Mann es sich nicht nehmen mich bei meinem hochpreisigen Essen zu unterhalten. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei ihm um „Jügän“ handelt und der „Didi an un für sich sein Schäff iss“ ... wenn sie mal so richtig Zeit haben, lassen Sie sich die Geschichte der Dame erzählen, die von Warschau nach Hamburg fliegen wollte und so richtig froh war, als sie in Lübeck gelandet ist ... oder warum die Lufthansa den Flughafen Lübeck erpresst oder auch dass Jügan früher mal aufgehört hat zu rauchen bis er das Buch gelesen hat, in dem der Held immer geraucht hat, nachdem er Menschenleben gerettet hat ... wie das Buch hiess konnte mir Jügän nicht sagen, aber ihn hat es so beeindruckt, dass er sofort wieder begonnen hat zu rauchen ... wahrscheinlich weil das besser zum Menschenretterimage passt, denke ich ...

Die Macht des Buches ... nicht mal den Titel konnte sich der tapfere Jügän merken aber nun raucht er schon wieder seit fünf Jahren, grinst mich an und hustet mühsam etwas grünen Schleim hervor, den er mit einem verschwörerisch-zwinkernden Blick in den Augen ausspuckt. Der wahre Menschenretter muss weiterrauchen, er opfert sich für die Menschheit ... pastorale Weinerlichkeit macht sich in mir breit ... nur die aufkommende Übelkeit verursacht durch ranzig schmeckende Fritten verhindert, dass ich mich spontan vor Jügän niederknie und mit der ausgeschenkten lauwarmen Fanta seine Füsse wasche …

Aber der Buchfrage muss ich mich nun auch stellen nachdem PE das Stöckchen unüberlegt an mich weitergereichtet hat, wohl in der irrigen Annahme ich tumber Ex-Raucher würde nun das Stöckchen nehmen und alten Suchtgewohnheiten huldigend es entzünden und dran saugen oder gar den Ian Carr gleich fünffach nominieren:

1. Du steckst in der Welt von Fahrenheit 451, welches Buch möchtest Du sein?
Das wechselt bei mir freilich monatlich, aber statistisch derzeit am häufigsten und offensichtlich meinen Ekel vor Menschenansammlungen am triftigsten ausdrückend: die Erzählung „Schwarze Spiegel“ von Arno Schmidt in der der Hauptdarsteller sich nach dem dritten Weltkrieg und globalem Atomschlag südlich von Hamburg in der Menschenleere niederlässt, Museen und Bibliotheken plündert um sich behaglich in seiner Blockhütte einzurichten ...

2. Warst Du je in eine Figur aus einem Buch verknallt?
Ich muss gestehen, es mag gut 30 Jahre her sein, dass mich Winnetous Schwester „Nscho-tschi“ (alias „Schöner Tag“) beschäftigt hat, allerdings war ich wie schon die Lektüre nahe legt, in einem Alter, dass mich der Anblick zweier Milchdrüsen nicht sehr verwirrt hat ... Ansonsten gibt es hierzu eigentlich nichts berichtenswertes ... leider, wo doch literarische Liebe die erfüllteste sein soll ...

3. Welches Buch hast Du zuletzt gekauft?
Wolf Biermann: Das ist die feinste Liebeskunst - 40 Shakespeare- Sonette bei Kiepenheuer & Witsch. Lesen oder gar kaufen Sie’s bloss nicht. Das ist wirklich rabaukenhaft „übersetzt“ und offensichtlich glaubt da einer er sei Shakespeare, Villion und Rilke in einem ...

4. Welches Buch hast Du zuletzt gelesen?
Hubert van den Berg (Hg.) DAS DING AN SICH UND DAS DING AN IHR - Dada Erotikon. Der Band versammtelt Texte und Bilder von Kurt Schwitters, Hugo Ball, Emmy Hennings, Richard Huelsenbeck, Francis Picabia, Walter Serner, Mina Loy, Hannah Höch, Til Brugmann, George Grosz u.v.a. Unbedingt empfehlenswert ...

5. Welches Buch liest Du gerade?
Roger Willemsen (Hrsg.): Der Selbstmord. Briefe, Manifeste, Literarische Texte. Und Dieter Thomä: Vom Glück in der Moderne … Die Kombination macht’s und schliesslich ist eben Frühling …

6. Welche fünf Bücher nähmst Du mit auf eine einsame Insel?
Die gesammelten Werke vom Meister Shakespeare aber bitte nix Goldschnittiges, sondern der Kompakt-Dünndruck und dafür den Alexander Text ... ich nehm’ gleich mein Exemplar: Die Kaffee- und Rotweinflecken sind meine Biographie ...

Benns gesammelte Gedichte muss ich im Eigenverlag noch schnell herausgeben, aber es wird ja hoffentlich nicht gleich morgen auf die Insel gehen?

Finnegans Wake von James Joyce, falls die Insel versehentlich Irland heisst oder mir irgendwie irisch anmutet ... und das tun seltsamerweise fast alle Inseln?

Arno Schmidt: Zettels Traum dem ich mich jährlich stelle in der Hoffung, dass aufkeimende Alterweisheit mich einen Schritt weiter in das Buch gebracht hat. Idealerweise die Erstausgabe Goverts Krüger Stahlberg 1970. Nur zur Not als Faksimile.

Hmmm sicher nur fünf? Wirklich? Wie wärs denn mit der Gutenberg-Projekt-DVD? Nicht erlaubt? Bähh! Na dann bittschön die 24 Bände plus Index der Encyclopædia Britannica in der 9. Auflage (1870-1890) ... hab ich wenigstens was zum nachschlagen ... mir fallen aus dem Stand 20 Artikel ein, die ich zweimal täglich lesen könnte die nächsten 50 rauch- und tsunamifreien Jahre. Denn auf der Insel gäbe es schliesslich auch niemanden zu retten, wozu also die Zigarette „danach“?

Und das Stöckchen geht an?
Sofa – Rites De Passage, larsba vom GadgetMag und frappant freilich ohne Garantie ob sie nicht schon vor Äonen dran waren aber dann wäre die Liste in Zeiten des blühenden Kulturpessimismus ja schon längst wieder eine andere …

Ach und noch was, lehnen Sie bei „Didi’s Mampf Point“ niemals den Jägermeister ab, Sie brauchen ihn in jedem Fall zur Betäubung des Magens, da bin ich ganz sicher ... aber Geschichten weiss der, wie sie das Leben schreiben könnte, wenn einer zuhören würde ...

Dienstag, Mai 24, 2005

Morgen ist "Towel day"

Was soll ich tun?
Trag dein Handtuch mit dir den ganzen Tag um deine Anteilnahme und deine Trauer zu zeigen.

Wann soll ich es tun?
Am 25. Mai, 2005.

Wo soll ich es tun?
Überall ...

Warum gerade ein Handtuch?
Um den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis zu zitieren:
Ein Handtuch, heißt es da, ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert - man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; man kann unter den so rotglühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen, bedächtig strömenden Moth-Fluß hinuntersegelt, und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen - bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit ab- trocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.

Was jedoch noch wichtiger ist: ein Handtuch hat einen immensen psychologischen Wert. Wenn zum Beispiel ein Strag (Strag = Nicht-Anhalter) dahinter kommt, dass ein Anhalter sein Handtuch bei sich hat, wird er automatisch annehmen, er besäße auch Zahnbürste, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompass, Landkarte, Bindfadenrolle, Insektenspray, Regenausrüstung, Raumanzug usw., usw. Und der Strag wird dann dem Anhalter diese oder ein Dutzend andere Dinge bereitwilligst leihen, die der Anhalter zufällig gerade »verloren« hat. Der Strag denkt natürlich, dass ein Mann, der kreuz und quer durch die Galaxis trampt, ein hartes Leben führt, in die dreckigsten Winkel kommt, gegen schreckliche Übermächte kämpft, sich schließlich an sein Ziel durchschlägt und trotzdem noch weiß, wo sein Handtuch ist, eben ein Mann sein muss, auf den man sich verlassen kann.

Montag, Mai 23, 2005

einfach ....

Also ich einfaches Gemüt bin ja an manchen Tagen durch einfache Aufzählungen davon abzuhalten einfach wieder zu rauchen:

Heinrich V. 1125,
Benedikt XIII., Gegenpapst 1423,
Girolamo Savonarola, Dominikanermönch
1498, Urbanus Rhegius, Reformator, 1541,
Paul IV., Papst 1559,
Joachim Mörlin, Theologe und Reformator, 1571,
Peter Ernst Mansfeld, Statthalter in den Niederlanden und von Brüssel, 1604,
Jacobus Sackmann, evangelischer Theologe, 1718,
Géraud-Christophe-Michel Duroc, französischer Diplomat, 1813
...

quengeln und qualen

... die kritische-masse macht richtigerweise darauf aufmerksam: es hätte ja irgendwie noch ganz anders werden können ...

Sonntag, Mai 22, 2005

das höchste Glück ...

... zu wissen, dass es ein Fehler ist, aber nicht welcher ist doch das höchste Glück ...

Allen Dank an PE!

Freitag, Mai 20, 2005

endlich!

ich hab jetzt auch keine

Donnerstag, Mai 19, 2005

Ho - Ho - Ho Chi Minh!

“Im patriotischen Kampf gegen die amerikanische Aggression werden wir gewiß noch größere Schwierigkeiten ertragen, neue Opfer bringen müssen, aber der völlige Sieg ist unausweichlich.“

[Das Testament, 10. Mai 1969 ]

Ho Chi Minh ("der, der erleuchtet"), geboren am 19. Mai 1890

Mittwoch, Mai 18, 2005

Ein halbes Jahr ...

ab 23.15 Uhr heute Abend ...

Ich habe alle Wetten auf dieses halbe Jahr ausgerichtet: Wenn ich bis heute nacht rauche verliere ich meine Wetten und muss:

1) an einer Ü30-Single-Party teilnehmen (schlimm schlimm: brrrrr),

2) einem lieben Freund das Autofahren auf Feldwegen beibringen (auch sehr sehr schlimm: brrrr) und diesem

3) einen Mittelklasseneuwagen finanzieren (VW Golf V GTI silbermetallic: Automatik, Navi, Schiebedach, CD, PDC, Bordcomputer, Raucherpaket!, ...) *grübel* (na warum nicht ... wer ein solches Auto mag, soll ers putzen die nächsten 15 Jahre, höhö) ...

... ich rauch nicht bis 23:15 ;-) in echt nicht ... verschprochen!

Samstag, Mai 14, 2005

Wellen sterben sehn

Schon wieder Nordseedünen aufgesucht,
die Wolken ziehen und die Wellen sterben sehn.
Geregnet hat’s dort auch,
aber es war Teil des Ganzen.

Shakespeare war auch kurz da und lässt grüssen …

[Shakespeare Sonet LX]
“Like as the waves make towards the phebbled shore,
So do our minutes hasten to their end;
Each changing place with that which goes before,
In sequent toil all forwards to content …

Wie Wellen sterben an dem steingen Strand
So straucheln die Minuten unserer Lebenszeit
Die jeweils nächste kommt, besetzt den Platz der grad
verloren ging, so geht’s voran, mit Müh und Streit …“

„… bis 900 Jahre wirst aussehn Du nicht gut“ sagt Yoda, gewohnt Grammatik-schwach bei den Yedi-Rittern … keine PISA-Studie hat ihn bislang empirisch erfasst: wo ist mein Lichtschwert?

Die „Eismänner“ oder „gestrenge Herren“: „Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“: Zu den Eisheiligen zählen drei, in manchen Regionen fünf Namenstage von Heiligen im Mai – alle sind Bischöfe und Märtyrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert: (Mamertus - 11. Mai) + Pankratius - 12. Mai + Servatius - 13. Mai + Bonifatius - 14. Mai + (Sophie - 15. Mai). Die Annahme beruht auf jahrhundertealten Erfahrungen und Beobachtungen von Bauern. Bei den Datumsangaben ist allerdings zu berücksichtigen, dass mit der Einführung des gregorianischen Kalenders eine Verschiebung erfolgte: Die Eisheiligen finden nach altem Kalender eigentlich erst elf bis zwölf Tage später statt, also vom 23. bis 27. Mai, Gärtner, die nach der verschobenen Regel zu früh aussäen, laufen also durchaus Gefahr von Frostschäden am Saatgut oder Keimlingen …

Vor mir das Altherrengedeck und mir ist kalt ums Herz: Ein Kasten Bier, eine Flasche Aquavit Linie, eine Stange Gauloise blau mit dem Aufdruck „fumar puede matar“, ist schon fast ein halbes Jahr alt, ein „Souvernir“.

„Die Stärke eines Jedi fliesst aus der Macht ihm zu …“ sagt der sterbende Yoda, … wo ist mein Lichtschwert? Brauche ich eins?

Freitag, Mai 13, 2005

Rauchen vertreibt Gnome

„Der Tod ist das Ende aller Dinge des menschlichen Lebens, nur des Aberglaubens nicht“ schrieb schon Plutarch in der „Moralia“.

Ex-Raucher sind ja oftmals etwas dünnhäutiger aber müssen alle gleich Triskaidekaphobiker werden? Sicher, Napoleon führte keine Schlachten und Bismarck unterzeichnete keine Verträge an einem Dreizehnten. Dreizehn Personen beim letzten Abendmahl, der dreizehnte Monat in Babylon stand im Zeichen des Unglücks, die zwölf Götter in Walhalla wurden durch Loki gestört, die Dreizehn beim Tarot ist die Todeskarte, die dreizehnte Fee bei Dornröschen und der Volksmund weiss: „Dreizehn ist des Teufels Dutzend“.

Ist die Dreizehn eine Unglückszahl? In Japan ist die Unglückszahl die Vier. Das Wort dafür heißt „shi“ (Tod), daher findet man in ganz Japan kein Hotelzimmer und keinen Sitz im Flugzeug mit der Nummer 4. In Italien ist nicht Freitag der 13., sondern Freitag der 17. der Unglückstag: Die römischen Ziffern für 17, also XVII, lassen sich zu „vixi“ - lateinisch für „ich bin tot“ umstellen. Deshalb kann man in Italien auch keinen Renault 17 kaufen - das Auto heißt dort Renault 117.

Der Ausdruck „Zahlenmystik“ bezeichnet die Anschauung, dass den Zahlen eine bestimmte magische Bedeutung inne wohne. Heutzutage weithin als Aberglaube abgetan, schrieben ihr frühere Epochen die Anerkennung als Geistes-Wissenschaft zu. Teilweise lässt sich die Zahlenmystik der Alchemie zuordnen. Im Volksmund bekannt sind vor allem die 7 als Glückszahl (7 Weltwunder, Zahl der Geistesgaben, Arme am kultischen Leuchter, Schöpfung in 7 Tagen, 7 gute und 7 schlechte Jahre, 7 Fliegen auf einen Streich …) und die 13 als Unglückszahl (Zahl des Judas), insbesondere in Kombination mit einem Freitag. Zahlenmystik findet sich vor allem im Buch Daniel und in der Offenbarung des Johannes. Weitere Beispiele für biblische und jüdische Zahlenmystik: 2 und 3 sind „Gotteszahlen“, 4 ist die Zahl Christi (4 Evangelien), 6 (das Produkt zweier Gotteszahlen) ist die Teufelszahl, ebenso "666", die 12 steht für die Zahl der Stämme im Volk Israel, Zahl der kleinen Propheten, Zahl der Apostel Jesu und schliesslich die 40 als die Gotteszahl („40 Jahre“ steht in der Bibel für „eine recht lange Zeit“) ...

„Im Prinzip bin ich ja nicht abergläubisch, aber wenn wir heute Freitag den 13. hätten, käme ich doch lieber ein andermal wieder“ Alexander Sergejewitsch Puschkin.

In der Volksmedizin gilt Freitag der Dreizehnte aber auch für Arzneierfolg ... „Angang“ war früher der volkskundliche Fachausdruck für Vorzeichen, die als Willensäusserung übermenschlicher Mächte interpretiert wurden. Hier ein paar Beispiele für Unheil ankündigende Omen: Nach Einbruch der Nacht Asche ausleeren (die armen Raucher, die unschuldig und ahnungslos nachts ihren überquellenden Aschenbecher leeren), Salzverschütten, weisse Kohlblätter, Spinne am Morgen, Begegnung mit einem Kopflosen …

… ein kopfloses Gespenst flüchtet übrigens, wenn man es mit Wasser begiesst, muss gar kein Weihwasser sein: Dämonen lieben Dreck und Unrat, Wasser hassen sie …

Noch ein Abwehrzauber gefällig? Rauchen gefährdet zwar die Gesundheit, aber es vertreibt auch Gnome und Gespenster. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, was Sie jetzt noch retten könnte. Insbesondere der Zigarrenrauch ist hierfür optimal geeignet, aber auch bei Kräuterzigaretten konnte eine durchschlagende vertreibende Wirkung beobachtet werden.

Alle freilich mit Nikotinpflaster sind heute klar im Nachteil und müssen sich mit zahllosen Gnomen und Gespenstern balgen, es empfiehlt sich in einem solchen Fall unbedingt immer ein Eimerchen Weihwasser mit sich zu führen und dann kann es nur heissen: Möge die Macht mit uns sein …

Donnerstag, Mai 12, 2005

Eine Schweinewelt

Die Krönung könnte der heutige Tag werden: Heinrich von Sachsen wird als Heinrich I. 919 zum ostfränkischen König gewählt. Graf Balduin wird 1204 als Balduin I. zum ersten Kaiser des neuen lateinischen Kaiserreichs gekrönt und Kaiserin Maria Theresia wird 1743 zur böhmischen Königin gekrönt. Nachweisleich hat keines der hier aufgezählten gekrönten Häupter Nikotin geraucht, wenn das man kein Omen ist. Andererseits beginnt vor 65 Jahren der „Blitzkrieg“ gegen Frankreich, beendet vor 56 Jahren die Sowjetunion die elfmonatige Blockade Berlins und die Bundesrepublik Deutschland und Israel nehmen vor 40 Jahren diplomatische Beziehungen auf.

[Sonett II, William Shakespeare, übers.: Max Josef Wolff]

Wenn vierzig Winter deine Stirne drücken
Und tiefe Furchen deiner Schönheit ziehn,
Sinkt deiner Jugend Kleid, von allen Blicken
Bewundert heut, zerfetzt und wertlos hin.
Wird man dich dann nach deiner Schönheit fragen,
Wo all die Pracht der frohen Jugend sei?
In deinem eingesunknen Blick zu sagen,
Wär' größte Schmach und leere Prahlerei.
Ruhmreicher hättest Schönheit du verwendet,
Dürftest du sprechen: "Seht dies holde Kind,
Das mich entschuldigt, meine Rechnung endet,
Da sein als Erbe meine Reize sind."
Dann bliebst du jung selbst in den spätsten Tagen
Und fühltest warm dein kaltes Blut noch schlagen.

Ich fordere nachdrücklich (fast hätte ich "nachhaltig" geschrieben, mensch muss aber auch höllisch aufpassen) alle Zuständigen auf, sich zuständig zu fühlen biddeschön!Sonst beginne ich zu rauchen oder trinke den sauteuren Wein im Unverstand (das befürchte ich, wird eh passieren, wo soll jetzt plötzlich Verstand für mich herkommen?).

[Obacht: Suchtvärlagerunk!] …

Es ist aber andererseits auch ein durchaus bewährtes Mittel von mir, immer wenn es mir nicht so gut geht, Zombies und andere Halbwesen zu identifizieren die mich auf Knien um mein tristes Dasein beneiden. Beispiel gefällig? Harry Wijnvoord, geboren am 12. Mai 1949 in Den Haag, zeigt wie ein tadelloser Abstieg durchgezogen werden kann: Nach der Moderation der Sendung „Der Preis ist heiß“ kam „Stars gegen Stars“, dann eine Kochsendung bei tm3. Vorläufiger Tiefpunkt war seine Teilnahme bei der RTL-Dschungel-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Zurzeit arbeitet er als Pferde-Auktionator. Ich entschuldige mich ja nachdrücklich dafür, dass ich mich an so was aufbaue … ähem, aber es hilft halt mächtig.

Eine Schweinewelt ist das … es ist zum rauchen …

Mittwoch, Mai 11, 2005

Eine Frage

"Es lohnt sich immer, eine Frage zu stellen, wenn es sich auch nicht immer lohnt, eine Frage zu beantworten."
Oscar Wilde

Dienstag, Mai 10, 2005

Die Wollust

Christian Hofmann von Hofmannswaldau:

Die Wollust bleibet doch der Zucker dieser Zeit
Was kan uns mehr
denn sie
den Lebenslauf versüssen?
Sie lässet trinckbar Gold in unsre Kehle fliessen
Und öffnet uns den Schatz beperlter Liebligkeit;
In Tuberosen kan sie Schnee und Eiß verkehren
Und durch das gantze Jahr
die FrühlingsZeit gewehren.

Sonntag, Mai 08, 2005

Ich bin nur Flamme

Der Reichstag zu Worms beschliesst am 8. Mai 1521 die Verhängung der Reichsacht über Martin Luther und auch der französische Schriftsteller Gustave Flaubert stirbt am 8. Mai 1880. Mit Inkrafttreten der am Vortag unterzeichneten Kapitulation Deutschlands endet der Zweite Weltkrieg in Europa im Jahre 1945. Der Jazz-Pianist Keith Jarrett wird 1945 geboren. Die WHO erklärt die Pocken 1980 für weltweit ausgerottet und empfiehlt die Einstellung der entsprechenden Schutzimpfung.


Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand.
Durch meiner Seele enge Mulden schießt die Zeit
Wie dunkles Wasser, heftig, rasch und unerkannt.
Auf meinem Leibe brennt das Mal: Vergänglichkeit.
Du aber bist der Spiegel, über dessen Rund
Die großen Bäche alles Lebens geh'n,
Und hinter dessen quellend gold'nem Grund
Die toten Dinge schimmernd aufersteh'n.
Mein Bestes glüht und lischt - ein irrer Stern,
Der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt-
Doch deiner Tage Bild ist hoch und fern,
Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt.

[Ernst Stadler 1911, Anrede]

Samstag, Mai 07, 2005

nichts sagend

Ausdauer haben wird heute einfach nicht belohnt - aber ausführlich nichts sagen ist auch nicht ganz einfach.

Dank dafür an Grete.

Hoffnung

Peter Hille, gestorben am 7.5.1904 in Berlin:
[An die Hoffnung]

Als geschwunden der kindische Wahn,
Es würde sich klären
Das Chaos, die Träume,
Sich klären zur Dichtung,
Werden zur Wahrheit
Als gewichen der Wahn,
Wie stand ich verzweifelt,
Starrte ins Leere,
In trostlose Nacht!
Sollte mein Auge
Geworfen nur haben
Den Unglücksblick
Ins Strahlenmeer der heiligen Dichtung,
Daß ich wanke
Ins Dunkel,
Wanke ins graue
Leben des Alltags?
Tiefe, traurig-tiefe Nacht!
Da seh ich ein Licht,
Ein schwaches schwankendes Licht,
Es wird größer, wird heller. –
Verschwunden ists. –
Da leuchtet es wieder,
Größer und größer,
Ich sehe den Stern,
Der tröstend mir winkt.
Sehe beleuchtet von ihm
Deine rostigen Finger,
Dein holdes Gesicht,
O du meine Hoffnung!
Es lichtet schon mehr sich und mehr
Das trübe Dunkel.
Entgegen schon seh ich mir schimmern
Den Himmel des Ruhmes,
An deiner Hand
Erreich ich ihn bald.
Glück nur und Dank und strebender Eifer
Schwellt die freudige Seele,
Noch eben umnachtet!
Dank dir, innigster Dank
Dir, Trösterin Hoffnung.

Arschleder sauberhalten!

Die Bergleut sein kreuzbrave Leut" denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht und saufen Schnaps, und saufen Schnaps [aus Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt]

Freitag, Mai 06, 2005

BIM BAM BUM

„Wie singt im nahen Röhricht die Unke gar so töricht!“ fragt uns heute morgen Christian Morgenstern. Der deutsche Dichter und Schriftsteller wurde am 6. Mai 1871 in München geboren. Morgensterns Gedichte bieten viel Lesevergnügen. Besonders in der Gedichtsammlung Galgenlieder entfaltet Morgenstern seinen liebenswürdigen, aber auch scharfsinnigen Sprachwitz. [Bim, Bam, Bum in Galgenlieder, 1905:]

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als hätt' er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel.
Er sucht die Glockontönin BIM,
die ihm vorausgeflogen;
d. h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nämlich betrogen.
"O komm" so ruft er, "komm, dein BAM
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!"
Doch BIM, daß ihr's nur alle wißt,
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben.
Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
wohl über Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.

Und auch Hanns Dieter Hüsch, dem meist ausgezeichneten deutschen Solokabarettist, ist zu gratulieren: Vor 80 Jahren wurde er in Moers geboren. Danke dafür:

„Ich erzähle von mir, meiner Frau, von meinem Gegenüber, von der Welt und meinem Hund, von uns allen, von Euch, von den Alten, den jungen, den Verlierern und Gewinnern, von den Vorurteilen und den Nachreden: Meine Geschichten, die auch Eure oder Ihre Geschichten sein können, denn wir sind alle Säugetiere und mit Haut und Haaren, Leib und Seele verwandt. Und davon zu erzählen, war schon immer meine Lieblingsbeschäftigung.“

... also was soll ich noch sagen? Ich muss eh los und erst mal nicht rauchen ...

Donnerstag, Mai 05, 2005

Liebe: Auch so ein Problem

Die wahren Lebenskünstler sind ja bereits glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind. Falls Sie also heute versucht haben heute, am 05.05.05, einen Standesamtstermin zu bekommen um Ihren Ex-Rauchstatus ins Familienbuch eintragen zu lassen und es hat – wie schon bei den WM-Tickets – nicht geklappt, sollten Sie nicht gleich in die Luft gehen und sich das mit dem HB-rauchen auch noch mal überlegen, denn in 14 Tagen gibt es ein fast noch schöneres Datum: Den 20.05.2005 …

Schweizerdeutsch „Auffahrt“ finde ich ja irgendwie witziger, als das hierzulande verwendete „Christi Himmelfahrt“. Bezeichnet wird damit die Rückkehr des Jesus von Nazareth zu seinem Vater im Himmel. Das christliches Hochfest ist seit 370 bezeugt. Gemäß den lukanischen Texten ist der Termin vierzig Tage nach Ostern, also der Donnerstag nach dem 5. Sonntag nach Ostern bzw. zehn Tage vor Pfingsten. Im katholischen barocken Brauchtum, das in einigen Gegenden noch geübt wird, wurde die Statue des Auferstanden an Christi Himmelfahrt durch das Heiliggeistloch auf den Kirchenspeicher gezogen. Im ausserkirchlichen Bereich entwickelte sich der Feiertag zum Vatertag ...

… in Ostdeutschland auch als Männertag oder Herrentag bezeichnet geht auf mittelalterliche Traditionen zurück: Es fanden Umzüge statt, um Gott, den Vater zu ehren. Aus der Tradition der „Apostelgänge“ sind dann die „Herrenpartien“ entstanden. Der Tag ist in vor allem in ländlichen Gegenden gekennzeichnet durch die so genannte Herrenpartie, die auf heidnische Flurbegehungen zurückgeführt wird. Auf Kremserwagen (Kutschen), mit Bollerwagen, mit Fahrädern oder auch traktorgezogenen Anhängern ziehen die „Herren“ (der Schöpfung) hinaus ins Grüne und kehren mehr oder weniger alkoholisiert am Abend nach Hause zurück - oder aber erst am nächsten Morgen ... Das kenn ich auch aus meiner Jugend und der Traktorfahrer war natürlich der geleimte …

„Was aber ist denn dies mein Selbst?
Wollte ich von einem ersten Augenblick sprechen,
einem ersten Ausdruck dafür, so ist meine Antwort:
es ist das Abstrakteste von allem, das doch in sich
zugleich das Konkreteste von allem ist -
es ist die Freiheit.“

[Sören Kierkegaard, Entweder – Oder]

Søren Aabye Kierkegaard, geboren am 5. Mai 1813 in Kopenhagen, Philosoph, Theologe, Psychologe oder Schriftsteller? Der unterdrückte Sohn eines neurotischen Vaters, der treulose Verführer, Fanatiker des Glaubens, pseudonymer Versteckspieler? Ohne Zweifel ist Kierkegaard eine schillernde Figur und sträubt sich gegen jegliche Kategorisierung.

Kierkegaards Denken zu beschreiben, ist problematisch. Denn was er zur Geltung bringen wollte, war gerade, dass Wahrheit nicht in Sätzen gelehrt werden könne, sondern eine Bewegung des Menschen in der Zeit sei. In diesen Zusammenhang gehören seine Kategorien „Augenblick“, „Wiederholung“ und „Sprung“ sowie sein pseudonymer, provokanter und paradoxer Stil.

Als Ex-Raucher und Avantgarde der Freien und Unabhängigen sollten wir gleich noch einen Geburtstag erinnern:

„In der Sowjetunion und in der DDR wurde der großangelegte Versuch unternommen, Marx zu widerlegen. Der Versuch ist gescheitert.“ So Heiner Müller zum am 5. Mai 1818 in Trier geborenen Karl Heinrich Marx, Philosoph, Kritiker der bürgerlichen Ökonomie und politischer Journalist. Die wenigsten haben sein Werk gelesen, das mit der wichtigsten Sekundärliteratur rund zehn Meter lang ist. Und dennoch wurde im Jahr 2003 Marx in einer ZDF - Reihe „Unsere Besten“ nach Konrad Adenauer und Martin Luther auf den dritten Platz gewählt. Ein bisschen Religionskritik gefällig?

"...die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes."

Allerdings hat schon Jean Anouilh, französischer Dramatiker, erkannt, dass auch Marx nicht alle Hausaufgaben erledigte: „Liebe: Auch so ein Problem, das Marx nicht gelöst hat.“

Mittwoch, Mai 04, 2005

Sisyphos

Heute vor 51 Jahren stellt das sehr mutige Städtchen Duisburg als erste deutsche Stadt Parkuhren auf und zur Strafe stürzte auf den Tag vier Jahre später - nach 1.400 Erdumkreisungen - Sputnik, der erste künstliche Erdsatellit, ab. Er traf aber nicht das sehr mutige Städtchen, sondern verglühte (rauchend!) in den dichteren Schichten der Erdatmosphäre ... aufatmen, liebe Duisburger Ex-Raucher.

„Ich hätte Fussballer bleiben sollen ...“ erinnert sich der heute vor 55 Jahren gestorbene Albert Camus an seine Torwartzeit beim - allerdings notorisch erfolglosen - algerischen Fussballverein FC Oran. Im Gegensatz zu Oliver Kahn hat Albert Camus, französischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, die Gedanken des Existenzialismus entwickelt: am Beispiel des „absurden Menschen“. Er illustriert dessen Glücklichsein am Beispiel der mythologisches Figur des Sisyphos, der von den Göttern dazu verdammt wurde, bis zu seinem Tod einen Stein auf einen Berg zu wälzen. „Der Mythos des Sisyphos“ hilft mir X+46 Ex sehr die widerkehrenden Anfeindungen zu überstehen, in ihnen gar einen Sinn zu sehen - ich bin den Rest meines Lebens ein Ex-Raucher, der einen Stein auf einen Berg wälzen wird:

„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein.“ (Der Mythos des Sisyphos, 2. Aufl., Reinbeck bei Hamburg, 2001. S. 159f.)

Eine Verbeugung vor Menschen mit Rückgrad: Albert Camus war Mitglied der französischen Résistance und damit wesensverwandt mit Johann Georg Elser, geboren vor 102 Jahren, deutscher Antifaschist und Widerstandskämpfer dessen Attentat fehlschlug und der im KZ Dachau ermordet wurde.

Hörtipp gegen die Schmachtattakte heute: Der Song „Killing An Arab“ von The Cure (auf „Boys Don't Cry“, 1980) basiert auf dem Buch „Der Fremde“ von Camus in dem die Ermordung eines Arabers und die Gleichgültigkeit ob dieser Tat geschildert wird. Vielleicht heute mal reinhören, liebe auch heute nicht-rauchenden und nicht weinenden boyz und girlz?

Die aggressiveren unter uns Ex können ja heute vielleicht einmal mit dem Leihwagen ein paar Parkuhren plattmachen? Wer Hinweise braucht wo, also in Bonn wüsste ich da die eine oder andere ...

Alte Kottenforster Bauernregel: Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.

Montag, Mai 02, 2005

Ein köstlich Ding

„Das Leben soll kein uns gegebener, sondern ein von uns gemachter Roman sein“ fordert Novalis, Begründer der Frühromantik mit bürgerlichem Namen Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, am 2. Mai 1772 in Oberwiederstedt geboren.

Ein von uns gemachter Roman? Die Hudson Bay Company könnte man heute gründen, ist aber am 2. Mai 1670 schon geschehen, den Zionismus könnte man mal eben entwerfen, wenn’s nicht der am 2. Mai 1860 in Budapest geborene Theodor Herzl schon getan hätte und 123 Asteroiden könnte man nebenbei entdecken, wenn die nicht schon vom am 2. Mai 1925 gestorbenen Astronom Johann Palisa entdeckt worden wären. Bleibt also nur noch die Kapitulation, aber auch die wurde 1945 in Berlin schon an einem 2. Mai verkündet ...

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

[Novalis: Über den Menschen, 1797, aus Hymnen an die Nacht]

Ich schreibe an einem Roman in dem der Titelheld seit 164 Tagen nicht mehr raucht. Ich schreibe ungeduldig, ich kann nicht warten, ich habe das Gefühl der Roman schreibt sich selbst, will – zumindest teilweise – nicht so geschrieben werden, wie ich das will. Ich möchte zu den letzten Seiten des Buches blättern, aber die sind ja noch nicht geschrieben.

„Es ist nichts schwerer,“ so Novalis, „als mit sich selbst Geduld haben - seine eigene Schwachheit zu tragen“ und auch wenn in Klagelieder 3,21 ausgeführt wird: „Es ist ein köstlich Ding, geduldig zu sein“ taucht in fast jedem FAZ-Fragebogen „Ungeduld“ als die am häufigsten zugegebene Schwäche auf. Natürlich bin ich ungeduldig ...

Das Wort Geduld (altertümlich „Langmut“) bezeichnet die Fähigkeit, warten zu können. Oft gilt Geduld als eine Tugend. Als geduldig erweist sich, wer bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben, ohne die Hoffnung aufzugeben. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten und Leiden mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt.

Nach 164 rauchfreien Tagen kann ich sehr ungeduldig mit mir sein, wenn ich noch immer an Zigaretten denke, wenn noch nicht alle Gewohnheiten aufgelöst sind. Sicher, solches Verhalten wurde jahrzehntelang eingeübt und das Nicht-Rauchen ist noch kein halbes Jahr alt. Meine Gelassenheit und Standhaftigkeit hat immer gereicht, aber wie lange noch? Novalis töstet: „Mensch werden ist eine Kunst.“

Für seinen Kollegen der Neuzeit Gottfried Benn, geboren am 2. Mai 1886 in Mansfeld, Brandenburg ist das Leben „Brückenschlagen über Ströme, die vergehn.“ ... und weil ich oben so viel Tugendhaftes verbreitet habe, sollte es nun doch ein wenig unzüchtig zugehen. Schockieren kann Mensch heute ja eh nicht mehr, aber den Tanz in den Mai skizzieren und immerhin wird ja gar nicht geraucht ...

Ball. Hurenkreuzzug. Syphilisquadrille.
Eiert die Hirne ab, die Sackluden!
Mit diesen meinen Zähnen: zerrissen, zerbissen
Hundebregen, Männer-, Groß- und Kleinhirne:
selbst ihre Syntax klappert nach der Scheide.
Mich bauern Dorfglücke an: Kausaltriebe,
Ölzweige, stetige Koordinaten -:
Heran zu mir, ihr Heerschar der Verfluchten,
schakalt mir nach den eingegrabenen Samen:
Entlockung! Schleuderhonig! Keimverderb!
Ihr Stallverrecken, Misthaufen-Augenbruch,
Verweste Blasen, Veilchenfrau-Verhungern,
ihr brandiges Geblüte - Kanalfischer,
heringsfängert ans Land
die Hodenquallen!
Finale! Huren! Grünspan der Gestirne!
Verkäst die Herrn! Speit Beulen in die Knochen!
Rast, salometert bleiche Täuferstirnen!

[Benn: Ball, 1917, Ausgewählte Gedichte]

Jede und jeder baue heute an der Brücke ...

Sonntag, Mai 01, 2005

Jo Mai

Leichte Silberwolken schweben
durch die erst erwärmten Lüfte.
Mild, von Schimmer sanft umgeben
blickt die Sonne durch die Düfte.

Johann Wolfgang von Goethe darf heute mal mit seinem „Mai“ eröffnen. „Den Mai muß man nehmen, wann er kommt, und käme er zu Weihnachten“ ein deutsches Sprichwort ebenso wie „der Mai ist der Mozart unter den Monaten“. Der Mai ist wahrscheinlich nach der Göttin Maia benannt. Nach anderen Quellen leitet er sich von Jupiter Maius ab, dem Wachstum bringenden Jupiter. Karl der Große führte im 8. Jahrhundert den Namen „Wonnemond“ ein, der auf die warmen Temperaturen und die wiedererwachte Vegetation hinweist.

„Die Zeit wird kommen, wo unser Schweigen stärker ist, als die Stimmen, die Sie heute erdrosseln“ sagte August Spione, durch Richter Joseph Gary verurteilt zum Tod durch Erhängen, trotz eines eklatanten Mangels an Beweisen. Als „Haymarket Riot“ ist das Ereignis in die Geschichte gegangen und Grund für die weltweiten Feiern: Am 1. Mai 1886 organisierten Arbeiterverbände einen Streik für einen acht Stunden Arbeitstag in Chicago, Illinois und jemand warf eine Bombe, die zwölf Menschen tötete.

Die Bezeichnung „Blumenmond“ hat der Mai wegen der Hauptblütezeit der meisten Pflanzen erhalten. Ach und beim Stichwort „Blumen“ hilft auch der grosse Shakespeare aus: „Männer sind Mai, wenn sie freien, und Dezember in der Ehe.“

Sie rauchte, trank, kaute Tabak und fluchte: Calamity Jane, geboren am 1. Mai 1852 in Princeton, Missouri, wusste sich unter den Männern des Wilden Westens Respekt zu verschaffen. Von 1867 an reiste sie in Männerkleidern durch die westlichen US-Bundesstaaten und ging Gelegenheitsjobs nach. Sie war Postkutschenfahrerin, Saloondame, Krankenschwester, Goldgräberin und Scout für General Custers.

Der Mai heisst auch „Weidemond“, weil in diesem Monat das Vieh auf die Weide gebracht wird (im Siebengebirge beginnt der Almauftrieb). Nach alter Überlieferung darf man sich aber der Wärme erst nach den so genannten Eisheiligen sicher sein. Mmmh und das Wetter? „Ein windiger März und ein regnerischer April machen einen schönen Mai.“ Und andererseits: „Wie's im April und Mai war, so schließt man aufs Wetter im ganzen Jahr“. Ambivalent irgendwie …

Im katholischen Kirchenjahr ist der Mai besonders der Verehrung der Gottesmutter Maria gewidmet (Maiandachten), weshalb er in diesem Umfeld auch als „Marienmond“ bezeichnet wird.

„Der Mai lockt ins Frei’ weiss der Volksmund aber 1844 kommt es anders am 1. Mai in München: Die Bierpreiserhöhung von fast 30% von 5 auf 6,5 Kreuzer brachte Soldaten und Arbeiter in Rage und schwere Ausschreitungen waren die Folge. Ende April wurden jedes Jahr die Sommerbierpreise angeschlagen und das Sommerbier war in der Produktion teurer als das Winterbier; ein Arbeiter verdiente damals rund 40 Kreuzer am Tag. Na heutzutage machen die weizenbiertrunkenen Bayern nur noch Autohupkorsos durch die Münchner Innerstadt um die dusselige Meisterschaft zu feiern. Aber mal unter uns: Wo waren denn die Raucheraufstände bei der Tabaksteuererhöhung?

Im neuen Jahr ein neues Hoffen, die Erde wird noch immer grün;
auch dieser März bringt Lerchenlieder,
auch dieser Mai bringt Rosen wieder,
auch dieses Jahr lässt Freuden blühn.
[Karl Gerok]

Und während der Bayer ganzjährig des schönsten Monats gedenkt, indem er sagt: „Jo Mai“, haben wir immer noch Johann Christoph Friedrich von Schiller-Jahr 2005: „Der Mai des Lebens blüht nur einmal und dann nimmer mehr“. Aber, aber, wer wird denn gleich verzagen: Der Mai ist ein so wunderbarer Monat; man kann kaum glauben, dass er Montage hat … hat er wirklich welche?