Montag, Februar 28, 2005

Rauchfreie Kneipe

Heute im Kölner Stadtanzeiger gelesen und für alle, die gerne in rauchfreie Kneipe gehen möchten, hier die erste Adresse in Köln.
Tischreservieren sind insbesondere abends nicht nötig ...

Unwissenheit

„Die menschliche Unwissenheit ist nach meiner Meinung das Zuverlässigste, was man in der Schule der Welt lernen kann.“ rettet Michel Eyquem de Montaigne, Philosoph und Begründer der Essayistik, geboren am 28. Februar 1533 auf Schloss Montaigne in der Dordogne, die Situation.

Was bisher geschah

Die 28. Februare waren ja bislang auch nicht ohne: Erstmals dürfen Frauen sich zum Hochschulstudium einschreiben. Gilt nicht in ganz Deutschland sondern vorerst nur im Herzogtum Baden (1900). Bertolt Brecht und Helene Weigel gehen ins Exil nach Prag (1933 ). Im Labor von Wallace Hume Carothers wird das Nylon erfunden (1935) und James Watson und Francis Crick enträtseln 1953 die Struktur der Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA). Massendemonstrationen gegen den Bau des Atomkraftwerks Brokdorf (1981). Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme wird in Stockholm ermordet (1986) und Erste Kampfeinsätze der NATO im Balkankonflikt (1994). Letzter Tag, an dem die Deutsche Mark von Handel und Banken nach Einführung des Euro-Bargeldes angenommen wird (2002).

Byron

Also erst mal innehalten und nachdenken. Eine schönere Überleitung zum Hörtipp gegen alle Schmacht findet keiner daher: „Stop (think what you're doing)“ von dem „Take No Prisoners“-Album von David Byron (Repertoire Label 1975) ist heutiger Ohrschmeichler. David Garrick, bekannt unter seinem Künstlernamen „David Byron“ starb am 28. Februar 1985. Byron wurde bekannt als Sänger und Frontman der Rockband Uriah Heep, die er 1970 zusammen mit Mick Box, Paul Newton und Alex Napier gründete. Byron starb mit 38 Jahren an den Folgen der immer stärker werdenden Alkoholsucht.

Das Wetter

Bessere Aussichten folgen, zumindest wenn es nach dem Wetterbericht von Romanus von Condat geht. Romanus, geboren um 400 in Burgund und gestorben 463 oder 464 in Condat, gründete zusammen mit seinem Bruder Lupicinus das Kloster Condat in Burgund, dessen erster Abt er war. Die Bauernregel verspricht: „St. Roman hell und klar, bedeutet ein gutes Jahr“.

Sonntag, Februar 27, 2005

Kein Wunder also ...

Am Abend geschieht das Unglaubliche: Der Mann neben mir an der ZAP-Theke, trinkt mehrere Bier und raucht dabei nicht. Erst denke ich noch, dass es sich hier um eine Art Madonnenerscheinung handelt und frage mich grade, ob ich einen mir persönlich bekannten Benediktiner aus Maria Laach herbeizitieren soll, damit das Mysterium verbindlich in den Kirchenbüchern fixiert wird ...

... bevor ich noch das Telefon finde spricht die ‚Erscheinung’ mich an: „Midlifecrisis“ hätte er seit zwei Tagen und wüsste weder ein noch aus. Wozu am Montag zur Arbeit gehen? Wozu Karriere machen und sich bemühen eine Familie zu gründen? Er ist nicht hoffnungslos betrunken, daher entgegne ich mit „Humbuck“ ungewohnt schroff: „Midlifecrisis kommt bei Typen erst um die 40. Alles davor ist ne gewöhnliche Thirtysomething-Kriselei, Sinnsuche allemal und n bisschen Alltagsfrust ohne die Unbeschwertheit eines Twen“ weise ich den rund Zehnjahre jüngeren Mittrinker in seine Schranken.

Etwas mitleidig zitiere ich noch redegewandt Anton Pawlowitsch Tschechow, russischer Erzähler und Dramatiker: „Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag“ und will gerade auf meine Alltagssorgen mit widrigen Rechenmaschinen zu sprechen kommen als mein Gegenüber leidgeprüft abwinkt und ... sich bei seinem Nachbar links eine Zigarette schnorrt. Kein Wunder also ...

A prospos Männerkrisen ... vor mir liegt seit gestern der Wettgewinn für 100 rauchfreie Tage: Eine Kiste Romeo and Juliett ... was tun?

Zuhause angekommen, blättere ich noch bei Rose von der Au, um das zu finden: „Im Moment habe ich das Gefühl als ob alle Männer, gleich welchen Alters sie sind, entweder pubertär sind oder in der Midlifecrisis, es muss doch noch Männer geben die ‚normal’ sind.“ Klar, das konnte nicht gut gehen: Mein Gesprächspartner in der Mittekrise und ich am Pubertieren ... ich schau besser noch mal nach meiner hübsche Kiste ...

Samstag, Februar 26, 2005

Träumen ...

„Denken ist die Arbeit des Intellekts, Träumen sein Vergnügen.“ (aus Die Elenden - Les Misérables 1862). Victor Hugo wurde am 26. Februar 1802 in Besançon geboren.

Freitag, Februar 25, 2005

Vorsicht Landbesitzer!

Ich bin vorsichtig und alle Ex-Raucher sollten heute mal besser Ihre Ländereien zusammenhalten. An so einem 25. Februar kann schon mal was verloren gehen: 1489 wird Monaco formell durch den französischen König anerkannt und 1944 wird die Personalunion von Island mit Dänemark aufgelöst und Island damit selbständig.

Die Rache!

Andererseits exkommuniziert der Papst Pius V. vor 435 Jahren Elizabeth I. von England, auch bekannt unter dem Namen „die jungfräuliche Königin“ (Virgin Queen), eine englische Königin aus der Tudor-Dynastie die zu einem gemäßigten Protestantismus neigt. Das war eine Retourkutsche um mal das Wort „Rache“ auszulassen, da die Jungfräuliche die dem Katholizismus verbundene Maria Stuart einkerkern und schliesslich enthaupten liess.

„Die Rache ist mein; ich will vergelten, redet der Herr“ in Römer 12.19 und mit dem Zitat von Manfred Hinrich „Die Organe sind nicht christlich, sie üben Rache“ zerstreuen meine Ärzte heute eine beachtliche Menge meiner Zuversicht ... Wie soll ich mir diese Rache vorstellen? Welcher Ex-Raucher träumt denn nicht von Rache aber dass ausgerechnet sein Körper sich an ihm rächt? In Dantes „Die Göttliche Komödie“ spielen SIE eine zentrale Rolle... als Dante sich im Neunten Gesang des Inferno der unteren Hölle nähert:

„Bluttriefend beeinander, hoch erhoben,
An Wuchs und Haltung Weibern gleich, so standen
Die höllischen drei Furien stracks dort oben.
Giftgrüne Hydern ihre Gürtel banden,
Als Haupthaar Nattern sich den Unholdinnen
Und Vipern um die Schläfen dräuend wanden.“

Bei Homer und in der späteren griechischen Mythologie stellten die Erinyen Rachegöttinen bzw. Schutzgöttinnen der sittlichen Ordnung dar. Zu furchtbaren Werkzeuge der Rache wurden sie insbesondere, wenn es zu Mord, zu Verbrechen an Eltern oder älteren Menschen, zu Meineid, aber auch, wenn es zu Verletzungen der geheiligten Bräuche gekommen war.

Nach Hesiod wurden die Erinyen von Gaia geboren, nachdem diese die Blutstropfen des von Kronos entmannten Uranos aufgenommen hatte. Damit sind sie Geschwister der Giganten und melischen Eschennymphen. Nach anderen Erzählungen hingegen waren sie Töchter der Nacht (Nyx) oder aber auch Töchter der Gaia und des Skotos, der „Dunkelheit“. Den Orphikern galten Hades und Persephone als Eltern der Erinyen.

In „Die Eumeniden“ des Aischylos (ca. 525-456 v.Chr.), einer Tragödientrilogie zu der außerdem noch Agamemnon und Die Coephoren gehören, spielen die Erinyen als Rachegöttinen der Unterwelt eine wichtige Rolle. Auch in John Miltons Epos „Paradise Lost“ begegnen uns die Erinyen als "harpyienfüßige Furien" wieder.

Johann Christoph Friedrich von Schiller gibt mir im immer noch Schillerjahr 2005 einen wichtigen Hinweis: „Vergeben und Vergessen ist die Rache des kleinen Mannes.“ Dann will ich den Organen mal vergeben und vergessen, kommt schon vertragen wir uns wieder ...

Emir Dschabir Dschaber al-Ahmad al-Dschaber as-Sabah

Heute ist im übrigen auch Nationalfeiertag in Kuwait. Ich habe dem Emir Dschabir Dschaber al-Ahmad al-Dschaber as-Sabah schon heftig gratuliert und versprochen die Tage auf eine Wasserpfeife vorbeizukommen. Rufen Sie doch auch mal an zum Gratulieren und falls besetzt ist, hinterlassen Sie doch wenigstens beim Premierminister Sabah al-Ahmad al-Dschaber as-Sabah eine kurze Nachricht ... heisst ja fast gleich ...

Donnerstag, Februar 24, 2005

Endlich: Vegetarische Schinkenpizza ...

Im Nachgang zum „Kartoffelmörder“ erreicht mich noch eine tolle Nachricht für alle Vegetarier: Endlich gibt es die vegetarische Schinkenpizza . Vegetarier können aufatmen ...
Wie AP meldet, befinden sich auf in Deutschland verkaufter Pizza „oft minderwertige Schinkenimitate“. Ein Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums bestätigte einen Bericht, wonach die Qualität dieser Pizzagrundstoffe seit 1993 stetig auf sehr niedriges Niveau gesunken ist ... da halte ich mich doch lieber am Futter meiner Katze schadlos: Die whiskas-Serie „Leichtes Leckeres mit zartem Kalb“ hat jetzt auch 40% weniger Fett ...

In der Vorhölle

Heute vor 29 Jahren wird in der gesamten Bundesrepublik Pier Paolo Pasolinis Film „Salò“ als „Pornografie“ beschlagnahmt. Der Film gilt bis heute als eines der umstrittensten Werke der Filmgeschichte. In Deutschland kam erst 2003 eine ungekürzte Fassung in die Kinos. In der Erzählstruktur lehnte sich Pasolini an Dantes Inferno an: Der Film ist in vier Segmente geteilt, von denen aus Parallelen zur Vorhölle, aus der Göttlichen Komödie gezogen werden können.

1. Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.

2. Wie schwer ist´s doch, von diesem Wald zu sagen,
Wie wild, rauh, dicht er war, voll Angst und Not,
Schon der Gedank´ erneuert noch mein Zagen.

3. Nur wenig bitterer ist selbst der Tod,
Doch um vom Heil, das ich drin fand, zu kuenden,
Sag´ ich, was sonst sich dort den Blicken bot.

Das ist freilich noch der Weg zur Vorhölle (Dante - Goettliche Komoedie: Inferno 1. Gesang) aber allen Ex-Rauchern sei glaubhaft vermittelt, dass der Weg zunächst zum Inferno (Hölle) dann schnurgerade ins Purgatorio (Fegefeuer) geht um schliesslich aber im Paradiso anzulangen ... ist doch schön der Zielbahnhof ... oder? Und wenn Mensch den Fahrplan kennt, heisst’s einfach stur durchhalten bei den ungemütlichen Zwischenstationen ...

Rauchträume

Hatten Sie schon wieder Rauchträume? Sind Sie ruhelos oder gar unzufrieden? Wir reden über Traumdeutung - hier eine Handvoll Ratschläge: „Selbst rauchen kündigt Ruhelosigkeit, Unzufriedenheit mit sich selbst oder mit der Welt an.“ Rauchen Sie, wo es verboten ist, „wollen Sie in einer Sache mit dem Kopf durch die Wand, Sie werden sich aber böse Beulen holen.“ Sind Sie im Wachleben Nichtraucher und sehen Raucher, „bedeutet dies eine Belästigung durch andere.“ Bieten Sie Zigaretten oder ähnliches an, „können Sie jemanden für sich zu gewinnen, dessen innere Hemmungen einer Verbindung bisher im Wege standen.“ Bekommen Sie Rauchware angeboten, „werden Sie in den Bann eines Menschen geraten.“ Und schliesslich der Klassiker ...

„Die Zigarette bringt als Phallussymbol lediglich sehr primitive sexuelle Bedürfnisse zum Ausdruck. Sie kann aber auch den Wunsch nach einem väterlichen Freund und Beschützer symbolisieren.“ Schauen Sie doch mal ins Onlinelexikon für Traumdeutung ... ganz apart und alles so schön eindimensional und unkompliziert als wär’s ein Schwank aus dem richtigen Leben.

Am Ende kann dann auch schon mal alles und auch das Gegenteil irgendwie richtig sein: „Rauchen kann auch Sorglosigkeit und gutes Auskommen bedeuten.“ Und als Steigerung „Sich rauchen sehen ist glückbringend.“ Probieren Sie ruhig auch mal „Frosch“-Träume, den „Wurm“-Traum oder dergleichen aus um das Gesagte im rechten Licht zu sehen. „Der Humor ist ein Mittel, um die Lust trotz der sie störendenden peinlichen Affekte zu gewinnen“ wusste schon Siegmund Freud, vielleicht buchen wir die Onlinedeutung hierunter ... „peinliche Affekte“ hab ich mir jetzt aber gemerkt, toller Begriff.

Teasing the Blues

John Len Chatman starb am 24. Februar 1988 in Paris. Als Memphis Slim war er einer der erfolgreichsten Bluessänger und –pianisten und wurde 1989 in die Hall of Fame des Blues aufgenommen. Heute gibt es daher “Teasing The Blues” auf die Ohren vom „Album Raining The Blues“ (1973, Fantasy Label) und das bitte nicht zu knapp ...

Mittwoch, Februar 23, 2005

Kartoffelmörder

Es versteht sich sich ja von selbst, dass Vegetarier Mörder sind. Wer es partout nicht glauben mag, sollte sich mal schnell diesen link zu Gemüte führen. Dort wird aus radikal-veganer Sicht genau beschrieben, dass eben auch Vegetarier auf Seiten der Tierausbeuter stehen und zu jenen gehören, „die Tiere gefangenhalten, misshandeln und umbringen, um Teile ihrer Körpers, ihre Menstruationsprodukte oder Drüsensekrete zu konsumieren“. Gut, dass hier so rückhaltslos aufgeklärt wird!

Doch leider existiert ein Unrecht auf dieser Welt, für das sich bisher kaum einer interessiert. Dabei findet täglich allein in unserer Welt ein Massenmord unermesslichen Ausmasses statt. Und sogar im ganz privaten Bereich ist Gewalt längst alltäglich, ja, in unseren Küchen wird gefoltert, dass sich die Balken biegen. Und seit ich aufgehört habe zu rauchen, tue ich das sogar immer häufiger!

Aufklärung tut not. Umso wichtiger ist da eine Gruppe, die das Schweigen endlich durchbrochen hat, um mit mutigen Aktionen und einer höchst informativen Webseite auf eines der grössten und ältesten Verbrechen der Menschheitsgeschichte hinzuweisen; und zwar auf die Folter, das Töten, die Erniedrigung und das Essen unschuldigen Gemüses und genauso unschuldiger Früchte. Genau dagegen hat die militante Gemüserechtsbewegung „Vegetable Rights Militant Movement“ (VRMM) nun ihr trotziges Haupt erhoben.

Und ihre Anhänger kämpfen für das Recht des Gemüses, in dem sie sich an mörderische Dresch- und Mähmaschinen anketten oder Sit-ins an dem Gemüsemassengrab eines Supermarkts veranstalten.

Gleichzeitig hat die VRMM auf ihrer Netzseite aber auch Fotos veröffentlicht, die die Grausamkeiten der Gemüsemörder schonungslos dokumentieren: Da wird beispielsweise skrupellos ein wunderschöner Apfel mit einem Messer malträtiert, werden einst so stolze Kartoffeln einfach brutal zermanscht und strahlend grüne Korianderblätter bestialisch zerhackt. Dokumente des Schreckens und der Unmenschlichkeit, die uns hoffentlich alle endlich wachrütteln. Denn wer Gemüse quält, der quält auch Kinder, Frauen und Hunde und am Ende raucht er womöglich sogar.

Karl Jaspers

Karl Jaspers geboren am 23. Februar 1883 in Oldenburg, Philosoph und Psychiater, gilt als herausragender Vertreter der Existenzphilosophie. Jaspers war Lehrer von Hannah Arendt und stand zeitlebens in Kontakt mit Martin Heidegger und Max Weber. Schlüsselbegriff für Jaspers ist das Umgreifende, das sich in der Existenz des Menschen sowie in der Transzendenz des Ganzen der Welt widerspiegelt, ohne dass der Mensch es je in seiner Ganzheit erfassen kann. Die Existenz des Menschen ist bestimmt durch die Freiheit, die sich weder beweisen noch widerlegen lässt, die aber den Menschen ständig in Entscheidungssituationen stellt und sich in seiner Praxis offenbart. Durch die Freiheit „wählt der Mensch sich selbst“. Zum Selbstsein gehört aber auch die Kommunikation in der Beziehung zum anderen ...

Noch eine Ermutigung für uns Freie und Unabhängige Ex-Raucher von Karl Jaspers: „Der Mensch findet in sich, was er nirgends in der Welt findet, etwas Unerkennbares, Unbeweisbares, niemals Gegenständliches, etwas, das sich aller forschenden Wissenschaft entzieht: Die Freiheit

Dienstag, Februar 22, 2005

Brotloses ...

Sagen Sie jetzt nicht, Sie hätten vor lauter Nicht-Raucherei gestern den brotlosen Beruf „Zitronenfalter“ ergriffen, eine Ich-AG gegründet und in Ihrer Küche stapeln sich die gelben Südfrüchte ... das ist jetzt halt Schicksal wie auch die ungefähr drei Millionen Götter des Hinduismus gar nicht alle Gerechtigkeit erfahren können ...

Konsumterror, die Erste

Wer sich grade 99 Euronen durch Nicht-Rauchen verdient hat, sollte sich gleich wieder von ihnen verabschieden: Geschichten über Zwergpiraten, einen Harpunenwald, einen Gallertprinzen, Berghutze, Dimensionslöcher, Finsterberggewitter, saloppe Katatonie, Gimpel, den Schmirgel Gottes, ein Fatom, den Bollogjäger, Kakertratten, ein rostiges Vlies und den sprechenden Treibsand. Mit einem Wort der volle Zamonische Koller: Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär in sageundschreibe 16 CDs gepackt von Walter Moers und Dirk Bach helfen locker über die nächsten 160 Schachtanfälle – versprochen ...

vernunftloser Wille

„Die lange Winternacht will nimmer enden;
Als käm’ sie nimmermehr, die Sonne weilet;
Der Sturm mit Eulen um die Wette heulet;
Die Waffen klirren, an den morschen Wänden.

Und off’ne Gräber ihre Geister senden:
Sie wollen, um mich her im Kreis vertheilet,
Die Seele schrecken, daß sie nimmer heilet; -
Doch will ich nicht auf sie die Blicke wenden.

Den Tag, den Tag, ich will ihn laut verkünden!
Nacht und Gespenster werden vor ihm fliehen:
Gemeldet ist er schon vom Morgensterne.
Bald wird es licht, auch in den tiefsten Gründen:
Die Welt wird Glanz und Farbe überziehen,
Ein tiefes Blau die unbegränzte Ferne.“

Das „Sonnet“ (Weimar 1808) von Arthur Schopenhauer, Philosoph und Dichter, geboren am 22. Februar 1788 in Stutthof bei Danzig. Schopenhauer war ein Bewunderer Kants und sah sich in dessen Nachfolge. Er verachtete Hegel. Kants „Ding an sich“ war für ihn zwar auch unerkennbar (es entzieht sich der Vernunfterkenntnis), jedoch nicht unerfahrbar. Durch Introspektion können wir uns dessen gewiss werden, was auch wir letzen Endes sind: Wir erfahren in uns den Willen, der Schopenhauer als das Ding an sich gilt. Dieser ist die Triebfeder nicht nur allen Handelns von Mensch und Tier, sondern auch die selbst grundlose Ursache hinter den Naturgesetzen ist. Die Welt ist letztlich blinder, vernunftloser Wille ...

Hunter S. Thompson ...

... immer noch aufgeschreckt, dass sich Hunter S. Thompson, bekannt für seinen exzentrischen und ausschweifenden Lebens- wie Schreibstil, vorgestern durch Selbsttötung in seinem Haus in Woodley Creek, Aspen von uns gemacht hat. Er ist der bekannteste Vertreter des „New Journalism“ der subjektives Erleben und literarische Stilmittel in Reportagen einfliessen liess und schuf seine ganz persönliche Stilrichtung, den von ihm so genannten Gonzo-Journalismus ...

Konsumterror, die Zweite

Noch ein Nachtrag zu den Werbeagenturen, die ja die Tage in meinem Tb nicht so toll wegkamen: Die Agentur, die den Claim "Besorg’s dir doch einfach" entwickelt hat, versöhnt mich dann doch wieder mit allerlei Konsumterror ... schön wenn Menschen so zartfühlend mit der Sprache umgehen können. Da fühl ich mich doch gleich motiviert es mir ... Andererseits sollte ich mich nicht heute doch betrinken ähh introspektieren?

Montag, Februar 21, 2005

Wo ist die spielerische Leichtigkeit?

Die Generalversammlung der UNESCO beschloss im November 1999, dass am 21. Februar der „Internationale Tag der Muttersprache“ begangen wird. Wozu freilich, ist in den letzten fünf Jahren nicht so recht ersichtlich geworden. Aber Mensch soll ja nicht zu früh aufgeben ... auch das eine wichtige Übung für uns Ex-Raucher!

Die evangelischeren Ex unter uns können heute aber auch Lars Levi Laestadius - dem „Apostel der Samen“ - gedenken, der am 21. Februar 1861 in Pajala, Lappland und Nordschweden starb. Der schwedische Erweckungsprediger sah das „Elend seines Volkes, das untergründige Heidentum und den verbreiteten Alkohol-Missbrauch und predigte in harten und groben Worten“.

Sollte es hier am Ende eine Parallele zu Markus Babbel (Verein für Bewegungsspiele, Stuttgart) geben, der gestern beklagte, dass die „spielerische Leichtigkeit“ verloren gegangen ist? Wenn auch bei Ihnen die rauchfreien Tage schwerer werden, hilft nur noch eine echte Fleissarbeit, die immerhin die rauchfreie Willenskraft trainiert: Sortieren Sie doch heute mal die 78.000 Schiedsrichter des DFB in die „Gut“ und „Böse“-Schubladen. Nachdem MV die Tage erklärte, man müsse ihn schon erschiessen um ihn loszuwerden, wird auch hierzu noch verzweifelt ein(e) Freiwillige( r) gesucht.

Was bisher geschah

Irgendwas geht immer an einem 21. Februar: Jeanne d'Arc wird der Ketzerei angeklagt und in Rouen vor ein Gericht gestellt (1431). Entdeckung der Antarktis (1832). Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichen „Das Kommunistische Manifest“ (1848). Die Schlacht um Verdun zwischen Deutschland und Frankreich beginnt (1916). Die molekulare Struktur der DNA wird von Francis Crick und James Watson entdeckt (1953) und Malcolm X wird in New York City von Black Muslims ermordet (1965).

Mittagsspaziergang

A prospos Bewegungsdrang: Wem das Wetter heute nicht passt kann ja den Mittagspaziergang in den New Yorker Central Park verlegen und unter den „The Gates“ von Christo und Jean-Claude durchschlendern. Trödeln Sie aber nicht zu lange: Am 27. Februar wird dort auch schon wieder eingepackt und aufgeräumt.

Tiefschlag

Weil wir Ex-Raucher auch bei X+94 lernen müssen, rauchfrei mit Tiefschlägen umzugehen, starre ich seit Stunden auf die Ergebnisse des 46. DEL-Spieltages und lese „Kölner Haie - DEG Metro Stars 1:2 n.P.“ Die Kölner habens ausgerechnet und auch noch zuhause gegen die Düsseldorfer verdödelt. Wenn ich jetzt rauchen würde, könnte ich ganz sicher die Geschehnisse im gestrigen letzten Drittel entscheidend beeinflussen … flüstert mir das Nikotinsabbermonster verführerisch ins Ohr. Kann Nikotin den Zeitpfeil umkehren? Eher nicht, beschliesse ich in theoretischer Physik Halbgebildeter und werfe das Scheusal ins nächstbeste intergalaktische Wurmloch. Dann mache ich aber sicherheitshalber noch einen Gang um den Wohnblock immer auf der Hut, mich nicht in einer Zeitschleife zu verhaspeln.

Hehepriesterin des Soul geboren ...

Eunice Kathleen Waymon, Jazz- und Bluessängerin, Pianistin und Songschreiberin und von ihren Fans ehrfürchtig als „Hohepriesterin des Soul“ bezeichnet, geboren am 21. Februar 1933 in Tryon, North Carolina ist uns besser bekannt unter dem Pseudonym „Nina Simone“ und beschenkt uns mit dem heutigen Hörtipp gegen Schmachtanfälle. Ich bin heute mal grosszügig: Sie dürfen sich einen raussuchen: Sie sang traditionellen Blues („Trouble in Mind“) ebenso wie schwarze Jazzstücke („Work Song“) stets mit mehr Soulfeeling als bislang gehört. Ab Mitte der sechziger Jahre trat sie mit Bürgerrechtsliedern auf und auch selbstgeschriebenen oder von ihr vertonte Protestsongs („Mississippi Goddam“, „Old Jim Crow“, „Backlash Blues“, „Revolution“). Ihre unverwechselbare Modulation hatte Nina Simone in der heimischen Gospelkirche gelernt, ihre hohes musikteoretisches Wissen geht auf Studienjahre am New York Juilliard-Konservatorium und am Curtis Institute of Music in Philadelphia zurück. Ich hab schon den Backlash Blues auf den MP-Player gezogen und Sie?

Sonntag, Februar 20, 2005

Pattsituation

"Hier fehlt es an beidem," schreibt ein Freund, "an Gelegenheit Geld zu verdienen, wie auch an solchen, es auszugeben ..."

Ist das nun paradiesisch oder kann ich ohne Stammkneipe, Weinlager und Bücherregale nicht mehr überleben?

Vor 568 Jahren ...

Böse, böse - Es ist grade mal 568 Jahre her und schon will sich keiner mehr so recht erinnern: Im Jahr 1437 fiel am 20. Februar Jakob I., König von Schottland einem Mordanschlag von meuchelmörderischen Schottischen Adeligen unter der Führung von Walter, Earl of Atholl in Perth zum Opfer. Die Geschichtsbücher überliefern die Hintergründe nur sehr unscharf. Für Verschwörungstheoretiker ist aber längst klar, dass der Ex-Raucher von auf !Camel!en herangetragenen Meuchelmördern mit Schwerten der Marke „Lord Extra“ brutalstmöglich niedergestreckt wurde: Der lange Arm der Zigarettenlobby hat auch diesen wackeren Ritter der Unabhängigen und Freien niedergestreckt. So war es ganz sicher!

Buster warnt ...

Aus der Reihe „Buster warnt“: Alle, die sich als Reaktion aufs Nicht-Mehr-Rauchen umorientieren wollen sei vor der Wahl von brotlosen Berufen dringend abgeraten! Heute die brotlosesten Ich-AGs von A-D: Aktenordner Ärmelschoner Akkuschrauber Alleskleber Anrufbeantworter Auspuffkrümmer Bärenspinner Bananenstecker Baseballschläger Bettvorleger Bewegungsmelder Bildschirmschoner Blitzableiter Bodendecker Braunschweiger Briefbeschwerer Büstenhalter CD-Wechsler Datenträger Deckenfluter Deoroller ... Nähere Hinweise erhalten sie vom Arbeitsamt achnein das ist doch nun die Abseitsagentur.

Esst mehr Fisch

Hätten Sie gedacht, dass ein sehr deutscher Komiker am 20. Februar 1909 in Riga geboren wurde?

Das Meer reicht bis zum Strande
und dann verläuft's im Sande
ganz plötzlich und abrupt.
In ihm gibts viele Fische
die essen wir bei Tische
gekocht und abgeschuppt.
Doch wozu gibts die Gräten?
Sie wären nicht vonnöten
und mindern den Genuss.
Denn bleibt mal eine steckenso
kann man leicht verrecken
viel eher als man muss.

„Esst mehr Fisch“ von Heinz Erhardt, Komiker, Musiker, Entertainer, Schauspieler und Dichter.

281 Jahre Giulio Cesare in Egitto ...

Der heutige Hörtipp gegen Schmacht: Zugegeben, keine Uraufführung, die war ja auch vor 281 Jahren am 20. Februar 1724 im King's Theatre am Londoner Haymarket. Die Rede ist von Giulio Cesare in Egitto, deutsch auch Julius Cäsar (HWV 17) ist eine Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel (1685 - 1759). Falls Sie die original handsignierte CD grade nicht zur Hand haben oder das Musikzimmer abgeschlossen ist, in dem „Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel“ von Albert Scheiber steht, hier der Link zum mp3 download.

Im Barock verehrte man den Kastraten wegen seiner Gesangsstimme, die man als überirdisch schön empfand. Bei der Uraufführung war die Altstimme des römischen Imperators Giulio Cesare, folglich mit dem berühmten Altkastrat Senesino besetzt.

Ein Kastrat war ein Sänger, dem zwecks Erhaltung der Sopran- oder Alt-Stimme vor dem Stimmbruch die Keimdrüsen entsprechend manipuliert wurden, so dass die in der Pubertät zum Stimmwechsel führenden Hormone nicht zum Einsatz kommen konnten.

Für heutige Aufführungen Alter Musik, in denen Männerrollen in Sopran- oder Altlage gefordert sind, behilft man sich ja leider leider mit weniger überirdischen Frauen oder Countertenören. Hmmm ich glaube ich schweife ab ... wie kam ich doch gleich auf die Eunuchen?

Nie wieder Tanke

Nehmen Sie zwei Aspirin und trinken Sie sich schön oder retten Sie wenigstens das Butterbrot. Das sind ganz ganz wichtige Aufgaben und Sie lungern dann auch nicht immer vor der Tanke rum um Benzin zu inhalieren oder einen verstohlenen Blick aufs Zigarettenregal zu erhaschen ...

Samstag, Februar 19, 2005

Klugscheisser entdeckt

So sieht er aus, der Klugscheisser. Ich bin's ja doch nicht *grübel*.

Ordem e Progresso

„Ordem e Progresso“ - Seine Devise „Ordnung und Fortschritt“ erscheint sogar in der Flagge Brasiliens - so weit hat es kein anderer Soziologe gebracht. Die Rede ist von Isidore Marie Auguste François Xavier Comte, geboren am 19. Februar 1798 in Montpellier und Begründer der Soziologie ... Hut ab, wenn gleich das mit der „Ordnung“ ja ziemlich übertrieben wird – finde ich zumindest seit ich kein Kampfputzen mehr praktiziere ...

Noch ein Gedanke zu Auguste Comte: Wie wenig man selbst schafft, was man jedem anderen nahe legt: positives Denken, Ausgewogenheit, Verzicht und Vollwertkost. Muss ich denn sterben, wenn ich es nicht schaffe, das vielbesungene Begreifen der Erkrankung als Chance? Werde ich denn untergehen, wenn ich nicht innerhalb kurzer Zeit positive Lebensziele entwickle?

Büchner stirbt

„Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab - wir sind sehr einsam.“ Spricht Danton im ersten Akt, erste Szene von „Dantons Tod“ von 1835 zu Julie. Georg Büchner gestorben an Typhus am 19. Februar 1837 in Zürich, deutscher Schriftsteller des Vormärz.

Freitag, Februar 18, 2005

Das Manifest

„Wir leben noch unter der Herrschaft der Logik [...]. Aber die logischen Methoden unserer Zeit werden nur noch auf die Lösung von Problemen zweiter Ordnung angewendet. Der absolute Rationalismus, der noch in Gebrauch ist, erlaubt lediglich die Berücksichtigung von Fakten, die eng mit unserer Erfahrung verknüpft sind. Die logischen Zwecke hingegen entgehen uns. Unnötig hinzuzufügen, daß auch der Erfahrung Grenzen gesteckt wurden. Sie windet sich in einem Käfig, aus dem sie entweichen zu lassen immer schwieriger wird.“ so der am 18. Februar 1896 in Tinchebray (Normandie) geborene André Breton, Dichter, Schriftsteller und wichtigster Theoretiker des Surrealismus im Manifeste du Surréalisme (Das Manifest des Surrealismus) von 1924.

Was bisher geschah

George, Duke of Clarence, Rivale von Richard III., wird 1478 in einem Weinfass ertränkt. Napoléon Bonaparte siegt 1814 mit 30.000 Mann in der Schlacht bei Montereau gegen die verbündeten Österreicher und Westfalen. Johann Libényis versucht 1853 Kaiser Franz Joseph I. in Wien zu ermorden. Der Lincoln County Krieg beginnt 1878 in New Mexico und bringt Billy the Kid zweifelhaften Ruhm und die letzten deutschen Soldaten in Kamerun strecken 1916 die Waffen.

Clyde Tombaugh entdeckte vor 75 Jahren den Planeten Pluto auf Photografien und aus diesem Anlass treffen sich morgen entdeckungfreudige, fanatisch-militante Ex-Raucher. Eine Geheimloge, getarnt als rfo-Stammtisch in Köln Deutz, die auch morgen wieder den Rauchern und dem Hans Eichel durch beharrliches Nicht-Rauchen das Leben schwer macht ....

Online

„Unsere Freiheiten tragen Früchte,“ so Ernst Ferstl, „die Auswahl an Abhängigkeiten vergrößert sich ständig.“ „Vor jeder Sucht steht ausweichendes Verhalten. Wem wird ausgewichen? Problemen, Sorgen, Mühen. Wohin wird ausgewichen? Dahin, wo es "leichter" scheint - in die Selbstvergessenheit, zumindest partiell.“ Führt Jürgen Oetting Suchttherapeut ins heutige Thema ein. Nichts verbindet so unverbindlich wie das Internet aber:

Bis zu zwölf Prozent der Internet-Nutzer in Deutschland zeigen nach Einschätzung von Experten Tendenzen, die in Richtung Sucht gehen. Manche davon aber sind so tief abgetaucht in die irreale Welt aus Bits und Bytes, dass sie sich aus dem realen Leben völlig verabschiedet haben ...

Das Wetter

Heute beginnen wir zur Abwechslung mal mit dem Wetter: „Friert's um Simeon ganz plötzlich, bleibt der Frost nicht lang gesetzlich“. Sim(e)on war - ebenso wie Jakobus - ein Vetter von Jesus. Er soll unter Kaiser Trajan im Jahr 107 hochbetagt den Märtyrertod durch Kreuzigung erlitten haben ... die Reformierten freilich gedenken heute den 1546 gestorbenen Luther ... und im orthodoxen Kalender ist ja erst der 5. Februar ...

Donnerstag, Februar 17, 2005

Vorsicht

Vorsicht, die ihr grade am Regieren seid: Am 16. Februar ist schon mancher Regent verschieden wie zum Beispiel Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen und Gegenkönig gegen Kaiser Friedrich II (1247), Alfons III., der fünfte König von Portugal (1279), Ruprecht I. von der Pfalz, deutscher Kurfürst von der Pfalz (1390), Aurora von Königsmarck, (die Geliebte Augusts II. von Sachsen und spätere Pröpstin des Stiftes Quedlinburg) (1728), Brienne, französischer Politiker und Kleriker (1794), Alexander von Villers, österreichischer Diplomat (1880), Félix Faure, 7. Präsident Frankreichs (1899), Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regent von Braunschweig (1920) oder auch Jânio Quadros, Präsident Brasiliens (1992). Also heute besser keiner schwarzen Katze begegnen ...

Aberglaube

„Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit“ führt uns Friedrich Wilhelm geboren am 16. Februar 1620 in Cölln an der Spree (heute Berlin), Kurfürst von Brandenburg, ins heutige Thema. „Laß euch nicht mit falschen Göttern ein!“ erinnert das Buch der Bücher in Johannes 5.21 und Psalm 97.7 präzisiert: „Zuschanden werden alle, die den Bildern dienen, die der Götzen sich rühmen“. „Ein jeder Aberglaube versetzt uns ins Heidentum“ kartelt Justus Freiherr von Liebig nach ... und tatsächlich: Der Glaube versetzt Berge, der Aberglaube dagegen versetzt Menschen.

Der Begriff „Aberglaube“ taucht in der christlichen Religion am Ende des Mittelalters auf, er sollte Abweichungen von der geltenden Kirchenlehre anprangern und ins Abseits stellen. „Aberglaube“ wird dabei abwertend für einen Glaubenssatz oder ein Glaubensgebilde gebraucht, das als dem eigenen unterlegen eingestuft wird. Dabei kann es sich sowohl um alle Arten von Theismus handeln als auch um nicht gottesbezogene Glaubenssätze und pantheistische Glaubensrichtungen. Ob „Glückskatze“, „Schluckbildchen“, „Gewitterkerze“ oder auch „Glückshaube“: Meist besitzt ein als „abergläubisch“ bezeichnetes Weltbild eine weniger in sich geschlossene logische Struktur, als sie beispielsweise von den Scholastikern für die katholische Kirche aufgebaut wurde.

„Die Ursache, die den Aberglauben hervorbringt, erhält und ernährt, ist die Furcht“ belehrt mich Baruch de Spinoza und dennoch: Ich befrage täglich das Orakel Kippenmuseum, ob mir noch ein rauchfreier Tag gegönnt wird. In der Tradition der Schluckbildchen trenne ich die Warnhinweise von den Zigarettenschachteln und verzehre sie bei Schmachtanfällen. Aus den Zellophanumhüllungen der Kräuterzigaretten falte ich Glückshaubenamulette und trage sie auf dem Herzen zur Abwehr des Nikotinbösen und zur Potentierung meines Glücks. Meine Katze wird allmorgendlich in Glücks-Tricolor gefärbt zur Glückskatze und begleitet mich wo ich gehe und stehe in alter Seemanntradition und wenn ich gar zu heftige Konfrontationen mit dem Nikotinteufel befürchte entzünde ich die Gewitterkerze mit geweihtem Palmwedel und stelle den Weihwassereimer bereit ...

„Aberglaube ist die Poesie des Lebens“ sagt Johann Wolfgang von Goethe. Ihm widerspricht Honoré de Balzac „Aberglaube ist das Kennzeichen eines schwachen Geistes“ der schliesslich von Friedrich Nietzsche mit „Aberglaube ist die Freigeisterei zweiten Ranges“ verbessert wird.

Und wenn wir mit Goethe „nicht Herren unseres Aberglaubens und unserer Hoffnungen“ sind, wird es nun als Freier und Unabhängiger eX+89 langsam Zeit es zu werden. Seien wir nicht abergläubisch, es bringt nur Unglück! Wir sollten „Aberglaube“ realistisch sehen als die freiwillige Einschränkung des eigenen Handelns und Denkens – das wollen wir doch nicht wirklich, oder?. Eine schwarze Katze auf dem Weg zum Galgen freilich, DIE bringt nun mal Unglück!

Dienstag, Februar 15, 2005

Der Hörtipp

„Ramblin' Rose“ vom vor 40 Jahren in Santa Monica, Kalifornien gestorbenen Nathaniel Adams Coles ist der heutige Hörtipp. Als Nat "King" Cole ging der US-amerikanischer Sänger und Jazz-Musiker in die Hall of Fame ein. Falls das zu jazzig ist: „Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld“, eine Anspielung auf das durch Bomben zerstörte Köln und die gerade begonnene Währungsreform, war sein erstes Karnevallied und wurde auf Anhieb einer der meistgesungenen Schlager jener Jahre. Jupp Schmitz geboren am 15. Februar 1901 in Köln war ein Unterhaltungskünstler, Schlager- und Krätzchensänger. Von seinen Landsleuten wurde er ob seiner Erscheinung liebevoll „Schnäuzer“ genannt. Er starb 1991 und auf seinem Grabstein kann man die Inschrift seines 1950 komponierten Liedes „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ lesen ...

Hum06

Humor,“ so ein Sprichwort, „ist die Medizin, die am wenigsten kostet und am sichersten hilft.“ Menschen bekennen sich zu Kinderschändung, Landesverrat, Mord, Brandstiftung, falschen Zähnen oder gar einem Toupet. Wer aber würde zugeben, er habe keinen Humor? Haben denn Ex-Raucher welchen? Natürlich nicht, fallen Sie doch nicht immer auf meine rhetorischen Fragen herein! Humor von lat. (h)umor, „Flüssigkeit“ hat als Grundlage die menschliche Fähigkeit, zu lachen und komische, unerwartete oder auch paradoxe Situationen zu erkennen und zu verarbeiten. Der Begriff geht zurück auf die antike Vorstellung, dass die Temperamente auf dem Mischungsverhältnis der vier „Humores“ (Körpersäfte): Blut, Schleim, schwarze Galle, gelbe Galle beruhen. Seit dem 18. Jahrhundert wird er verstanden als heiter-gelassene Gemütsverfassung inmitten aller Widerwärtigkeiten und Unzulänglichkeiten des Daseins.

In der Literatur findet Humor im Altertum und Mittelalter selten statt; bei William Shakespeare wird er mit dem Tragischen verknüpft. Seine eigentliche Ausprägung erfuhr er bei den Schöpfern des humoristischen Romans, L. Sterne und H. Fielding, dann bei Jean Paul, der auch eine Theorie des Humors entwarf. In der Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts herrscht sowohl ein satirisch-kritischer, als auch gemütvoll-resignierender Humor vor. Beispielsweise bei Charles Dickens, Gottfried Keller, Fritz Reuter, W. Raabe oder auch A. Tschechow. In der neueren Literatur mischt sich Humor mit ironischen, grotesken, auch tragischen Elementen.

Schlechtigkeit der Zeit

Einer seiner ersten Zeitungsartikel, den Gedichten von Johann Christoph Gottsched gewidmet, endet 1751 mit den Worten: „Diese Gedichte kosten in den Vossischen Buchläden zwei Taler und vier Groschen. Mit zwei Talern bezahlt man das Lächerliche und mit vier Groschen ungefähr das Nützliche.“ Das ist erstens immer noch ziemlich lustig, was ja etwas heissen will, weil nicht viele Witze 250 Jahre halten, und zweitens ist es für Lessings Modernität kennzeichnend, weil Gottsched selber die Kritik erst ein paar Jahrzehnte zuvor in Deutschland etabliert hatte, gleichsam wie ihr Papst in Leipzig thronte und nun von seinem eigenen Epigonen rücksichtslos wegrasiert wurde. Gotthold Ephraim Lessing, gestorben am 15. Februar 1781 in Braunschweig, der wichtigste deutsche Dichter der Aufklärung, war nicht der erste, aber der erste vernichtende Kritiker deutscher Sprache.

Mit einer Katze hat sich Lessing mal verglichen. Mit seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften hat er die weitere Entwicklung der deutschen Literatur wesentlich beeinflusst. Katzen sind unabhängig und unberechenbar – und allein. Das wäre Goethe nie eingefallen. Eine „dreiste Selbstständigkeit“ attestierte ein Zeitgenosse Lessing, halb ehrfürchtig, halb schaudernd. Goethe sagte nur, die „Schlechtigkeit der Zeit“ sei dafür verantwortlich gewesen, dass Lessing „immerfort polemisch wirkte“. Das war einer der frühesten Versuche, ihn sich vom Leib zu halten ...

Nichts an einem Menschen ist so ernst zu nehmen, wie sein Humor – da bin ich eX+88 sehr sicher. Daran zeigt sich, ob einer die ganze Wahrheit will ...

Montag, Februar 14, 2005

be my Valentine ...

Vor 55 Jahren veranstaltete man in Nürnberg den ersten „Valentinsball“. Bekannt wurde der Valentinstag durch die dann einsetzende vehemente Werbung der Floristen. Die unbändige Geldgier des Blumenhandels ist mithin schuld, dass Sie heute lieb zum bzw zur Liebsten sein müssen! A prospos: Sitzt ein Pärchen auf der Parkbank und er sagt zu ihr: „Schatz, lass uns heiraten. Ich habe keinen Bock mehr lieb zu sein“ .... ha ha!

Im 3. Jahrhundert nach Christus war er Bischof von Interamna (heute: Terni). Am 14. Februar 269 nach Christus soll Valentin von Terni, Heiliger und Märtyrer der römisch-katholischen Kirche, wegen seines christlichen Glaubens hingerichtet worden sein. Er soll Verliebte trotz Verbot des Kaisers Claudius II. getraut haben und hat der Sage nach den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. Den Bischof von Terni bitte nicht mit dem späteren Valentin von Rätien (Graubünden) verwechseln. Dieser gilt als Schutzpatron gegen die „fallenden Krankheiten“ wie Epilepsie und Ohnmacht.

Seit dem 15. Jahrhundert werden in England Valentinspaare gebildet, die sich kleine Geschenke oder Gedichte schicken. Die Verbindung mit Blumengeschenken könnte auf die Gattin des Dichters Samuel Pepys zurückgehen, die 1667 mit einem Blumenstrauß auf Pepys' Liebesbrief reagierte. Von da an wurde die Verbindung von Brief und Blumen in der britischen Gesellschaft nachgeahmt. Englische Auswanderer nahmen den Valentins-Brauch mit in die USA - und dieser kam durch US-Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals nach Deutschland ... und die Stunde der Werbeagenturen schlug ...

Sprach-Katarakte

„Zigarette = Papier, ein Gramm Tabak und viele Werbemillionen“ so Philipp Fürchtegott Reemtsma, Zigarettenhersteller (1893-1959). Natürlich wissen wir, welch gigantischer Aufwand für die Bewerbung dieses Produktes getrieben wird. Allein es gibt Hoffnung und ein Trost bleibt uns in schwierigen Zeiten der Werbung: Viele Werbebotschaften, so eine empirische (nein keine amerikanische!) Untersuchung, werden nicht mehr verstanden. Der lässliche „Kunde“ ist einfach geistig nicht mehr auf der Höhe das nachzuvollziehen, was ihn erwartet. Beispiele wie die Botschaft einer Parfümeriekette werden angefügt die mit dem Slogan „come in and find out“ versuchte, die verschreckte Kundschaft noch in die hinterste Ladenecke zu locken. Viele Kunden waren nicht in der Lage diesen Slogan auch nur andeutungsweise korrekt zu übersetzen und „gehe hinein und schaue hinaus“ war noch eine der harmloseren Antworten ... aber wozu sollte der Kunde der draussen ist das tun? Das Branding eines Automobilherstellers „shift expectations“ war dann schliesslich völlig unverständlich für zwei Drittel und von „schalte spektakulär“ bis „schiebe Erwartung“ war so ziemlich jeder Übersetzungsversuch vertreten.

Keine Frage, der zunehmende Konkurrenzkampf zwischen Werbeagenturen führt zu immer kreativeren immer hyperen Ideen, deren Genialität von uns tumben Konsumenten nur nicht mehr nachvollzogen werden kann. Eine Botschaft ist eine „bedeutsame Nachricht“, mithin eine erfolgreiche Übertragung von Information. Wenn nun plötzlich die „erfolgreiche Übertragung“ kein bestimmendes Kriterium mehr sein sollte, ergeben sich traumhafte Möglichkeiten für jeden Werber. Wie wird das enden? Wird der Tag kommen, an dem wir die Werbebotschaften gar nicht mehr verstehen? „Rauch Gauloise weil flutschi“, „Boombangboing: Lucky Strike“ oder „Lord droL“ ... hi hi ... Sie merken schon: wir sind kurz davor und es will mir schon keine gute Karrikatur mehr gelingen, die es nicht schon gibt ...

... das freilich wäre eine der schönsten Welten bei X+87 wenn diese Marktschreierzunft in babylonischem Sprach-Katarakt zusammenstürzen würde und das Marlboro-Pferd den Marlboro-Mann nicht mehr versteht und in den tiefen Marlboro-Abgrund stürzt ...

Sonntag, Februar 13, 2005

Lass Hirn vom Himmel fallen!

Ein Irisches Sprichwort schafft Klarheit: „Was Butter und Whiskey nicht heilen, dafür gibt es keine Heilung“. Aber welches Mischungsverhältnis ist angezeigt? Soll die Butter geschmolzen werden? Süsse oder salzige Butter und ... Fragen über Fragen martern mein sich in die rechte Ohrmuschel zurückziehendes „Gross“-haha-Hirn. Wilhelm Richard Wagner verstarb vor 122 Jahren übrigens in Venedig im Palazzo Vendramin Calergi versuchen Sie also gar nicht hier eine Parallele zu meiner Situation zu ziehen! „Wenn man es heilen kann, ist es nur eine halbe Krankheit“ weiss Salomon ben Jehuda Ibn Gabirol (um 1021 - um 1071), der erste Philosoph des Abendlandes, der – wie wir alle wissen – erstmals den neuplatonischen Emanationsgedanken mit dem Hylemorphismus des Aristoteles verknüpfte. Was denn „neuplatonischen Emanationsgedanken“ und „Hylemorphismen“ sind? Ich darfs nicht sagen, nicht verraten, die können eine rechte Plage werden die Meckenheimer ...

Am Ende gibt’s dann aber doch wieder Licht am Ende des Krankenbetts: Vor 110 Jahren lassen die Gebrüder Lumière in Paris den Kinematographen patentieren.

Ach übrigens: Amerikanische Studien haben ergeben, dass Sätze, die mit „Amerikanische Studien haben ergeben“ beginnen, signifikant unter 25% Wahrheitsgehalt haben ... nein, ich sag nix ... Lass Hirn vom Himmel fallen!

Hunzigt Collina?

In einer Welt in der sich noch jeder Regionalligaschiedsrichter mit einer Alditüte Osterschokohasen schmieren lässt, sollten wir heute kurz innehalten und Dr. h.c. Pierluigi Collina, geboren vor 45 Jahren in Bologna gedenken. Er gilt unter Fachleuten als einer der besten Fußballschiedsrichter der Welt. Sie kennen ihn alle, es ist der mit den wenigsten Haaren im Spiel ... http://www.pierluigicollina.it/. Er besuchte die Universität von Bologna und erwarb dort im Jahr 1984 einen Abschluss im Bereich Wirtschaft und ist als „Finanzberater“ tätig – frage mich jetzt keiner ein Wort zu seiner Verbindung zur Meckenheimer Bettmafia ... ich schweige wie ein mit Betonschuhen in den Tiefen des Rheins Versenkter ... ne, ne ich sag dazu nix!

Grade mal 463 Jahr ist es her, dass Heinrich VIII. von England seine fünfte Frau hinrichten lässt und beim Gedanken an den ersten Atomtest von Frankreich in der Sahara vor 45 Jahren bekomme ich Haarausfall – immerhin könnte ich im Gegensatz zu Collina noch zwei drei Jährchen das ein oder andere Spiel verpfeiffen ... ooops ich sag gar nix, niemals!

Vom Himmel

„Alles kommt vom Himmel, nur nicht Erkältung und Fieber“ weiss der Babylonische Talmud und ein Mensch mit Phantasie wie ich bei X+86 hat sicher die phantastischsten Krankheiten wenn er sich nur drauf einlassen will und sicher: Ein bisschen Kranksein ist ja manchmal ganz gesund ... wohingegen Amerikanische Studien ergeben haben, dass der Tod nicht wählerisch ist und sogar die Kranken nimmt ...

... wie an einem 13. Februar unter anderen Honorius II., Papst (1130), Jacopo Bassano, italienischer Maler (1592), Georg Rudolf Weckherlin, deutscher Lyriker (1653), Karl X. Gustav, schwedischer König (1660), Elisabeth Stuart, Titularkönigin von Böhmen (1662), Jean de Labadie, Mystiker (1674), Charles III. de Poix-Créquy, französischer General (1687), Germain-Jean Drouais, französischer Maler (1788), Wilhelm Heinrich Wackenroder, Schriftsteller, Mitbegründer der deutschen Romantik (1798), Karl Ludwig Tischendorf, Grafiker (1855), Hermann Heinrich Gossen, Nationalökonom (1858) oder auch Richard Wagner, deutscher Komponist (1883).

Samstag, Februar 12, 2005

Neues aus Bhutan

Heute vor 34 Jahren bekommt Bhutan die volle Souveränität von Indien um dann 33 Jahre später das erste nikotinfreie Land der Erde zu werden, da der Handel mit Tabak im letzten Jahr verboten wurde ... und immer wieder ein Phänomen: Tankstellen ohne Ziggis ...

Was ist Aufklärung?

„Die Ärzte glauben, ihrem Patienten sehr viel genützt zu haben, wenn sie seiner Krankheit einen Namen geben“ hilft er mir heute vom Krankenbett: Immanuel Kant gestorben vor 201 Jahren in Königsberg, gilt neben Platon und Aristoteles als einer der bedeutendsten Philosophen. Er definierte einen Zustand der Freiheit des Geistes um den wir Ex-Raucher kämpfen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude [wage es verständig zu sein]! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (Beantwortung der Frage: was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, 1784).

Genussmittel 1

Rauchen soll in den Schulen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein verboten werden. Das berichtete Dagmar Schipanski, Präsidentin der deutschen Krebshilfe, vorgestern in Bonn. Ein Verbot in der Schule trage dazu bei, Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Mathematikunterricht ohne Lord extra? Deutsch ohne Marlboro und als nächstes kommt womöglich das Schnapsverbot während des Sportunterrichtes! Wir sind übrigens doch Europameister: Bei den unter 14-jährigen sind wir mit unseren Rauchquoten europaweit führend!

Genussmittel 2

Bald wird der Wind wieder drehen, wenn die Tabaksteuer zum vierten Mal in einem Jahr erhöht wird und immer mehr aufhören werden, dann werden zur Erhöhung des Steueraufkommens von der Tabak- und Getränkeindustrie in jeder Schule aparte – als Bibliothek getarnte – Smoking & Drinking Lounges mit Gratiszigaretten und Alkopops eingerichtet. Saufen und rauchen für jeder Schüler bis der Arzt kommt. Es wird ein eigenes Unterrichtesfach ab zwölf Jahren eingerichtet werden für das bereits ein sozialverträglicher Name gesucht wird ... ich habe mich mit „Sozialethik“ am Namensfindungs-Wettbewerb beteiligt – wahrscheinlich gewinnt aber wieder so ein dröger Begriff wie „Genussmittelkunde“, schliesslich hat die Kultusministerkonferenz mal wieder das letzte Wort.

Sleeping Lounge

Kaum plaudere ich hier ein bisschen mit Ihnen, schickt mich Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, deutscher Lyriker und besser bekannt unter dem Pseudonym „Novalis“ wieder zurück ins Krankenbett als die Schule der Lebenskunst: „Krankheiten sind Lehrjahre der Lebenskunst und der Gemütsbildung“. Na dann bilde ich mich jetzt mal wieder weiter ... in der Sleeping Lounge.

Freitag, Februar 11, 2005

wir Buster

Das wichtigste zuerst: Heute vor 15 Jahren gewann im Tokyo Dome James Buster (!) Douglas den Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Mike Tyson durch KO. So können wir Busters halt auch sein ...

Wahrheit und Methode

„Philosophisches Denken besteht nur darin, dass man das um eine Stufe bewusster macht, was alle wissen“ sagt der vor 105 Jahre am 11. Februar in Marburg geborene Hans-Georg Gadamer, einer der prominentesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts der durch sein die philosophische Hermeneutik begründendes Werk Wahrheit und Methode (Tübingen 1960), bekannt wurde. Für den Heideggerschüler ist jegliches Verstehen, handele es sich um Texte, Kunst- und Bauwerke oder das Gegenüber in einem Gespräch, an die Sprachlichkeit des Seins vor dem Horizont der Zeit gebunden ... ich hatte vor Jahren die Ehre einer Privataudienz mit dem damals fast neunzigjährigen in Heidelberg und fühlte mich freilich in Sachen „Informationsethik“ vom Übervater der Hermeneutik recht unverstanden ... aber geraucht haben wir beide wie die Henker ... teuflische Zeiten damals.

ich denke also ...

„Ich denke, also bin ich“ oder auch lateinisch „cogito ergo sum“ ist das am häufigsten benutze Zitat in Zusammenhang mit seinem Namen: René Descartes, bzw. Renatus Cartesius stribt vor 355 Jahren in Stockholm. Descartes wird als „Vater der neueren Philosophie“ bezeichnet, denn er begründete den von der Vernunft überzeugten modernen Rationalismus auch Cartesianismus genannt. Das vollständige Zitat lautet übrigens: „Ich zweifle, also bin ich, oder was dasselbe ist, ich denke, also bin ich“ (dubito, ergo sum vel quod idem est, cogito, ergo sum).Wenn wir Ex-Raucher zweifeln begründen wir damit erst unsere Existenz? In der zweiten Meditation erläutert er uns: Wenn ich aber zweifle oder getäuscht werde, so kann ich nicht daran zweifeln, dass ich zweifle bzw. dass ich es bin, der getäuscht wird, d.h. ich denke, ich bin bewusst. Der erste unbezweifelbare Satz heißt also: „Ich bin, ich existiere“. Er ist, so Descartes, „notwendig wahr, sooft ich ihn ausspreche oder denke“. Descartes analysiert dieses Ich weiter und bestimmt es als ein urteilendes, denkendes Ding: als „res cogitans“.

Das berühmte „cogito ergo sum“ hat schon Augustinus (354-430) vorweggenommen: „si enim fallor, sum. nam qui non est, utique nec falli potest“ („Selbst wenn ich mich täusche, bin ich. Denn wer nicht ist, kann sich jedenfalls auch nicht täuschen.“ Vom Gottesstaat 11,26).Wir Ex-Raucher können Vernunft ja tagtäglich gut gebrauchen, daher Descartes „Ausführungen über die Methode seine Vernunft gut zu gebrauchen“ (Leyden 1637) http://www.zum.de/Faecher/D/SH/descdisc.htm als Lesetipp für alle Schmachtenden und nicht-Schmachtenden Ex.

Gott hilf ...

Die älteren unter uns werden sich noch erinnern an seine Auftritte im Jahre 1978: In Washington bei der „Friedensmesse für Präsident Jimmy Carter“ und eigentlich noch aparter in New York im Giants-Stadion am legendären „Franz-Beckenbauer-Day“. Sie gelten als nie mehr erreichte Lowlights Deutscher Gesangs-Kultur nach dem Motto über 1000 Kehlen können nichts Unsinniges tun, die späteren Auftritte bei Big Brother und auf der Loveparade in Berlin sind da nur noch ein sanftes Ausklingen des omnipräsenten Gebrumms von dem vor 77 Jahren in Plochingen am Neckar geborenen Gotthilf Fischer. Sollte ich jetzt einen Fan verärgert haben, hier gleich die Wiedergutmachung durch Offenlegung eines Top-Geheimnisses: Gotthilf wohnt im Postfach 45 in 71715 Beilstein. Wer ihn besucht, bitte bei Thilo Weinert, Hauptstrasse 36 vorbeischauen und drei Flaschen lecker Mirabellenschnaps für mich erstehen und nicht über Los gehen sondern diese direkt bei mir abliefern!

Der Schnaps könnte mir freilich helfen den ein oder anderen Zweifel zu zerstreuen und damit – cartesianisch zu Ende gedacht – auch mich selbst um Teile der Existenz bringen. Bei X+84 zum halbexistenten Wesen mutieren, ist doch reizvoll oder haben Sie Zweifel?

Donnerstag, Februar 10, 2005

Müßig 1

„Ich bin der Meinung, ein wirkliches Glück ohne Müßiggang ist unmöglich“ hilft mir Anton Pawlowitsch Tschechow (1860 - 1904), russischer Erzähler und Dramatiker, in die Frage „Was tun mit der durch nicht-mehr-rauchen gewonnenen Zeit? Ein mehr als heikles Thema, hier Müssiggang zu proklamieren, gerade, weil es Ex-Raucher erst mal lernen müssen nichts zu tun, nichts in Händen zu halten, nicht eine Zigarette zu drehen, anzuzünden, abzuaschern, auszudrücken und sich diese zu besorgen. Die ganze Breitseite deutscher Sprichwörter steht gegen den Müssiggang:- Arbeit hat Gulden, Müßiggang Schulden - Ein Müßiggänger kostet mehr als zehn Arbeiter - Es gibt viele Esel, die keine Säcke tragen - Müßiggang ist aller Laster Anfang - Müßiggang ist des Teufels Ruhebank - Müßiggang macht den Körper krank - Wer nichts tut, sündigt schon genug - Wohlleb hat das Spinnrad nicht erfunden - Müßiggang verzehrt den Leib wie Rost das Eisen ...

Müßig 2

Das „Unnütze Hände melken den Ochsen“ macht hingegen schon etwas nachdenklicher: Bin ich bei X+83 auf der richtigen Spur, weiss ich noch was ein Ochse ist (und wozu er ist?). Dennoch: Sehr untypisch also für diesen unseren „Kulturkreis“ (was immer das ist, vermag ich heute nicht mehr zu fassen) nichts zu tun, auf zahllose Calvinistische und Luther-Zitate sei erst gar nicht hingewiesen ... „Müßiggang ist der Feind der Seele“ so Benedikt von Nursia (um 480 - 547), Ordensbegründer der Benediktiner und katholischer Heiliger nur ein Beispiel.

„Nihil agre delectat“ (Nichtstun erquickt) weiss dagegen trotzig Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.) und die nichtrauchenden Humanistisch-verbildeten sprechen korrekt [Kikero] aus. Auch der von mir gern, oft und lang zitierte Oscar Wilde (1854 - 1900), eigentlich Oscar Fingal O’Flahertie Wills, irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor lenkt uns Ex-Raucher in diese Richtung der Betätigung: „Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt. Mehr volkswirtschaftlich Output-Orientiert argumentiert dagegen mit „Nichtstun ist besser, als mit vieler Mühe nichts schaffen“ Laotse (6. oder 4. - 3. Jh. v. Chr.), eigentlich Laozi, Begründer des Taoismus, „Laotse“ bedeutet übrigens 'der Alte' und sein Sippenname war 'Li Erl'. Der auch noch kompakter formuliert: „Im Nichtstun bleibt nichts ungetan“.

Müßig 3

„An sich ist Müßiggang durchaus nicht Wurzel allen Übels, sondern ist, im Gegenteil, ein geradezu göttliches Leben, solange man sich nicht langweilt“ weiss Søren Aabye Kierkegaard (1813 - 1855), dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller zu berichten. „Der Teufel führt jeden in Versuchung, außer den Müßigen. Der nämlich führt den Teufel selber in Versuchung“ so ein Ungarische Sprichwort und das Türkische fast wortgleich: „Der Teufel verführt alle Menschen, der Müßiggänger aber verführt den Teufel“ ... klingt doch sehr verlockend oder bin nur ich so schräg drauf? „Müßiggehen verlangt ein starkes Selbstbewusstsein“ baut Robert Louis Balfour Stevenson (1850 - 1894), schottisch-britischer Erzähler mein sowieso überbordendes Ego weiter auf.

Für alle Ex-Raucher, die unversöhnlich mit der Idee des Nichtstun sind als Hilfe: Nichtstun ist immerhin noch besser als Faulenzen. Um das Nichtstun wirklich zu geniessen, muss man etwas tun. Faule wissen nichts von den Freuden des Müssiggangs ...

Brecht!

„Die Widersprüche sind unsere Hoffnung“ ist das Motto im „Dreigroschenprozess“ vom geliebten Bertolt (Bert) Brecht, geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg als Eugen Berthold Friedrich Brecht, der einflussreichste deutsche Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts.

Mittwoch, Februar 09, 2005

Aschermittwoch

Der Name Aschermittwoch kommt vom Brauch, die Asche von Palmen des Palmsonntags des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen auf der Stirn mit einem Kreuz aus dieser Asche zu zeichnen. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Der Priester spricht bei der Zeichnung mit dem Aschenkreuz die Worte: „Gedenke Mensch, dass du aus Staub bist, und zum Staub wirst du zurückkehren.“ In der katholischen Kirche ist der Aschermittwoch ein gebotener Fasten- und Abstinenztag.

Die wacheren unter uns berechnen bitte mal die nächsten 50 Aschermittwoche unter zu Hilfenahme von: http://www.salesianer.de/util/kalender.html.

der bayrische Nestroy

„Alle lachen. Manche Schreien. Woraus besteht er? Aus drei Dingen: aus Körperspaß, aus geistigem Spaß und aus glanzvoller Geistlosigkeit. Der Komiker Valentin ist ein bayrischer Nestroy.“ Schreibt Alfred Kerr über den vor 57 Jahren in München gestorbenen Valentin Ludwig Frey, bayerischer Komiker, Kabarettist, Autor und Filmproduzent, bekannter unter dem Künstlernamen „Karl Valentin“.

Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski starb am 9. Februar 1881 in St. Petersburg. Er war einer der größten russischen Schriftsteller, „ein zerrissener, nach außen hin häufig schroff wirkender Mann, von großer Güte, aber auch unberechenbar in seiner maßlosen Erregbarkeit“ so seine Biografin Ulrike Elsäßer-Feist in „Zwischen Glaube und Skepsis“ (2004): „Mit außerordentlicher Klarsicht für die damals noch wenig erforschten Tiefen der menschlichen Psyche beschreibt er in seinen Werken einen Strudel von Leidenschaften, Fieberphantasien, Minderwertigkeitsgefühlen, Grübeleien und dramatischen Umbrüchen“. Verehrte Ex-Raucher, klingt doch irgendwie nach Entzug der ersten Tage oder? Wie wäre es heute mit den „Brüder Karamasov“ ...

Fastenzeit

Der Aschermittwoch markiert im Christentum den Beginn des 40tägigen Fastens. Die Fastenzeit umfasst 46 Kalendertage, und dauert bis Karsamstag, die sechs fastenfreie Sonntage (bis Palmsonntag) sind abzuziehen ... Am besten fastet es sich übrigens mit der

Elsässer Sauerkraut-Quiche: Geriebener Teig: 150 g Mehl, 75 g kalte Butter, ca. 3 EL kaltes Wasser, 1 Prise SalzBelag:200 ml Sauerrahm, 2 TL Mehl, 3 Eier, Salz, Pfeffer, 30 g Butter, 800 g gekochtes Sauerkraut (klein geschnitten), 100 g geräucherter Speck (Streifen), einige Wacholderbeeren, Kümmel, etwas Muskat.

Für den geriebenen Teig Mehl sieben, kalte Butter in kleinen Stückchen dazugeben. Beides mit den Händen vermengen, bis die Masse gleichmäßig krümelig ist. In die Mitte eine Vertiefung machen. Kaltes Wasser und Salz hineingeben. Rasch kneten, bis der Teig nicht mehr klebt. Mindestens 30 Minuten kalt stellen. Eine Springform einfetten, mit dem Teig belegen, dabei einen Rand hoch ziehen und den Boden mit einer Gabel einstechen.

Für den Belag Sauerrahm mit Mehl und Eier vermischen, mit Muskat, Salz und Pfeffer würzen. Das Sauerkraut lockern, auf dem Teigboden verteilen, die Sauerrahm-Mischung darüber geben, mit den Speckstreifen und den Wacholderbeeren und Kümmel belegen. Im auf 220 Grad vorgeheizten Ofen 30 Minuten backen. Nach dem Backen mit Schnittlauch bestreuen. Die Vorsichtigen unter uns können allerdings am ersten Tag der Fastenzeit den Speck auch etwas unter dem Sauerkraut verstecken ...

von keltische Riten entwurzelt

Was gibt uns Valentin mit in diesen ersten Tag des Gottesstaates?: „Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von allen.“

Andererseits soll ja nach alten Überlieferungen der Teufel an Aschermittwoch aus dem Paradies vertrieben worden sein ... und ich fühl mich heute auch schon ganz von allen keltischen Riten entwurzelt und muss wahrscheinlich die nächsten Tage noch ab und an heimlich in den Keller gehen und karnevalistische Pholxmoozique hören ...

Das Wetter

Nimmt Februar sich Schnee und Eis, verdient der nächste Mai den Preis.

Dienstag, Februar 08, 2005

Turbulenzen

Während und trotz Karneval sind die 8. Februare für Turbulenzen bekannt: Maria Stuart wird nach 19jähriger Haft hingerichtet (1587), Schlacht bei Preussisch Eylau in den Napoleonischen Kriegen (1807), Der Wiener Kongress veröffentlicht eine Erklärung gegen den Sklavenhandel (1815) oder auch der Zusammenschluss der US-amerikanischen Südstaaten zum Bund der Konföderierten Staaten von Amerika (1861).

Karneval

Begonnen hat der Karneval übrigens vor rund 5000 Jahren im Zweistromland, dem Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. führt an, dass unter dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes. Die Inschrift besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“ Hier wird zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und es ist bis heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals ...

... der heute um Punkt Mitternacht endet. Es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten „Nubbel“ oder „Bandle“, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen ... na da hoffe ich doch, dass meine Geheimmission als Beobachter heute nicht auffliegt oder soll ich besser gleich ins niederrheinische fliehen? In den niederrheinischen Städten wird der sogenannte Hoppeditz zu Grabe getragen. Dieser war ursprünglich eine typisch niederrheinische Narrenfigur. So wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert am Niederrhein der kleinen Leute Brauch war, in der Nacht auf Aschermittwoch ausgerüstet mit Stangen, an denen Würste hingen, durch die Straßen zu laufen und lustige Lieder zu singen.

civitas diaboli

Die Karnevalszeit steht nach den augustinischen Lehren vom Zwei-Staaten-Modell für die „civitas diaboli“, den Staat des Teufels. Mit dem Aschermittwoch beginnt folgerichtig die Herrschaft der „civitas dei“, des Gottesstaates, der über den Teufelsstaat siegreich bleibt. Daher wurde die oftmals ausartende Fastnacht von der Kirche als (didaktisches) Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die „civitas diaboli“ wie auch der Mensch vergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein, streng verfolgt. In manchen Fastnachten wird vor diesem Hintergrund bereits am Fastnachtsdienstagabend zum „Betzeitläuten“ die Maske um sechs Uhr abgelegt. Hintergrund zu dieser Uhrzeit ist die mittelalterliche Tradition, dass der neue Tag bereits mit dem Einbruch der Nacht beginnt.

Aquavit!

Was bitteschön heisst denn hier sich bei X+81 „die Kante geben“? „Euch ist bekannt was wir bedürfen, wir wollen starke Getränke schlürfen“ weiss der im Schillerjahr böse vernachlässigte Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe. „Alkohol in ausreichender Menge genossen,“ wusste schon Oscar Wilde, „bewirkt alle Symptome der Trunkenheit“ und der Meister William Shakespeare verdichtete in ‚Romeo und Julia’ einzigartig kompakt: „Gebt mir Aquavit!“.

Für Nichtjecken

Alle Nichtjecken feiern heute bitte den Tag der Werktätigen des Post- und Fernmeldewesens um einen guten DDR-Brauch fortzusetzen während ich noch mal mutig und letztmals Anlauf nehme ... und mich in den Gottesstaat beobachte ...

Montag, Februar 07, 2005

Pfaffenfastnacht

325 wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 führte Papst Gregor I. eine 40tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern („Invocavit“ oder „Dominicia Quadragesima“, im Deutschen auch „Funkensonntag“). Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch. Noch bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte „Burefasnacht“ (Bauernfastnacht) und die neue Herren- bzw. Pfaffenfastnacht konkurrierend nebeneinander.

Universum

„Wozu Socken, die erzeugen nur Löcher“ - denkt noch jemand ans Einstein-Jahr? Mich erstaunen Leute, die das Universum begreifen wollen, wo es schwierig genug ist, im Rheinischen Karneval zurechtzukommen. Mit der Frage „Lebst Du schon oder nicht-rauchst Du noch?“ werde ich am Donnerstag abend in der Bar jeder Vernunft begrüsst. Auf Nachfrage meinerseits kam die übliche Antwort auf die asketischen ja aseptischen Ex-Raucher, die aus Angst vor Rückfällen jede Art von wildem Treiben meiden. Na den Rest des Abends waren alle betrunken oder arbeiteten intensiv daran, es zu werden. Ein Blick in die Bekanntschaft zeigt mindestens zwei Lager: Die Fraktion „jetzt probieren wir mal das Feiern ohne Rauch“ und diejenigen, die in zahllosen Varianten tagtäglich Martinas Kuchen backen. Also da muss jede(r) selbst wissen was zu tun ist. Ich mindestens, hab mir vorgenommen nicht zu rauchen und nicht etwa nicht in Kneipen zu gehen, keinen Alkohol zu trinken oder gar nicht zu feiern.

Beobachtender

Da ich kein Karnevalist bin, genüge ich mir mit der Rolle des Beobachters. Genauer: Teilnehmend-verdeckter Beobachter, um das Verhalten (direkte Beobachtung) oder auch die Auswirkungen des Verhaltens (indirekte Beobachtung) eines Untersuchungsobjektes zu untersuchen. Der Beobachter ist selbst Interaktionspartner der beobachteten Personen. Verdeckte Beobachtung, weil sich Versuchspersonen signifikant anders verhalten, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden („Versuchsleiter-Effekt“ bzw. „Rosenthal-Effekt“). Umgekehrt entsteht auch durch das persönliche Involviertsein des Untersuchungsleiters in das untersuchte Szenario die Gefahr, dass die angestrebten, möglichst objektiven Erkenntnisse durch subjektive Erfahrungen überlagert oder verfälscht werden ... seltsame Veränderungen übrigens, die letzten vier Tage: Muss ich als teilnehmend-verdeckter Beobachter wirklich jedes Karnevalslied mitsingen?

nomen est omen ...

Die Herkunft des Namens „Karnevals“ ist übrigens bis heute unklar. Das mittellateinische „carnelevale“ als die mit der Fastenzeit bevorstehende „Fleischwegnahme“ wie auch das lateinische „carne vale“ als der Abschiedsruf vor der Fastenzeit „Fleisch lebe wohl“ sind wohl dreist erfunden. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff auch auf das römische „carrus navalis“ Schiffskarren, ein Schiff auf Rädern, das bei jährlichen Umzügen zum Wiederbeginn der Schifffahrt durch die Strassen geführt wurde, zurückgeführt. Hieraus soll sich die Tradition des Narrenschiffs gebildet haben. Leider, leider ergaben Forschungen, dass „carrus navalis“ im römischen Latein nicht existiert. Fastnacht hingegen kommt vom Althochdeutschen „Fasta“ (Fastenzeit) und „Naht“ (Nacht, Vorabend) und bezeichnete ursprünglich nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, ab dem 15. Jahrhundert auch die Woche davor.

Trinken

„Glück ist Selbstgenügsamkeit“ glaubte Aristoteles zu wissen, aber doch bitte nicht jeden Tag! Bitte nicht missverstehen: Feiern hat nicht zwangsläufig mit Trinken oder gar Be-Trinken zu tun, aber manchmal halt auch ... „Wer trinkt schon überhaupt nichts – man darf nur nichts jeden Tag trinken“ rät mit bei X+80 der sehr erfahrene Russische Volksmund. Ich hatte für Sünder schon immer vielmehr übrig als für Heilige

Mittwoch, Februar 02, 2005

Rheinkultur

„Karneval ist Nonsens in Rheinkultur“ hilft mir Werner Mitsch in mein heutiges, heikles Thema. Die Hölle auf Erden trägt den Namen Karneval in Köln – so grausam kann selbsternannte „Fröhlichkeit“ sein. Als Süddeutscher durch unerklärliche und widrigste Umstände letztes Jahr zur Unzeit dorthin verschlagen, wünschte ich mir die zwanglos-heitere Gelassenheit einer schwäbischen Beerdigungsfeier, die stille und humorvolle Würde eines Hühnerschlachthauses im Hunsrück oder die fröhlich-distanzierte Gelassenheit einer Dorfkneipenvorführung des Magnifikats durch die Grünkohlbauern in Visselhövede.

Joyce

James Joyce geboren am 2. Februar 1882 in Dublin, ein irischer Schriftsteller, beeinflusste die Geschichte des modernen Romans ebenso massgeblich wie etwa Marcel Proust und Robert Musil. Joyces bedeutendster Beitrag zur Moderne war die Erzähltechnik des „Stream of Consciousness“ bzw. des sog. inneren Monologs. Unter http://www.gutenberg.org/etext/4300 findet sich die Originalversion eines der kompliziertesten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, das eigentlich als unübersetzbar gilt, aber dennoch in über 30 Sprachen übersetzt wurde, zum Teil sogar mehrmals. Die Rede ist von dem Roman Ulysses der 1922 erschien.
Noch das Wetter: „Im Februar müssen die Stürme fackeln, dass den Ochsen die Hörner wackeln“.

Jecken!

Karneval? Sogenannte Jecken fluten sich tage- und nächtelang mit obergärigem Schankbier, das rüpelhafte Pseudokellner zu völlig überteuerten Preisen durch restlos überfüllte und stinkend-verrauchte Spelunken schwenken bis auch der letzte Geschmack verschüttet ist. Dem vom Gebräu verursachten Harndrang wird mutig entgegengegrölt: „Mer lasse den Dom in Kölle, denn da jehört er hen“ .... Wer sollte ihn mitnehmen frage ich mich X+75er indigniert und weiche geschickt frierenden Schnapsleichen aus, die in Kaufhauseingänge urinieren und gleichzeitig anderen Papierschlangen auf die Gehhilfe blasen.

Auf sogenannten Prunksitzungen öden senile Geriaten mit Witzen aus der Frühsteinzeit ein Haufen Sitzjecken an, die teuerbezahlt und sich lange angestellt haben. Phantasieloseuniformen in Kleinkindfarbgebung wechseln sich ab mit Pubiertierenden, die so lange die weissbestrumft-ungestalteten Beine aus den zu kurz geratenen Röckchen schwingen, bis die Honoratioren in der ersten Reihe vor lauter Schrittblick den Schrittmacher runterdimmen müssen. Wer das überlebt, muss sich den Jeckenumzügen in den Innenstädten stellen. Adabelt der vierundzwanzigste grinst neben Theophila der siebten dumdreist vom verkitschten Deutz-Traktor und werfen mit von der Zahnarztinnung gestifteten Plombenziehern um sich. Paramilitärisches Holzgewehrgeschwenke wechselt sich ab mit Gonsbach-Lerchen und Meenzer-Kleppergard – das einzig authentische ist die Pferdescheisse, die von den Jecken eingesammelt wird wie die Kamelle. Der Zug ist organisiert mit der humorlosen Akribie einer TÜV-Hauptuntersuchung oder der Kassenprüfung beim Kleintierzüchterverein Neuss-Süd.

Helaf und Allau

Wer freilich meint, diese Kölner Fröhlichkeit liesse sich nicht steigern, sollte einmal zum äussersten schreiten und den Sitzungen und Karnevalsumzügen in Oldenburg, Hannover, Kiel oder Stuttgart beiwohnen. Während in Köln, Düsseldorf oder Mainz die Menschen die eigene Sinnlosigkeit gar nicht mehr hinterfragen können, ahnt noch jeder Minderbegabte in Nord- oder Süddeutschland, dass der ganze Unsinn auch nicht im mindesten etwas mit Witz, Humor oder auch nur Lustigkeit zu tun hat. Nur den beherzten Polizeikontaktbereichsbeamten ist es zu verdanken, dass die Selbstmordziffern sich in diesen Tagen nicht vervielfachen ...

In jedem Falle bin als Chronist ich auch dieses Jahr wieder dabei – einer muss doch den Überblick behalten – wer, wenn nicht ich? Und immer bedenken, dass alles ein Ende haben wird wie im Italienischen Sprichwort: „L'amore di carnevale muore di quaresima“ (Karnevalsliebe stirbt zur Fastenzeit). Helaf und Allau!

Dienstag, Februar 01, 2005

Günter Eich

"Als ich das Fenster öffnete, schwammen Fische ins Zimmer,
Heringe. Es schien eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie. Die meisten aber
hielten sich noch im Wald, über den Schonungen und den Kiesgruben.
Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch die Matrosen
(auch höhere Ränge, Steuerleute, Kapitäne),
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.
Ich will ausziehen."

„Wo ich wohne“ von Günter Eich, geboren am 1. Februar 1907 in Lebus an der Order gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker. Neulich gedachte ich noch seines Todestages.

Formvolles Verabschieden

Nachdem vor einigen Tagen die korrekte Anrede gefordert wurde, sollte nun das formvolle Verabschieden Gegenstand des Gedankens sein ... Meinem sehr unmassgeblichem Höflichkeitsempfinden nach haben wir hier noch erhebliches Verbesserungspotential und nicht alle blogger haben ausrechend die Benimm-Regeln verinnerlicht.

Sollten wir uns nicht zurückbesinnen auf traditionelle Grußworte wie „Auf Wiederlesen“, „Grüss Gott“, im alpinen Bereich des Sieben-haha-Gebirges auch „Grüezi“, „griass' di“, „Grüss' Ihna“ bis "pfiat' Di" (behüte Dich Gott). Auch das aus napoleonischer Zeit stammende „Ade“ und „Adieu“ („zu Gott“). Noch passender freilich: „Meine Verehrung“, „Beste Empfehlungen“, „Gott zum Grusse“ und zeitlich variable Sonderformen wie „Gesegnete Mahlzeit“, „Besinnlichen Abend“ oder auch „Geruhsame Nacht“. Auch eine tiefe Verbeugung oder zeremonielle Niederwerfung zeigt hohe sittliche Reife. Adelige aus Köln-Porz können auch mit „Servus“ grüssen, das so viel wie „Ich bin dein Diener“ bedeutet.

Die gute Nachricht: Wir müssen beim Schreiben auf der Tastatur nicht mehr den kleinen Finger abspreizen. Diese Geste ist heute vollkommen passé ... (aus „Der Kapuziner Mönch aus dem Mittelalter“): „Mit weißem Leinen wurde die Tafel gedeckt, die Mundtücher durften nur zum Abtupfen von Braten, Sud und Wein genutzt werden. In Schalen reichte man duftendes Wasser für die Hände herum, und die Damen spreizten den kleinen Finger, den man gemeinhin zum Reinigen des Afters nutzte, geziert von ihren Trinkbechern ab, um diesen nicht zu beschmutzen und ihren neuen Sinn für Reinlichkeit zu demonstrieren.“

Der amerikanische Abschiedsgruss „good bye“ hat übrigens nichts mit „gut“ zu tun, sondern leitet sich ab von „god be with you“ (Gott sei mit dir) wie auch „so long“ nichts mit dem Zeitraum zu tun hat, bis man sich wiedersieht, sondern aus dem arabischen „salaam“ beziehungsweise dem hebräischen „shalom“ entstanden.

Allen spektabilen Heiligkeiten, magnifizienten Königlichen Hoheiten, durchlauchten Eminenzen und eminent wichtigen Duchlauchten wünsche ich nun von Herzen Tschö, Tschüssle und Tschüssi ... und bis die Tageeeee